Die Schlacht gehört zu den merkwürdigsten des Mittelalters; ihre Veranlassung und ihr Verlauf war inKürze folgender: Die Bischöfe von Utrecht hatten im zwölften und dreizehnten Jahrhundert viele harte Kämpfe mitden Trentern wegen der herrschaftlichen Rechte im Lande. Namentlich waren die Gelkinge, ein mächtiges Geschlechtin der Stadt Groeningen, dem Bischöfe feindlich und ihnen stand Rudolf, Burggraf von Coevorden bei, während dieGroenenberge, welche ein Castel Evelgune (oder Weuelgune) an der Hunse besassen, auf Seiten des Bischofs standen.Der 26. Bischof von Utrecht, Herbert von Berum, glaubte sehr weise zu handeln, als er die höchsten Aemter inder Trente seinen Brüdern zu Lehn gab, bereitete aber in einer Zeit, wo die Begierde, solche Lehne erblich zumachen, die Leidenschaften auf das Heftigste entflammte, den ihm nachfolgenden Bischöfe die schlimmste Lage, wienachfolgender kurzer Abriss nachweist:
N. von Berum oder Beirum.
1. Herberf, 25. Bischof von Utrecht, überträgt 2. Liefhard, von seinem Bru- 3. Rudolph I., von seinem Bru- 4. Lambert, erhält von seinemseinen BTÜdern die Burggrafschalten zu Coe- zum Burggrafen und Präfecten der Herbert zum Burggrafen u. Bruder Pedge, macht Ansprüchevorden, Groeningen u. d. Silz Pedge oder Peize. von Groeningen ernannt. Präfecten zu Coevorden ernannt. auf Liefhards Erbschaft.
Einzige Tochter. Ihr Oheim Lambert bestreitet ihrdie Erbfolge in der Burggrafschaft Groeningen, indes-sen ihr Sohn Rudolph erhält die Belehnung, h. God-schalk von Seppenrode aus Westphalen.
1. Rudolph von
Seppenrode,Burggrafv.Groe-ningen, vom 28.Bischof Godfridbelehnt, t aufein. Kreuzzuge.
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Albert, bei sei-nes VatersTode nochKind.
2. Herbert, Vormund Alberts; ihm weigert der Bischofdie Belehnung, weil sein Mündel, als Kind, zum Burg-grafen nicht passe. Bertold von Groeningen wird angestellt, aber von Herberts Partei erschlagen. Letztereerhebt sich mit dem nebenstehenden Folker von Coe-voerdenu. den Herrn v.Pedge in Masse gegen den Bischof.
Rudolph IL, h- N. Gräfin von Goor, welche sich nach Rudolphs Tode mit Floris vonVorenburg verheiralhete; letzterer vertheidigte mit aller Macht die Ansprüche seinerbeiden Stiefsöhne auf die Burggrafschaft Coevorden, die ihnen indessen Bischof ßalduinvornämlich wegen unrechtmässig gegen das Land des Otto von Bentheim, des BischofsBruder, angelegte Zölle 1195 nahm und zuerst an Gisbert Poskin und dann an ge-dachten Otto von Bentheim übertrug.
1. Rudolph 2. Folkert von Coevorden, Herr zu Anse, h.
HL, | imp. die Tochter des Albert Leo, hatte unter-stützt von seinem Stielvater langjährige Fehdemit dem Bischöfe von Utrecht, verlor 1195die Burggrafschalt von Coevorden, ohne dassdie Fehde aulhörte.
3. Menzo,v. S.
1. Rudolph IV., Sohn Folkerls (1212) zu seinen Gunsten erkannten der Graf von Geldern, der Bischof von Münster 2. Frid-und Erzbischof von Cöln, dass ihm der Bischof von Utrecht die alten und neuen Privilegien über Coevorden und rieh.Drenthe wieder einräumen, Rudolph dagegen 1000 Mark dem Bischöfe und 1000 Mark dem Grafen von Bentheim 3. God-zahlen und die Gefangenen freigeben solle. Allein die Sache kam nicht zum Austrage. Die Erbitterung stieg, frid.der Wunsch Rudolphs, sich der bischöflichen Macht zu entziehen und die Belehnuug erblich zu machen, wuchs,er stellte sich 1222 auf Seiten der Gelking gegen den Egbert von Gronenberg, bischöflichen Präfect von Groeningen.Die Gelking jagten diesen aus der Stadt, er aber eroberte mit verstärkter Macht die Stadt zurück. Die Gelkingund Rudolph boten hierauf ihre ganze Macht auf und belagerten Groeningen. Das brachte am 1. August 1227
die entscheidende Schlacht.
Als Otto von der Lippe, 34. Bischof von Utrecht vernahm, dass sein Präfect in Groeningen belagert werde,überwältigte ihn der Zorn; er bot die äussersten Kräfte auf, die Gefahr zu beseitigen. Vierhundert Ritter aus seineneigenen, den münsterschen und cölnischen Landen, damals ein gar mächtiges Heer und darunter der berühmte Bernardvon Horstmar und, nach Butkens, unser Godfrid von Bocholtz zogen 1227 mit ihm ins Feld. Am 1. August stander Rudolph von Coevorden und den Gelkingen bei Anse gegenüber, durch ein grosses Moor getrennt, dessenBeschaffenheit den Bischöflichen unbekannt war. Der Bischof liess zum Angriff blasen, der Herr von Goor, der dasbischöfliche Banner trug, sprengte an der Spitze in Carriere voran, die ganze Masse ihm nach, und alle — sei es,dass der Feind durch seine Aufstellung oder, wie der Künstler in obiger Darstellung, durch eine auf das Terrainberechnete Flucht die Schlacht so zu lenken verstand — geriethen auf die gefährliche Stelle des Moors und versankenrettungslos einer nach dem Andern. Was nicht untersank und erstickte, wurde mit Lanzen erstochen oder mit Knittelntodtgeschlagen. Nur Graf Gerard von Geldern, Giselbert von Amstel und wenige Andere wurden gefangen. So gingdie Blüthe des Utrechter Adels in diesem Sumpfe unter. l2 )
haben, als jetzt noch aufzufinden waren, es hat also der Aufssteller über die alte Zeit mehr als wir gewusst, und meine ich, dass ihm nach dembekannten Grundsatze: quisquis praesumitur bonus, doneo etc. auch in den beiden ersten Generationen getraut werden darf, obgleich für unserst von der dritten Generation Urkunden vorliegen. — ") Von dieser merkwürdigen Schlacht handelt am "Weitläufigsten der Autor incertus^den ich in Band U. S.10—32 habe abdrucken lassen, dann auchBeka undHeda in Ottone, Albertus Stadiensis ad annum 1227. Gob. PersonaCosm. 6L. 64. Overysselsche Chronik bei Dumbar Analecta II. S. 209, Jung, hist. Bent. II. 28, Moser, Osnabr. Gesch. 3 S. 53. Die Namender Erschlagenen finden sich bei Dumbar 1. c, II. S. 228 und bei Matheus Anal. V. S, 338; wegen Personen, welche Butkens aus MathiasFahne, Bocholtz I. 77