I.
Ein wenig Genealogie.
Recht ungerne bekenne ich, in dieses Gebiet hinüberzugreifen, das den Einen diehohe Schule aller Forschung scheint, während Andere von ihrem Standpunct des geschicht-lich Wichtigen aus darin kaum mehr als ein Steckenpferd erblicken. Es geschieht, um dieAufhellungen, die sich mir nach mehreren Seiten hin boten, als ich das über die Herkunftder Zähringer in Quellen möglicherweise Benutzbare und in Abhandlungen Behauptetenicht ausser Acht zu lassen für Pflicht hielt, vorzulegen und mit einem Theile davon zugleichdie Forschungen eines Mannes zu Ehren zu bringen, dessen staunenswerthe Gelehrsamkeitund Geistesschärfe an das Unbegreifliche streift, wenn man weiss, welches Leiden diesenGeschichtsforscher zwang, ausschliesslich mit dem Gedächtnisse zu arbeiten, ich meineWilhelm G i s i in Solothurn, zugleich aber ihm gegenüber in einehi Puncte — und geradedieser Punct ist der für die Zähringerabstammung wichtige — meine abweichende Ansichtzu wahren und zu begründen. Von denjenigen, die auf diese Auseinandersetzungen selb-ständig eingehen wollen, darf ich voraussetzen, dass sie sich auch ohne eine neue Gesammt-übersicht über a 11 e s bisher Aufgestellte zurecht zu finden wissen und die Literatur entwederschon kennen oder auch bei Gisi, der stets auf die Geschichte der in Betracht kommendenHypothesen eingeht, die etwa nöthigen Hinweise entnehmen werden; so lasse ich denn dieschon endgiltig abgethanen genealogischen Systeme vorsichtig unberührt, damit nicht derveraltete Staub der Hypothesengelehrsamkeit im Schwall aufwirble, die Augen trübe, diesonst klar und frei liegenden geschichtlichen Thatsachen mit Grau umhülle und um hinweg-geschwemmt zu werden, eine eigene umfängliche wässerige Monographie erfordere. VonGisi's Arbeiten über andere fürstliche Häuser als das zähringische halte ich seine Auf-stellung über die Abkunft der Grafen von Nimburg für verfehlt (so werthvoll das sonstvon ihm über das neuenburgische Haus [in der Schweiz], mit dem jene stammeseines seinsollen, Beigebrachte seinmag), dagegen verdankt die Geschichte der Zähringer gar mancherleiseinen Darlegungen über die Abkunft der Häuser Savoyen, Bheinfelden und Habsburg undüber das hochburgundische Grafenhaus. Sie finden sich alle in den Jahrgängen des „Anzeigersfür schweizerische Geschichte' seit 1886. Auf seine Zähringertheorie kann nun aber nichteingegangen werden, ohne die vielbehandelte Guntramfrage zu berühren, denn Gisi hältGuntram für einen Ahnen des zähringischen Hauses im Mannesstamme.
In den Forschungen zur deutschen Geschichte, XXVI 287 ff. „Guntramnus comes"erwies Gisi den unter Otto I wegen Hochverraths verurtheilten Grafen Guntram als denSohn des Nordgaugrafen im Elsass, Hugo (über dessen Familie er zugleich weitere Auf-klärungen brachte, namentlich über seine anderen, die Egisheimer Nachkommen). In dem
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