43Die Augen des Herrn ſehen auf die Gerechten. Jaauch auf uns sind sie schon itzo beständig gerichtet.O laßet uns unsere Seelen, unsere Tritte, unsernGang genau bewahren! Laßet uns auf unserer Huteyn, und uns prufen, mit was für einem Sinne,Muthe und Freudigkeit wir vor dem Herrn werdenerscheinen können. Laßet uns an den Tag seinererrlichen Erscheinung mit ehrfurchtsvollem Herzen,gicht mit knechtischem Schröcken denken. Dochder erschröcke, der von seinem Gewissen der Untreueund Faulheit beſchuldiget wird. Nun ſchaffe er ſei-ne eigene Seligkeit mit Furcht und Zittern. Er de-müthige sich und suche Gnade; und dann fange eran andere zu warnen, zu retten und selig zu machen.Denke an das Betragen und den Lohn des untreuenKnechtes. Weg mit den ungerechten Vorstellungen,dadurch man sich Gott als einen strengen und tyran-nischen Herrn vorstellet, und dadurch nichts anders,als eine knechtische Bangigkeit gewirket werden kan,wodurch der Arbeitsamkeit und dem Fleise in unsermAmte alle Nahrung benommen wird. Dienet demHerrn mit Furcht, und freuet euch mit Zittern. Ei-ne tiefe Ehrfurcht mit einer heiligen Sorgfalt denWillen, den allein guten Willen unsers Herrn alle-wege zu thun, belebe unsere Herzen!Laßet uns an das klägliche Ende jenes bösen unduntreuen Knechtes gedenken, und durch ſein trauri-ges Exempel unsere Seelen erwecken, uns vor demgeringsten Grade der Untreue zu hüten. Sein trau-tiger Ausgang mache uns behutsam, vorsichtig, wach-am. Dagegen aber laßet uns auch unser Herz aufdie unaussprechliche Freude richten, damit das Herzaller treuen Knechte Gottes erfüllet werden wird,.
Druckschrift
Der Lohn der Treue und des Fleises im Gebrauche der von Gott empfangenen Talente im Gegensatze der Strafe der Untreue und der Faulheit : Eine christliche Synodalpredigt vor dem versamelten reformirten Clevischen Synodo zu Wesel den 1. Junius 1774
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