Der "Wendenkreuzzug. 313
Dieser tapfere und bedeutende Fürst, dessen Herrschaft sich auch schon nachOsten über die Kessiner (an der Warnow) und Circipaner und nach Südenüber den Theil des Polabenlandes um Schwerin ausgedehnt hatte und der derletzte Heide unter den Ahnen des regierenden mecklenburgischen Hauses ist,er ist der Träger des festen Widerstandes, den der deutsche Wendenkreuzzugfand. Zunächst sandte Niklot an Adolf von Holstein, seinen befreundetenund verbündeten Nachbar und bat um eine Zusammenkunft oder doch umRath; aber der Schauenburger, dem man ja oben unter den Versammeltenvon Frankfurt begegnet ist, konnte unmöglich auch nur Neutralität offen ver-heissen und wies dementsprechend die Boten des Wenden auf die Rücksichtgegen die christlichen Fürsten hin, die ihm nicht verstatte „unvorsichtig"zu sein 942 . In demselben Sinne Hess er dann seinerseits noch bei Niklotunterhandeln.
Als dieser den sächsischen Einmarsch als unvermeidlich erkannte, saher das letzte ihm gebliebene Mittel im Schrecken: nothdürftig sorgte er fürdie an Adolf versprochene vorherige Ansage etwaiger Feindseligkeiten undfiel in das von diesem mit Friesen und Westfalen besiedelte Wagrien ein.Es war am 26. Juni in der Frühe, als seine Flotte in der Travemündung diewendischen Schaaren an's Land setzte, die nun Lübeck überfielen und dasganze Wagrien mit Morden und Sengen durchschweiften. Inzwischen hatteder Fürst die Bürg Dobin ausgebaut, die seinem Volke eine feste Zufluchtin der kommenden Noth zu bieten bestimmt war: eine echte Wendenburg, invortrefflich ausgewählter Lage am nördlichen Theile des Schweriner See's,und zwar an dessen Ostufer auf der Landenge zwischen dem grossen undeinem kleinen Nachbarsee (der noch „die Dope" heisst), so dass die Burgan zwei Seiten von Wasser geschützt war und zu Lande nur auf schmalem,leicht zu vertheidigenden Boden angegriffen werden konnte 943 .
Geschichten, 3 Bde., Berlin 1843, dann auch Fr. "Wigger, Stammtafeln des grossherzogl.Hauses von Mecklenburg, Jahrbb. u. Jahresber. des Ver. für meckl. Gesch. u. Alterthumsk.(cit. meckl. Jahrbb.) L. Schwerin 1885, S. 131 f.
942 Helmold SA. 122 ff.
943 Vgl. die Ausführungen (mit Karte) von Lisch über den Ort Dobin's in denmeckl. Jahrbb. V. 123 ff. — Bernhardi 566 Anm. 8 will mit Lappenberg's Anmerkung zuHelmold SA. 122 Dobin an die Wismar'sche Bucht verlegen. Aber nach HelmoldSA. 126 lag später zwischen dem Kreuzfahrerlager und dem Kampfplatze vor der Vestedas stagnum und wer die Gegend selbst und die Rohr- und Sumpfufer dieser Landseenkennt, wird keine Zweifel hegen, dass die Erzählung der zuletzt erwähnten Hehnoldstellenur dann passt, wenn Dobin wirklich an der von Lisch mit sonstiger Begründung ange-wiesenen Stelle lag. Selbst wollte man das interiaciens stagnum als den feuchten, schnellesGehen hindernden Ufersand des Meeres mühsam deuten, so passt wieder dazu nicht das„gedüngte Erdreich" Helmold's 1. c. Es darf auch nicht übersehen werden, dass die späternoch zu erzählenden Kämpfe vor Dobin und an der Küste ohne jegliche militärische Ver-bindung mit einander sind.