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Der Fähndricb, welcher den Zug eröffnet, hat auf seiner weissen Joanne ein rothes Kreuz (Zeichen derKreuzfahrer), der zweite Fähndrich führt in seiner ebenfalls weissen Fahne zwei Schilde in jedem einen Löwen(Flandern und Hennegau) und darunter vier rothe Kreuze, das Zeichen der Kreuzfahrer. Es is also dargestellt, wie 1200Balduin, der nachherige erste Kaiser von Constantinopel, Sohn des Grafen Balduin VIII. von Flandern und Hennegau,zum Kreuzzuge auszieht. Dem ersten Fähndrich folgen die Bogenschützen; sie tragen Helme mit Halskragen ausDraht, einen Panzer, der Brust und Arme schützt; der Waffenrock, welcher darunter zum Vorschein kommt und biszum Knie reicht, ist roth und gelb gestreift. Die Infanteristen, welche dem zweiten Fähndriche folgen, tragen aufdem Haupte eine kumpförmige, eiserne Haube, von der ein, aus Draht geflochtener Halskragen auf die Schultern undden Kürass herabhängt, der die Brust und Arme deckt; die Hüfte ziert ein carrirtes Kleid, das bis zu den Knienreicht. Auch die hier folgenden beiden Siegel des Stiftes St. Georg in Oöln und der Abtei Siegburg, jenes von1188, dieses von 1224, bieten Trachten jener Zeit und das erstere stellt unzweifelhaft einen Fusskrieger dar.
An Vergnügungen bot das Leben wenig. Einmal im Jahre Vogelschiessen, zur Kirmes gutes Essen undlanz, bei Hochzeiten^desgleichen, 18 ) ab und zu ein Dudelsackspfeiffer, ein Tambour und Trompeter, h. drei Königeeinen Bohnenkuchen, Fastnachts ein Huhn und Mummerei, Sonntags Kegelspiel. Bei den Reichen findet sich dasSchachbrett, der Schalksnarr, auch reizen zuweilen ein Paar närrisch gekleidete Diener durch groteske Sprünge undDarstellungen das Lachen der Gesellschaft. 19 ) Ein ganz besonderes Vergnügen boten die Badestuben, die in denStädten zahlreich vertreten waren. Man badete darin zu mehreren zusammen 20 ) und Hess sich von Bademädchen,wie noch jetzt in der Mata bei Bern, bedienen. 21 )
Die vornehmlichste Ursache, dass das Leben über seiner Alltäglichkeit nicht hinaus kam, war der Mangelan Verkehrsmitteln und die Unsicherheit der Gegenden. Gegen 980 antwortete ein Abt von Clugny bei Macon demGrafen Bouchards von Paris, auf die Einladung nach Maur des Fosses zu kommen: er wage es nicht, so entfernteGegenden und unbekannte Länder zu durchreisen. 22 ) Um weit und schnell zu reisen, war und blieb bis zum 16.Jahrhundert nur das Pferd; seiner bedienten sich Männer und Frauen, der Bürger und der Fürst. Auch die Frauensassen beschickten darauf, 23 ) gerade wie die Männer. Ausnahmsweise benutzte man auch Wagen, d. h. gewöhnlicheKarren oder Leiterwagen, wie sie heut zu Tage unser Bauer für seine Landwirtschaft braucht.
Er führte zwar auch seine eigenen Truppen, aber das Commando über ihn hatte ein Dritter. — ia ) Ein grosses Bild vom Bauern Breughelin meiner Gallerie wird mir nächstens Gelegenheit geben, unter Abbildung desselben auf diesen Gegenstand weitläufig zurück zu kommen.Es bietet in seiner figurenreichen Composition einen umfassenden Beitrag zur Sittengeschichte. — 10 ) Ein Bild von Bässen in meiner Galleriesoll nächstens diesen Gegenstand erläutern. — 20 ) Das zeigt das Bild, welches sich in der Heidelberger Handschrift des Sachsenrechts findet,ferner die Kupfersstiche -von Merian über Bad Baden bei Wien, von Münster in seiner Cosmographie über die Bäder zu Baden, Leuck,Wildbad, Wiesbaden (S. 346, 347, 553, 597, 702) wo Männer und Frauen nackt durcheinander baden. — 21 ) Man sehe die illustrirte Bibeldes König Wenzel, auch die Cölner Schreine sprechen davon. — 22 ) Henault Abrege chron. de Thist. de France S. 68. — 23 ) In demBalduinumist 1309 die Frau des Königs Heinrich beim Aufsteigen über die Alpen beschritten zu Ffcrde dargestellt, beim Absteigen geht sie danebenund zeigt sich, dass ihr Sattel von dem ihres Eheherrn in nichts verschieden ist. Selbst in Paris ritten noch zu Anfange des 16. Jahrhundertsdie Könige auf Pferden, die Ilofbedienten auf Mauleseln, die Prinzessinnen und vornehmen Frauenzimmer bald auf Eseln, bald auf Pferden,so wird auch das Reiten \ind Fahren des Abts 153711.112 zu verstehen sein. Nach der Rechnung des Landrentmeisters von Geldern wurdewenigstens 1470 der Abt von Gladbach mit seinen Gesellen auf solchem Karren vonArnheim nach Hattem für fürstliche Rechnung befördert