44wenn unser groser und gnädiger Herr sich so weit herablaßen wird ihre Treue und ihren Fleiß öffentlichzu ruhmen, und zu ihnen zu sagen: Ey du from-mer und getreuer Knecht, du bist uͤber weni-gem getreu gewesen: Ich will dich über viel se-tzen, geh ein zu deines Herrn Freude. Dieseüberschwängliche Freude sey der grose Gegenstand un-serer Hofnung und Bemuhung! Unser täglichesGeschäfte sey dieses, ein jegliches Talent, das unse-ren Händen ist anvertrauet worden, so anzuwen-den, daß wir daran ein Zeichen haben, daß unserLohn künftig gewis und gros seyn werde im Him-mel! Eine frohe Aussicht in die Ewigkeit vertreibealle Trägheit, belebe unsern Eifer, und mache unsernFleiß unermüdet!Heil dem, den der Herr als einen treuen Knechtkennet, und dem sein Herr als ein guter Herr be-kant ist! Der kan sein Tagewerk zufrieden und freu-dig abthun. Kein Widerstand darf ihn muthlosmachen; kein Unglück niederschlagen. Aller Tadelder Welt schadet ihm nichts. Das ewig geltendeLob bleibt ihm unfehlbar. Solches überwiegt alleSchmach, alle Verachtung. Die Demüthigen,denen der Herr Gnade gibt, sind ihm am nächsten.Die Stolzen, denen der Herr widersteht, die sichJe mehr Gnade,selber loben, sind ferne davon.Stolz, deſto weni-desto mehr Demuth. Je mehrger Gnade. So wie diejenigen, die sich selber recht-fertigen, der Rechtfertigung des Herrn nicht bedur-fen: so bedürfen auch diejenigen seines Lobes nicht,die sich selber loben. Die sich aber für unnütze Knech-te halten, sind desselben am bedürftigsten und fähig-sten. Lobe du mich, Herr! dann mag mich die.
Druckschrift
Der Lohn der Treue und des Fleises im Gebrauche der von Gott empfangenen Talente im Gegensatze der Strafe der Untreue und der Faulheit : Eine christliche Synodalpredigt vor dem versamelten reformirten Clevischen Synodo zu Wesel den 1. Junius 1774
Seite
44
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten