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Als besondere unentgeltliche Nachbarpflichten eines Hofes werden gewissenhaft befolgt: beim Sterbefall dasAnsagen des Todes, das Läuten zum Begräbniss, das Tragen oder Fahren der Leiche zum Kirchhofe, die Pathenstelle beider Kindtaufe, das Stellen von Fuhren beim Umziehen.
Wenn nun auch die Grundlagen der vorbeschriebenen Einrichtungen unbezweifelt den ältesten Zeitenangehören, so darf man doch nicht das ganze Bild darin verlegen. Das Haus bestand ursprünglich nur aus demViehstalle ; der Küche (anfänglich ohne Kamin), die auch das gemeinsame Ess- und Wohngelass war, und einergemeinsamen Schlafstube. 12 ) Aus dieser Gemeinschaft schieden zuerst Hausherr und Frau aus, indem sie für das ihnenbis in die neueren Zeiten gemeinsam gebliebene Bett eine abgetrennte Kammer schufen. Später wurden auch dieSchlafstellen des männlichen und weiblichen Personals geschieden, 13 ) dann entstanden nach und nach_ Stube, Stübchenund endlich bestes Zimmer. Das Haus des Landadels unterschied sich im Allgemeinen von dem beschriebenen Hofedurch nichts, als dass sich ein Gelass mehr darin vorfand und dass man seit dem 13. Jahrhundert zuweilen eineinziges, ganz aus Stein gemauertes Zimmer mit einem für sich bestehenden (zweiten) 1 *) Kamin (caminata) darin,antrifft, während das übrige Haus noch als ein ausgefachtes, mit Stroh gedecktes Gebäude dasteht. Auch diejenigenAdeligen, welche das Recht hatten, Burgen zu besitzen, unterscheiden sich kaum von den vorerwähnten in ihren Ein-richtungen. — Der Thurm war für sie, ihre ganze Familie und Gesinde die Wohnung, worin schon der begrenzteRaum die Gemeinschaftlichkeit bedingte. Koch-, Wohn- und Schlafräume waren gemeinschaftlich, 15 ) die Nebengebäude,welche sich an den Thurm anlehnten, dienten den öconomischen Interessen und waren aus Holz leicht gebaut, undmit Stroh gedeckt. Erst nach und nach erhielt der Thurm auch steinerne Neben-Gebäude zur Bequemlichkeit desHausherrn und seiner Familie, und bestanden daneben die landwirtschaftlichen Gebäude von dem engern Burghofe ineine, für sie neu angelegte Vorburg verdrängt. So sind auch die Burgen Lobberich und Bocholtz entstanden, dochzeichnen sie sich vor vielen anderen aus durch Geschmack im Ganzen und in einzelnen Theilen, z. B. in den Mans-werken des Pfortenhauses zu Bocholtz, in den erhaltenen Ornamenten von dortiger Burg etc. und bekunden inVerbindung mit der Pfarrkirche, dass im Mittelalter die Baukunst in Lobberich wohl vertreten war.
Dem Hause entsprechen die Wirthschaftsgeräthe und Meubel. Irdene Gefässe, Tische und Bänke halfendem ersten Bedürfnisse ab; im 11. Jahrhundert erschienen auch, aber selten, Bettstellen; 1544 schlief die Tochter desJohann von Bocholtz zu Roermund noch auf Streu. ,6 ) Die Bänke und Tische bestanden nur aus rohen Bohlen, dieman mit vier Löchern versah, worin eingekeilte Pfähle als Ständer dienten. Der gemeinsame Esstisch hing an einemEnde mittelst einer Achse an der Wand, und wurde Mittags heruntergelassen und mittelst eines ebenfalls durch eineAchse beweglichen Fusses an seinem losen Ende gestützt. Wenn so noch Ende des 16. Jahrhunderts der Zustand ineinem grossen Theile Deutschlands war, so ist er auf der Burg Bocholtz schon verbessert. Es finden sich dort nebenordentlichen, mit Schubladen versehenen Tischen, schon Stühle, Sessel, Tresors (Büffets), Bettstellen, Tapeten, Zinn-geschirr, und wenn sich auch die Kleidungsstücke, Leinwand und Kostbarkeiten, nur in Kisten verwahrt finden, sosind diese doch geschnitzt. Freilich fehlt dabei noch immer Vieles, was heut zu Tage unserm hiesigen Landmannedas Leben angenehmer macht. ") So finden sich erst 1679 (S. 229), wo die silbernen Geräthe beginnen, Löffel undGabel vor, und zwar ein einziges Exemplar, mit dem Messer als grosser Schatz zu einem Bestecke vereint.
