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Wie es mit dem bürgerlichen Unterrichte in den Schulen aussah, lässt sich aus den dürftigen Nachrichten(oben S. 286) nicht ermessen, nur das Kirchliche: Messe, Vesper, Kinderlehre ist hervorgehoben.
Die Versorgung der Kinder bot grosse Schwierigkeiten. Selbst derjenige, der das väterliche Erbguterhielt, steckte nicht selten in schlimmer Lage. 20 ) Die übrigen hingen sehr häufig von seiner Gnade ab, 21 ) und daslitt selbst beim Adel keine Ausnahme. Die nach Selbstständigkeit Kingenden suchten Militärdienste 22 ) oder Aemter, 23 )die indessen Energie und Thätigkeit verlangten. 2 *) Die bequemsten Versorgungs-Anstalten waren die Klöster und diegeistlichen Stiftungen. War auch das Leben in den ersteren einförmig, Beten, Singen und Spinnen, 2 ") und die Aus-stattung eben nicht brillant, 28 ) so gab es doch bessere Speisen und Getränke und mehr Sicherheit als sonst wo.Befriedigender noch war die Stellung der Weltgeistlichkeit. Ein Priester war der erste in der Rangordnung; wennman in Urkunden selbst einem Adligen den Titel Herr versagte, ihm wurde er stets. Dabei war sein Auskommenein reichliches, in manchen Fällen bei den Stiftscanonicaten sogar glänzendes, verbunden mit der Möglichkeit, dasLeben nach allen Seiten zu gemessen; den Ehrgeizigen boten Klöster und Pfründe Aussicht auf die höchsten Würdenund die äusserste Befriedigung der Herrschsucht, und zwar bei unverhältnissmässig geringen Ausgaben und Mühen.Dieses Alles, nicht selten auch eine innere Frömmigkeit, verbunden mit dem Streben, auf kostenlosestem Wege dasAnsehen der Familie durch Vereinigung des Vermögens in eine Hand aufrecht zu erhalten, wo möglich ihr eineUebermacht über andere zu schaffen, gaben dem Adel die nächste Veranlassung, den Kindern in dieser Richtung einUnterkommen zu sichern und zugleich den bürgerlichen den Zugang dazu abzuschneiden. Wenn dieses auch in vielenKlöstern und Stiftern durch Capitelsbeschlüsse gelang, so hinderte dieses das bürgerliche Element namentlich in denStädten nicht, den Landadel durch Kenntnisse und Betriebsamkeit zu überbieten, durch beide sich eine Wohlhabigkeitzu schaffen, wie sie in den meisten adeligen Häusern nicht zu finden war, und sich ihm ebenbürtig zu machen. 2 ')
Der älteste Solin des Gert v. B. -wurde 1535 von seiner Familie an den Herrn v. Anstel empfohlen, II. 107. Arnold v. B. war 1539 Tischgenosse desPapstes, II. 101. Domherr Goddart v. B. verwendete 1566 30 Goldgulden zu einer Heise durch Italien, 11.147. 1595 präsentirte der DomdechantGodfrid v. B. seinen Vetter Reiner v. B. dem Fürstbischöfe von Lüttich als Pagen, kleidete ihn prächtig und schickte ihn nach Regensburg undParis auf Reisen, Die Kosten sind spezifizirt II. 177, 59. Auch finden sich Glieder der Familie von Bocholtz auf Universitäten, so Temen1598 zu Paris, II. 160, undd 1637 vier Brüuder von Bocholtz zu Cöln II. 202. — 20 ) In der Regel fanden sich schwere Schulden vor, zuderen Deckung die, meist unbedeutende fahrende Habe keine Mittel