stehen bereits auf dem Tische, auch Compot in kleinen Schüsseln und Stengelgefässen. Daneben Weck (kleine Weizen-brode.) Die einzigen Esswerkzeuge sind Messer, nicht einmal für jede Person eins. 38 ) Den Pokal, der beim Trunkvon Mund zu Munde gehen wird, bringt der Schenk.
Ein zweites Bild wird die Tafelverhältnisse jener Zeit vervollständigen, es ist ebenfalls aus dem Balduinumund hat die Unterschrift: Eex militibus, Regina dominabus dederunt manducare. Die Sccne spielt in Ober-Italien,diesesmal in einem geschlossenen Räume, der in den Darstellungen dieses Buches überall durch die Bogenstellungenangedeutet wird. Männer und Frauen sitzen an getrennten Tischen, der Erzbischof neben dem Könige. Vor demTische steht wieder der Hofmeister mit dem Stabe. Die beiden Truchsesse sind zu Fuss, deshalb fehlt auch derMarschall. Die Tafel ist wie vorher bestellt, nur sind noch weniger (2) Messer vorhanden. Das Essen mit denFingern wird durch eine der Fürstinnen verdeutlicht, die in die Schüssel nach dem Huhne greift. 30 )
lassen. — 38) In jener Zeit und noch zweihundert Jahre später musste jeder Mann sein Essmesser bei sich führen. Es findet sich ebenso-wohl an der Seite des Kitters wie des Kaisers. So hat es König Wilhelm 1217 auf dem Grabmale im Dome zu Mainz an der Hüfte hangen.Die einfache Lebensweise allein, von der noch mehreres unten folgt, machte die anstrengenden Kriege und Züge jener Zeit möglich. Karlder Grosse wäre ohne diese Einfachheit nie zu seiner Grösse gelangt. Man wird dabei aber auch an Athaeneus L. V. erinnert, wenn ervon den Celten schreibt: „Sie speisen an hölzernen Tischen. Ihre Nahrung ist Brod und Fleisch, geröstet, gebraten oder gekocht. Sie essenmit den Händen, indem sie mit den Zähnen die einzelnen Bissen von den grösseren Stücken abreissen. Wo die Zähne nicht ausreichen,bedienen sie sich eines kleinen Messers, das jeder bei sich trägt. Fische bereiten sie mit Essig und Kümmel zu. Letzteren schütten sieauch in ihr Getränk. Sie sitzen im Halbkreise, die Mitte ist der Ehrenplatz neben dem Hausherrn, an diese schliessen sich die übrigendam Kange nach an. Ihre Mahlzeiten enden zuweilen blutig." Wie wegen eines zu grossen Bissens von einer Hirschleber sogar unterkaiserlichen Gesandten ein tödtlicher Messerstich erfolgte, ist Bd. 3 S. 2 Cap. IV. erzählt. — 30 ) Die beste Anschauung geben uns fürunsere Gegend die Essen, welche in den meisten Herrlichkeiten des Niederrheins vormals von dem Grundherrn oder dessen Schulteis denSchöffen gegeben werden mussten. Sie waren alle an ganz feste, in das graue Alterthum hineinragende Formen gebunden und sind unsdarüber in Weisthümern aus verschiedenen Orten umständliche Nachrichten erhalten. Hier eine Beschreibung des sogenannten Dries-(Andreas)Essens zu Süchteln, welches der Abtei Pantaleon zu Cöln als dortigem Grundherrn zur Last fiel. Sie ist dem Weisthum von 1563 in librocurmedarum entnommen. Das Essen, sagt die Urkunde, wird am 6. Tage nach Andreas jährlich gehalten. Die erste Einladung dazu erfolgtin der Kirche, auf Allerheiligen unmittelbar nach der Predigt, und muss drei Sonntage hinter einander wiederholt werden, es gehören dazu21 Personen, nämlich: die sieben Scheffen, der Pastor, Küster, Statthalter des Abts, der Gruterer, der Müller, die beiden Förster, drei Ein-wohner gewisser Kotten, die den Holzhau jährlich zu besorgen hatten, der Hufschmied des Schulteishofes, der Kuhhirt und zwei Spielleute.Zur Begründung heisst es; dieScheffen werden geladen, damit sie sich jährlich, die älteren die jüngeren, belehren können, welche Privilegienund