Coustanzer Friede. Verlobung Bertold's V. 411
Es kann nicht verwundern, wenn er im Uebrigen nicht in allen damalserlassenen Kaiserurkunden als Zeuge auftritt, zumal die Zeugenreihen dereinzelnen jedesmal nur einen Theil der vielen Anwesenden nennen.
Die besondere Zustimmung Bertold's IV hob aber Kaiser Friedrichhervor, als er am 25. Juni dem Kloster Interlaken ebenfalls den Besitz deshalben Forstes Iseltwald bestätigte, den einst Konrad III aus der zähringi-schen Gewalt gelöst und dem Kloster geschenkt hatte 1246 .
In dem gleichen Jahre, da auf diesem grossen Hoftage der ConstanzerFriede unter Mitwirkung Bertold's geschlossen wurde, vollzog der Herzog dieVerlobung seines einzigen Sohnes. Nämlich der Graf Matthäus, welcherdurch die Hand der Agnes von Boulogne diese Grafschaft erheirathet hatte,hatte zwei Töchter, von denen die ältere, Ida, die voraussichtliche Erbin derGrafschaft war. Diese Ida war verheirathet oder wahrscheinlicher nur ver-lobt gewesen mit dem Grafen Gerhard von Geldern, ehe ihr Oheim, der GrafPhilipp von Flandern und Vermandois (übrigens gegen seinen dem KönigHeinrich von England geleisteten Schwur: seine beiden Nichten nicht ohnejenen hinzuzuziehen zu vergeben) ihr die neue Verbindung mit dem SohneHerzog Bertold's, dessen Familie ja mancherlei Beziehungen in diese Landedurch ihre Namur'schen Verwandten und auch durch Rudolf von Lüttich hatte,vermittelte. Auch sie hatte keinen Bestand. Ida wird von den Berichten alsein unruhiges und leichtfertiges Weib geschildert und so geschah es, dass dieVerbindung von Bertold wieder rückgängig gemacht wurde 1347 . Die Erbinvon Boulogne hat danach verschiedene Ehemänner und Liebhaber gehabt,Bertold V aber erst in viel späteren Tagen, als alternder Mann eine neueVerbindung gewagt. So ist die Leichtfertigkeit dieser Boulognerin nicht ohneeine Schuld daran, dass der mächtige zähringische Herzogsstamm mit Ber-told V erloschen ist.
1246 St. 4362.
1847 Nachrichten haben Lambert von Ardre Hist. comit. Ghisnensium MGSS.XXIV 605, Gisleb. chron. Hanon. SA. 87, Eoger von Hoveden MGSS. XXVH 144 (zu1177; nach den Gesta Heinrici II MGSS. XXVEE 102 war die erste Verbindung, mit demGrafen von Geldern [f 1183] erst 1180. Hat etwa Roger den Venediger mit dem Con-stanzer Frieden verwechselt?), Radulf von Coggeshale MGSS. XXVII 345 (der Bertold Vals dritten Mann der Ida nennt). Ich wage nicht sicher zu entscheiden, ob das Verlöbnissauch zur vollzogenen Vermählung führte. Letzteres nehmen die Berichte anscheinend an(nupsit Gislebert a. a. 0.), nur aus dem vertrauenswürdigen Bericht Lambert's von Ardrekann man auch das blosse Verlöbniss entnehmen; für die Heirath könnten auch die sospäte zweite Ehe Bertold's V und dessen in so grossem Dunkel verbleibender Sohn Bertold(s. u.), falls dieser nicht nach 1198 u. 1208, sondern vor beiden Daten lebte und starb,sprechen. Andererseits macht Bedenken, dass Ida nie als wirkliche Gattin in Urkk. odersonst neben Bertold erscheint, und dazu denn ja auch an sich die Schwierigkeit der mittel-alterlichen Scheidung und die spätere Verhe.irathung beider Theile mit Anderen.