12 ) Die Kötterhäuser einiger Gegenden Westphalens, die Bauernhäuser in der Twente (Sloet tot Oldhuis Overys. Alm. van Oudh. en Lett.1838 S. 131) und in Preussen bieten sogar noch jetzt weniger. Sloet schreibt: Das Haus des Twentischen Landmannes ist ein viereckigerBau, bis unters Dach offen, in dessen Spitze eine Oeffnung ist, den Rauch durchzulassen. So, zwischen denselben vier Wänden, auf einerFlur von Lehm, leben Mann und Frau, Knecht und Magd, Pferde, Kühe, Ferken und Katzen, aammt dem bissigen Hausdoggen, friedlichnebeneinander. — 13 ) Selbst der Palast des Kaisers Ruprecht zu Heidelberg im Schlosse, gegen 1400 vollendet, gibt in seinen (8) Gelassenden Beweis der ursprünglichen Gemeinschaftlichkeit; nicht minder die Dogenwohnung im Palast zu Venedig, der Palast Kaiser Friedrichs I.in der Burg Gelnhausen (Hundshagen) und manches alte Haus Cölns. Auch haben wir Berichte darüber in den Schreins-Urkunden Cölns,und über ihr Fortbestehen bis ins 16. Jahrhundert hinaus selbst in manchem gedruckten Werke, z. B. in Sastrows Leben, herausgegebenvon Mohnike, Bd. 1. S. 288, wo in einer Comthurei 1542 der Hausherr, die Concubine, der Hausgeistliche, Schreiber und die reitendenDiener zusammen zu Tische sitzen, S. 235, wo im Wirthshause Gäste und Fuhrleute an einer Tafel speisen, und S. 293, wo Eheleute undJunggesellen in einer Stube neben einander, theilweise sogar nackt (siehe unten) schlafen. Auch die Abbildungen von der Burg Habsburgin Herrgott Geneal. habsburgica werden eine Anschauung von der einfachen Lebensweise unserer Vorfahren geben. — 14 ) Man findet vordieser Zeit nur den Kamin des Küchenheerdes. —■ ,5 ) Selbst in dem reichen Cöln wohnten manche der ersten adeligen Familien auf solchenThürmen, z. B. Zweige der Spiegel und der Overstolz auf der Mars- und Severinspforte. Hierüber mehr in meiner Topographie Cölns. —") Dieser Fall steht nicht vereinzelt; um dieselbe Zeit blieben in Westphalen bei einer Hochzeit mehrere Domherren und Prälaten sammtverschiedenen von der Ritterschaft auf die Streu angewiesen, es waren für 25 Hochzeitsgäste nur zwei Betten vorhanden, von denen eins derDompropst erhielt. (Archiv Löringhof.) — ") Ich habe noch vor 50 Jahren solche Tische durchgängig in den Westpbälischen Bauernhäuserngefunden, in einigen war in der Mitte ein Kump ausgehöhlt, der als Essschüssel diente. — I8 ) Man darf die früheren Verhältnisse nichtmit unseren Augen messen. Der Luxus, der seit 150 Jahren seinen ersten Anlauf genommen hat, auch das innere häusliche Leben zu um-stalten, und der seit den letzten 20 Jahren unsern gewöhnlichen Landmann angeregt hat, sein Haus massiv aus Backsteinen aufzuführen,es innen mit Kochheerden, zierlichen Oefen, gepolsterten Stühlen, Sesseln und Kanapees, Tapeten, Spiegeln, Kupferstichen, geblümten Gar-dinen und Spreiten, sprungfedernen Betten, Kommoden, hohen Schränken, Tischtüchern und Servietten aus Bildwerk, blanken Messern undGabeln, geblümtem Porzellan, leuchtendem Kupfer- und Messinggeschirr, und nicht selten mit musikalischen Instrumenten (Ciavier) zuschmücken, hätte vor dreihundert Jahren die Verhältnisse des ersten Edelmanns überboten und seinen Neid erregt. Ging es doch nochähnlich dem landwirtschaftlichen Minister vor 4 bis 5 Jahren im Kloster Nicolaus bei Dyck. Er war unwillig, dass die Schüler dorteinen besseren (vom Fürsten zu Dyck eingerichteten) Speisesaal als er selbst hatten, dass Tischtücher aufgelegt und Comoden für sie vor-handen waren etc. Freilich stehen die meisten Rittersitze in Preussen in ihren Einrichtungen weit unter unsern Bauernhöfen. Hier nocheine urkundliche Darstellung von circa 1300, wie ein Cölnischer Erzbischof lebte, wenn er nach Soest zog. „Sobald der Erzbischof nachSoest kömmt, muss ihm der Land-Marschall von Westphalen, welcher sich dort aufhält, auf eine halbe Meile weit entgegeneilen, und ihm