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gab man für das Einfahren der Frucht. ") Auch der Adel bestellte den Acker selbst oder hatte ihn mit einemIlaibmann in Halbbau. I2 ) Ausser dem Ackerlande gab es Pasch (Weiden) und Benden (Wiesen). 13 ) Zu jedem Hofegehörte ein Eichengeliölz ?i) und dem ganzen Kirchspiel gemeinschaftlich die Gemeinde (Weide und Wald), welcherücksichtlich des Holzungsrechts in Gewalten getheilt war, 13 ) und sonst zur Weide, namentlich für Schafe, ,6 ) undMast der Schweine ") benutzt wurde.
Merkwürdig ist, dass schon 1449 ein Weinberg an der Heeresstrasse bestand, wahrscheinlich auf denGründen der Abtei Pantaleon. I8 ) Ausserdem findet man den Boden zu Kachelbrennen benutzt. 10 )
An Vieh werden aufgeführt: Pferde, Kühe, Rinder, Mast- und Faselschweine, Schafe, Lämmer, Hühner,Capaunen, Gänse, Bienen. 20 ) Die Fischerei lieferte Aale und Butten. 21 )
Handel war so gut wie keiner; nur von Zufuhr an Ochsen, Butter, holländischem und grünem Käse wirdberichtet, 22 ) sowie von Seife. Die Gewerbe waren durch Färber, Fassbinder, Schmiede, Schlosser, Schneider, Zimmer-leute 23 ) vertreten. Der Zinsfuss stand sets hoch, nie unter 6 Procent, 2i ) mit Strafclauseln, die zum Rutscherzins führten. 25 )
Nach diesen Vorausschickungen lässt sich begreifen, dass die Mahlzeiten sehr einfach waren. Man gingnie, ohne die Hände gewaschen zu haben, 26 ) zu Tisch; 2 ') es war dieses nöthig, weil man mit den Fingern ass 28 )und in der Regel aus einer Schüssel. 29 ) Morgens gab es Suppe und Brod; Mittags 12 Uhr 30 ) (zur Nonen) zweiSchüsseln, ein Brei aus Hafergrütze oder Roggenmehl mit Milch, ausnahmsweise Erbsenbrei mit Schweinefleisch, danngrün Gemüse mit Fleisch, meist geräuchert, 31 ) oder Fisch, namentlich Häringe oder Stockfisch, beim Adel zuweilenein Huhn, ein Capaun, eine Gans, Wildbrett oder frische Fische, gebraten und auch in Pastetenform.
Bei einer ganz feierlichen Gelegenheit werden auch Krebse genannt, die man mit viel Kosten weit herkommen lässt. 32 ) In äusserst seltenen Fällen gab es auch Dessert aus verchiedenen Kuchen, Kraut (Syrup aus Aepfel,Birnen oder Rüben), Torten, Compot, gebratene Kastanien, Nüsse, Mandeln, Rosinen. Das Getränk war Bier, 33 )ausnahmsweise Wein. 3i )
Alle Schüsseln wurden stark gewürzt, 35 ) weil man Magen-Erkältungen scheute. Abends 7 Uhr wurdendie vom Mittag erübrigten Speisen verzehrt mit Brod.
Der Tisch war mit einem Tuche hedeckt und die Sitze hatten bei den Reicheren Küssen. Der beste Platzwar in der Mitte. 36 ) Das Bild an der Spitze dieses gibt einen Begriff von einer Fürstentafel aus dem Jahre 1308.Es ist aus dem berühmten Balduinum 37 ) zu Coblenz entnommen und stellt den Erzbischof Balduin von Trier dar,wie er zu Tische sitzt. Rechts von ihm die Frauen, links die Männer. Vor dem Tische, der im offenen Felde steht,sieht man, den Rücken den Beschauern zugewandt, den Hofmeister mit seinem Stabe. Zwei Truchsesse (Speiseträger)bringen die Speisen, der Schenk den Wein, alle drei zu Pferde, angeführt von dem Marschalle mit dem Stabe. Dereine Truchsess bringt die Suppe, der andere in zwei Schüsseln das Gemüse und Fleisch. Die gebratenen Hühner
gattungen und die drei Mist|alire (S. 208 Nr. 420). — ») S. 76. — ") So 1432, 1523, 1584, S. 55; im Jahre 1584 ist der Ackerhof desSitzes Bocholtz nur mit 6 Kühen, 3 Kindern, G Mast- und 8 Faselschweinen und einigen Schaafen besetzt, jetzt wird man darauf mehr alsdas Doppelte an Rindvieh halten. — ") Vergleiche die Güteraufstellung — 14 ) S. 89 Anno 1509. — i*>) So hatte das Pantalconsstift 1449die ihrige, S. 42 Anmerkung — ,6 ) S. 55 Nr. 6. — ir ) Siehe hierüber weitläufig Fahne: von Hövel, insbesondere das Urkundenbuch. —18 ) S. 42, Anmerkung, auch an anderen Stellen im Güterverzeichniss. 1432 kommt schon eine Ohm Wein als jährliche Abgabe vor, S. 55,Nr. 5. — 10 ) S. 104. — 20 ) Siehe die vorigen Anm. 12 und IG. Der schmale Zehnten lieferte 1476: Lämmer, Flachs, Hühner, Capaunen,Gänse und Bienen (S. 76). — 21 ) S. 76. — 22 ) 1553 Seite 104, hierbei stellt sich der hohe Werth des Geldes heraus; ein halbes Fass Butter,100 Pfund grüner und 50 Pfund holländischer Käse kosteten nur 12 Gulden, ein Ochse 1530 23 Philippsgulden und 1531 kosteten zwei nur33 derselben. — 23 ) S. das Verzeichniss der Güter, auch IL S. 103 wird eines Scrueder (Schneiders) gedacht. Wäre die Unterscheidung beiGründler Pol. richtig: Stadt sei der Ort, wo bürgerliche Nahrung unter einem Magistrate betrieben wird, Flecken, wo unter einem einzelnenBeamten, Dorf, wo man nur Ackerbau und Viehzucht treibt, so gehörte Lobberich vormals unter die Flecken. — 24 ) 1567 ist der Zinssatz8 (Si 150 Nr. 167) 1569 bei einem Rentkaufe 6 (S. 151), 1567 bei baaren Darlehn 15y 2 Procent (S. 178 Nr. 266), 1599 und 1611 6 Proc.(S. 181 und 185.) In Westphalen 1579 nur 5 , 1592 6'/ 2 Proc. (S. 163, 177.) — «) 1486 II. S. 83 findet sich ein solcher, der täglicheinen Gulden wächst. Wegen Rutscherzins überhaupt siehe oben Seite 291 E. — 20 ) Lotis manibus heisst es im zwölften Jahrhundert beiKluit hist. crit. Hol]. I. S. 163 (siehe auch unten Anmerkung 39.) — 21 ) So der älteste deutsche Name bei Otfrid in der Evangel. Uebers.und „Diseus noster" in Carl des Grossen Capit. I. Ball. I. S. 335 §. 24. — 28 _) Es ist uns zwar die Nachricht erhalten (Dandolo 247), dassim 11. Jahrhundert ein Doge von Venedig eine Frau aus Constantinopel heirathete, welche die von ganz Venedig missbilligte Ucppigkeit soweit trieb, dass sie sich nicht mit gewöhnlichem, sondern mit Seifenwasscr wusch und die Speisen nicht mit den Fingern, sondern mit zwei-zackigen goldenen Gäbelchen in den Mund steckte, allein dieses einselne Beispiel hat keine Nachahmung gefunden; so wie nach Homer dieTrojaner mit den Fingern assen, so thaten es auch später die deutschen Kaiser. Wie oben beschrieben, war das einzige Tischinstrumentdas Messer, welches der Wohlhabende stets an seiner Seite führte. Selbst der Kaiser Carl V., in dessen Reich die Sonne nicht unterging,speiste nur mit den Fingern. (Sastrow II. S. 87.) In der Familie Bocholtz finden wir erst 1679 Gabel und Löffel, siehe II. Seite 229. —2U ) Gert von der Schuren Chronik, beschreibt ein Gastmahl, welches Graf Engelbert von der Mark 1360 bei seiner Anwesenheit in Königs-berg 600 Herren gab. Es bestand aus vier Gängen, jeder zu vier Schüsseln; zuletzt, als 17. Gericht, wurde Ciaret (Snaps) mit Gebäck undfrischem Weisbrode aufgetragen. Die Gäste sassen nach ihrem Range und assen zu zwei, aus derselben Schüssel. Zwei Köche hatten achtTage nothwendig gehabt, das Mahl zu bereiten, welches 1300 alte Schilde kostete. — 30 ) Noch im 17. Jahrhundert die übliche Zeit. Grafvon Hohenlohe beklagt sich, dass ihn die Stände über diese Zeit hätten warten lassen. Bor. Nederl. Hist. B. 33 S. 240. — 3I ) Der jülichscheMarschall und die Truppen, welche er commandirte, erhielten geräucherte Ochsenzungen als Mundbedarf. Lac. Arch. I. S. 397. — 32 ) n. S.104. — 33 ) Grütbier, von Malz und dem Grütkraute gebraut. Die Braugerechtsame im Amt Krickenbeck war geldrisches Lehn. — M ) 1567findet er sich bei der Todtenfeier, IL S. 148, als Gerichsgebühr II. 91. — <">) Als Gewürze dienten nach den Amtsrechnungen: Saffran, Salz, Kümmel,Paradieskorn, Muscatnuss und Blume, Nägelchen, Ingwer, Caneel xmd besonders Pfeffer und Mostert, welche man in unglaublichen Quantitäten ass.— ") Nach Bd. 3 S. 2 Cap. IV. dem Hausherrn gegenüber. — 3 ") Ein Pergament-Codex mit mehreren Dutzend blattgrossen, colorirten Dar-stellungen aus dem Leben des Erzbischofs Balduin, worin er alle, bis zu ihm herab vorhandenen Urkunden des Erzstifts Trier hat abschreiben