bot. Von der letztern gibt das Inventar von 1584, H. 171, BegriffSolche Zustände geben denn auch zu mancherlei Cautelen Anlass. So 1461 II. 72 muss Arnold von Bocholtz seiner Braut versprechen, inwelche Noth er auch gerathen sollte, vorher sein Hab und Gut zu veräussern, ehe er das seiner Braut angreife. — 2l _) Um Marie v. Bocholtzdie nothdürftigen Kleider für ihre Einweihung als Nonne zu Mariengarsen-Stift zu sichern, bedarf es 1535 eines Vertrages, worin ihr BruderJohann zu deren Lieferung verpflichtet wird; die Nonne Eva von Bocholtz beklagt sich 1544 über ihren Bruder, weil er ihr trotz aller Bittendie schuldigen 20 Gulden zur Deckung ihrer Schulden nicht auszahlt und Reinard von Bocholtz macht 1549 dieselben Vorwürfe seinemBruder wegen 20 Thlr. Elia. Sophie Marie von Bocholtz, Stiftsdame zu Vilich, erklärt 1690 in ihrem Testamente, dass sie Seitens ihresBruders sich auoh nicht des geringsten Geschenkes zu erfreuen gehabt habe. Andern armen Nonnen ging es noch schlimmer, wie n. S.125 Anm. zu lesen ist. Selbst in dem reichen Cöln und in der Familie Overstolz, der angesehensten dieser Stadt, konnte 1428 der zweiteSohn Heinrich nur dadurch zu den Mitteln sein Leben zu fristen und im deutschen Orden ein Unterkommen zu finden gelangen, dass er zuGunsten des ältesten Sohnes auf alles elterliche Erbe verzichtete, II, 52. — 22 ) So dienten 1455 Godart von Bocholtz und später Johannund Joachim von Rocholtz gegen die Türken, 1504 sind Amt und Reiner Anführer der Geldrischen Völker im Quartier Roermund,Diedrich ist 1569 spanischer Rittmeister und 1586 Feldoberst, Godfrid ■}• 1577 war ein bedeutender Oberst und Parteiführer beim niederlän-dischen Aufstande, Georg 1581 holl. Hauptmann, Heinrich 1583 holl. Lieutenant, Eduard 1590 Wachtmeister zu Bonn, Arnold 1591—1613Hauptmann und Commandant zu Venlo, Goert 1598 Fähndrich u. s. w. —■ 23 ) Wilhelm von Bocholtz ist 1428 Protonotarius, Johann v. B.1450—54 Scheffen zu Cöln. Man griff zu noch viel geringeren Stellungen, wenn sie nur Geld brachten. Der Knappe Walram von Schmal-broich war 1377 Küster zu Kempen und nach ihm, 1391, bekleidete Johann Hundt, der Erbmeier der Kempener Burg, diese Stelle (MoorenThomas a. K. S. 29.) — 24 1 Die Ausbildung zu einem Amte fand auf practischem Wege statt; so diente 1542 Herr von Sastrow einem Advocatenin Speyer. Er musste neben seiner Schreibarbeit die Pferde putzen und füttern, die Stuben heizen, den Tisch decken, Wasser für die Kücheherbeiholen, mit dem Korbe zum Einkaufen auf den Markt ziehen. Als Essen erhielt er: in einer Wasserbrühe ein Stück Fleisch, so grosswie ein Hühnerei, daneben bald Rüben, Kraut, Linsen, Gemüs oder Haferbrei und gedörrte Aepfel, und einen kleinen zinnernen Becher vollWein. Zur Belohnung wurde ihm nach 1 '/Jährigem Dienste aus der Büchse in der Schreibstube, worin die Parteien ihre Geschenke für dieSchreiber warfen und welche gegen 100 Kronthaler enthielt, ein einziger. — 25 ) Siehe auch oben S. 150, Anmerk. 