Konrad's Persönlichkeit. 325
baren Bürgerfreundlichkeit mit nicht minder weit vorausschauendem Blick,aber unter Vermeidung jegliches Abenteuerlichen und unter möglichster Be-seitigung aller starken Gegnerschaft in fast nüchterner und duldender Mäs-sigung seinen klug gewählten Mittelweg zieht.
Die Kirche verlor in Herzog Konrad keinen Vorkämpfer, aber einenfreundlichen Geber. Seine Gutthaten für St. Peter, seines Hauses Stiftung,für Reichenau, für St. Johann in Bürgein wurden schon erwähnt; auch Murinannte ihn seinen Wohlthäter. Sie haben, wie die zum Theil erhaltenenTodtenbücher zeigen, seines Todestages noch ferner in dankbarem Erinnerngedacht, St. Peter auf dem Schwarzwald durch ein Amt mit 5 Kerzen, wiedie Mönche es ebenso seinen Vorgängern widmeten.
Auch die Jahrbücher der klösterlichen Geschichtschreiber vergassenseiner nicht. Nicht nur schwäbische, bairische, salzburgische Annalistenzeichneten die Kunde, die von Herzog Konrad's Tode durch das Reich ge-tragen wurde, in ihre Bücher ein; der Annahst von Kloster Poehlde ferneam Harz, dessen Blick sich nur selten aus Sachsen heraus verliert, fügtesogar, wie schon berührt wurde, der Nachricht eine kurze Zusammenfassungder letzten politischen Stellungnahme des Zähringers hinzu.
Der staufische König ehrte in ganz besonderer Weise den mächtigenMann, der so kurz vor seinem Dahinscheiden eine Brücke für den Friedenbeider Familien neu erbaut hatte; er brach sofort von Constanz auf und zogden Weg, den auch die Leiche des Herzogs von den Seinen geführt wurde,dem winterlichen St. Peter auf dem Schwarzwalde zu. Hier in der Gruftvor dem Kreuze — dem Triumphkreuz des Laienaltars — fand bei seinenEltern und nahe dem so früh gestorbenen Bruder auch Herzog Konrad dieletzte Ruhestatt 986 . Zu ihres Gatten Gedenken schenkte die verwittweteHerzogin dementia an der offenen Gruft dem Kloster ein Gut zu Röthen-bach (BA. Neustadt) und eine purpurne Casula 987 und bestätigte auf desBischofs Hermann von Constanz Mahnung dem Kloster sofort auch seinebisherigen Freiheiten 988 .
St. Peter hat nie eine so glänzende Versammlung gesehen, als diejenigewar, welche dem Herzog die letzte Ehre erwies. Am 12. Jan. finden wirdieses Trauergeleite in Konrad's Stadt, zu Freiburg, beisammen, von wo aus
086 Geneal. Zar. Freib. Diöc.-Arch. XTV 84 = MGSS. XIII 736 ante crucem insepidcro parentum suorum; Thenenbacher Urbar bei Leichtlen, die Zähringer S. 92. Vgl.auch den Befund der Gruft aus dem 17. Jahrb. bei Kolb III 150: est autem hae tumba inmedio templi parochialis sive exterioris ante crucem.
987 MGNecrol. I 334.
988 Schannat Vind. I p. 162 f. u. danachSchöpflinV97f. Mit Zustimmung der Söhneausser der des Nachfolgers, Bertold's, der sich wohl eine eigene Beurkundung vorbehielt;vgl. unten S. 338.