Druckschrift 
1 (1899)
Entstehung
Seite
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I.

Anfänge und Frühzeit.

Einleitung.

on alters her ist das Bild eines der wichtigsten Erziehungsmittelder Menschheit gewesen, liegt doch die Formensprache desKünstlers, die bildliche Darstellung eines Gegenstandes demVerständnis näher als das geschriebene Wort, und zu einer Zeit,als die Kenntnis der Schriftsprache nur das Eigentum wenigerwar, musste dem Ungelehrten gegenüber das Bild für das Worteintreten.

Bild und Wort aber drängten sehr bald nach Vereinigung, und wohl aus demnatürlichen Drange, lange schriftliche Darlegungen zu umgehen, kam der Verfassereines Schriftwerkes auf den Gedanken, seinem Texte eine erläuternde Zeichnung ein-zufügen. Tausende von Jahren aber sind vergangen, seit das geschah, seit dieersten Text-Illustrationen entstanden. Die ältesten bekannten Beispiele sind altägyptischePapyrusrollen, die nicht nur einfarbige, sondern auch schon kolorierte Zeichnungenaufweisen.

Die Ägypter wurden die Lehrmeister der Griechen, unter deren kunstgeübtenHänden sehr bald Meisterwerke der Buchmalerei entstanden. Die ältesten illustriertengriechischen Handschriften waren wissenschaftlichen Inhalts, mathematische, astro-nomische und medizinische Lehrbücher. So hat schon Aristoteles (384—322 v. Chr.)seinem grossen anatomischen Werke erklärende Zeichnungen eingefügt. Dasselbe thatder berühmte Mathematiker und Physiker Heron von Alexandria (100 v. Chr.), dessenTextzeichnungen sich fast unverändert durch unzählige Ausgaben und Auflagen seinerWerke fortgepflanzt haben und noch heute bekannt sind.*)

Handelte es sich bei diesen rein wissenschaftlichen Werken lediglich umeinfache Umrisszeichnungen, von denen nur die bereits naturalistisch koloriertenPflanzenbilder der botanischen Werke eine Ausnahme machten, so wurden die Dar-

*) G. Thiele. Die Illustrationen im Altertum. No. 485 und 497 der Vossischen Zeitung 1898.