6. —■ In MünsterCosmog. Seite 557, spinnen 1550 Männer und Frauen auf der offenen Strasse mit der Spindel. — 20 ) Ueber die Aufnahme derReichsfreifrau Agnes Elisabeth, Tochter des kaiserlichen Generals Freiherrn von Bönninghausen in das Discalceatessen-Kloster |in derKupfergasse zu Cöln liegen folgende Original-Urkunden mir vor. Am 16. März 1639 schliesst gedachter General einen Vertrag mit Agnesde Jesu, Priorin des gedachten Klosters und verspricht für die Aufnahme seiner Tochter, Wittwe von Imperial, dem Kloster 4000 Reichsthalerzu zahlen und bis zur Ablage des Capitals jährlich mit 200 Rthlr. zu verzinsen, so dass, wenn die Aufgenommene jemals in ein anderesKloster verschickt werden möchte, das Kupfergasser Kloster 60 Thlr. jährlich behielt. 1653 quittirt die Tochter ihrem Vater 10 Reichsthalerauf obiger Summe, am 11. Juli 1654 aber schickt sie ihm ein charakteristisches Schreiben, welches die Aufschrift: Wohlgeboren Gnedigerund Hochgeehrter Herr, führt und worin sie den Vater Excellenz und sich seine einzige Tochter nennt, und die Schlussbitte lautet: DieExcellenz wolle sowohl aus väterlicher Affection als aus angeborener Ritterlichkeit seine Pflicht erfüllen und die 14 Jahre rückständigePension zahlen, damit der Orden seinen Bau in der Kupfergasse vollenden könne. Die Aussteuer der Tochter bei ihrer Aufnahme in dasKloster ist folgender Art verzeichnet: An wollen Tuch 5 Ellen weiss Lacken (wollen Tuch) für eine Brautkappe, die Elle zu 2 Reichsthaler,9'/ 2 Ellen desgl. zu Röcken ä 1 Rthlr., 2 Ellen dito zu Leibchens ä 2 Rthlr., 14 Ellen weiss Schottisch Carsay zu Unterröcken und Reih-leibern, die Elle 2 Schilling, 4 Ellen schwarz Laken zu einem Chormantel, ä 2 Ducatons die Elle, 5 Ellen weiss Croonenras zum Unterfutterdes Mantels. An Leinewand: 24 Ellen zu zwei Dutzend Hüllen, ä 4 Gulden die Elle, 8 Ellen für 8 Wylen, ä V 2 Rthlr. die Elle,12 Ellen für Braut suptylen ä '/ 2 Rthlr. die Elle, 1 Dutztend Supptylen, zu jeder drei Ellen, sechs Suptiellen ä 1 Gulden die Elle, einhalb Dutzend dito ä 1 Gulden die Elle, ein Dutzend Vorschoyen 18 Ellen ä 2 Schilling die Elle, sechs dito a 1 Gulden die Elle.Für ein Brevier 9 Reichsthaler, ein Diurnal 2 Reichsthaler 2 Schilling, ein Ordensbuch und ein Landbuch 2 Ducatons, eine Kiste mi't Tafel10 Rthlr., 1 Ledi kantjen mit Behang 8 Rthlr., 1 Matras von Bedttick eenen pulp (Pülf) 2 oorküssen, 2 deoken 1 deckbett 4 paar lacken,4 paar kustiken (Küssenzüge), 1 paar Wollene Lacken Carsay ä 6'/ 2 Elle, die Elle zu >/ 2 Rthlr., 2 Dutzend Servietten, 2 zinnerne Schüsseln,2 Teller, 2 Kümpchens, 1 silberner Becher von </ 2 Kanne, 1 silberner Löffel, 1 Spien Spoel (Spinnrad) 2 Stühle. Die Summe der Auslagenfür die Einkleidung und Einweihung der Nonne betrugen 400 Gulden. — Wie man eine Nonne aus dem Geschlecht von Bocholtz 1533ausstattete, ist Nr. 95 S. 103 des II. Bandes angegeben. — 21 ) Sehr interessant berichtet hierüber ein altdeutsches Gedicht in Ul. Friedr.Kopp Bilder und Schriften der Vorzeit, I. S. 1—42. — 3B ) So heirathete Jacob Rosentrit, Rentmeister, zwei adelige Frauen, Margaretha von