Herrlichkeit (Gewalt) nach den ihnen von den Eltern gewordenen Ueberlieferungen der Abt und das Kloster Pantaleon zu Süchtelnbesitzen; der Pastor, damit er vor Tische das Benedicite und nach Tische das Gratias bete und das Willkomm der Scheffen und Wohl desAbtes ausbringe; der Küster, damit er die Scheffen bediene und den Ueberfluss den Armen reiche; der Grutner, weil er die „Grüt oderhoep", d. h. den Hopfen zu dem Andreas-Bier umsonst geben; der Müller, weil er das Malz zum Bier, den Roggen und Weizen zu demBrode und den Wecken für das Essen umsonst mahlen muss; die zwei Förster (Holzgraf und Buschhüter), weil sie das zum Hau bestimmteHolz umsonst zeichnen, die drei Kötter, weil sie dieses Holz umsonst hauen und aufladen; der Schmied, weil er, so oft er berufen wird,die Pferde des Abts oder des Schulteis zu beschlagen, dem Schulteis eine neue Boster oder Zarige nach dessen Wahl umsonst liefern muss;der Kuhhirt, weil er die Kühe des Abts und Schulteis das ganze Jahr umsonst hütet; die beiden Spielleute , weil sie beim Einholen derScheffen bei dem Essen voranschreiten und spielen müssen, auch zwischen den einzelnen Gerichten ihre Instrumente ertönen lassen sollen.Ausserdem liegt dem einen der drei Kötter ob, in der Küche dem Koch und dem andern, in der Kammer, wo die Scheffen essen, das Feuerzu stochen und Holz herbeizutragen, dieser letztere ist insbesondere noch verpflichtet beim Auftragen der Speisen behülflich zu sein. Derdritte Kötter ist verpflichtet, die Gerätschaften herbei zu schleppen und zu spiihlen. Diese drei Kötter essen nicht mit an den unten zubesprechenden Tafeln, sondern mit dem Koch in der Küche. Der Buschhüter hat die Verpflichtung, das Tafelbrot zu schneiden (jedemScheffen 5 Schnitten uud 2 Micken Weck [Weizen] und 2 Micken Brod), einzuschenken, die Tische abzuräumen und die Töpfe zu spühlen.Der Kuhhirt endlich muss drei Besen mitbringen und die Tage des Essens das Haus des Schulteis rein halten. Das Essen dauert vonSonntag Morgens bis Dienstag Abends; an jedem Tage werden an drei Tischen zwei Mahlzeilen aufgetragen, Mittags und Abends eine Derbesondere Verlauf ist folgender. Sonntag Morgens holt der Schulteis in Begleitung der beiden Spielleute die Scheffen vom Friedhofe (Kirch-hofe) ab, woselbst er ihnen 1 Quart Wein, 1 Quart Bier, 2 Micken Weck und 2 Micken Brod auf einem Teller, worauf Salz liegt, darbietenmuss, mit der Frage, ob es genüge. Dann geht es im Zuge zu des Schulteis Hof. Dort in der Kammer angekommen, in welcher gegessenwerden soll, klopft der Schulteis mit seinem Stock dreimal auf die Thür und wiederholt dieses Zeichen, 60 oft eine neue Person, die zumEssen gehört, eintritt. Sind alle zusammen, so giesst er jedem Scheffen das Wasser über die Hände und reicht ihm das Handtuch zumTrocknen. Dann spricht der Pastor das Benedicite, fordert die Scheffen jeden einzeln auf, sich zu setzen, während der Schulteis ihneneinzeln ein neues Messer mit einer neuen Scheide und einem neuen Kiemen überreicht, die Spielleute zu spielen anfangen und der Kochauftragen lässt. Es sind drei verschiedene Tische hergerichtet, der erste für die Scheffen, denen der Schulteis oder sein Knecht auftragenmuss. An ihm wird für je zwei angerichtet und aufgetragen, dabei muss auch für"den Fehlenden und Todten seine Portion da sein. DieReihefolge der Gerichte ist Mittags folgende: 1. für je zwei Scheffen ein Viertel einer gebratenen Gans und jedem ein Schüsselchen mitAepfelmuss; 2. für je zwei eine „Spies-Pletzer" und eine Grützwurst und jedem ein Sßhüsselchen mit Mostert; 3. für je zwei eine Schüssel