Das zähringische Haus hat die Berechtigung, sich an Alter, damit istgemeint an frühzeitiger Bedeutung und Macht jedem in Europa regierendenMannesstainme voranzustellen. Es ist, wie erst wieder bekannt werden muss,die ältere Linie des zähringischen Hauses, welche sich in den Markgrafen undGrossherzögen von Baden in die Gegenwart hinein fortgesetzt hat; die jüngereLinie, die durch aussergewöhnliche Ereignisse dazu gelangte den Herzogs-titel des letzten gemeinsamen Ahnherrn weiterzuführen, ist schon im Mittelaltererloschen. Die Geschichte dieser Herzöge von Zähringen zu erzählen ist dieAufgabe dieses Buches, das sich also eigentlich auf die Herzogszeit, dieJahre 1061—1218 zu beschränken hätte. Man wird es aber wohl nicht tadeln,wenn der Versuch gemacht wird, den Zeitpunct 1061 nach rückwärts zuüberschreiten und einleitend auf die Vorgeschichte des Gesammthauses ein-zugehen, wiewohl der Geschichte der älteren, markgräflich-grossherzoglichenLinie ein mindestens gleiches und eigentlich grösseres Recht auf diese Vor-zeit zugestanden werden muss, insbesondere auch deswegen, weil die mark-gräfliche Linie es ist, die die Erbschaft der ältesten Würde und Stellung,in der das Gesammthaus in der Geschichte überhaupt erkennbar wird, näm-lich des Grafenamtes angetreten hat. Die herzogliche Abzweigung hat vor derden Vorzug der Erstgeburt aufweisenden markgräflichen Linie wieder einAnderes voraus: eine, solange sie neben dieser herging, ungleich grössereBedeutung.
In den Bergen und der blühenden Ebene des Breisgau's war es, woseit und vielleicht schon vor dem zehnten Jahrhundert das Grafenamt in denHänden desjenigen Geschlechts ruhte, dessen sich allmählich dem Dunkelentringende Geschichte in die des Hauses von Zähringen hinüberfliesst.Nicht nur dies Grafenamt hat es auf diese (zur Weitergabe an die älterefortsetzende Linie) überliefert, auch seinen Besitz diesseits und jenseits desSchwarzwaldes und ausserdem den in beispielloser Weise bevorzugten NamenBertold, neben dem die früheste Grafengruppe anderen Mitgliedern nochgerne den Namen Adalbero gegeben hat. Sehr fraglich muss es immerhinbleiben, ob der Graf Bertold, der im Jahre 893 genannt wird, wo sich an ihnund andere alamannische Grafen eine Urkunde König Arnulfs in Angelegen-heiten St. Gallens wendet, überhaupt Breisgaugraf war und ferner dem er-
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