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1,1 (1863) Geschichte der verschiedenen Geschlechter Bocholtz unter besonderer Berücksichtigung der alten Geographie, Rechts-, Sitten- und Culturgeschichte des Niederrheins
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Endlich führt eine Thür, oder auch offene Treppe, in den obern Stock, wo sich die Schlafstube für Bas, Frau undKinder, der Kornsöller, die Rauchkammer und unter dem abhängenden Dache (Leuffen) der Beutel-, Kleider-, Obst- etc. Söllerfindet. Unter der aufsteigenden Treppe eine absteigende in den Keller für frische und eingemachte Gemüse, Milch, Bier etc.

In der Nähe des Haupthauses steht die Scheune mit dem Schoppen, erstere, in der Mitte durch die Tennequergetheilt, für die Aufbewahrung der Früchte, der andere für die Karren und sonstigen Ackergeräthe. Auf dem Hofe derBrunnen, die Hundehäuser, auch regelmässig eine Linde mit einer Holzbank, worunter bei gutem Wetter nach gethanerArbeit die Musestunden verbracht werden. Dort raucht der Bas seine Abendpfeife, 9 ) während die Frau strickt,J5die Kinderspielen und die Mädchen und Burschen ihr vielstimmiges Lied ertönen lassen. Auch mag wohl der Mond dort ein glück-liches Pärchen belauschen.

Die Hausgenossen sind: Der Bauer (Bas), das Oherhaupl der Familie, und seine Frau; ihnen folgen die Kinder,welche meistens, wenn sie herangewachsen sind, bestimmte Stellen einnehmen und dafür gleich den Dienstboten besoldetwerden, insbesondere besorgen die Mädchen das Nähen, Flicken, Stopfen, Plätten. Der oberste der Knechte ist der Gross-knecht, auch Baumeister oder Pferdeknecht genannt, ihn folgen, nach der Grösse des Hofes, ein oder zwei Enken, einUnlerenk (OetzelsjungeJ, ein oder zwei Kuhhirten.

Dem Grossknecht gleich, jedoch mit anden Rechten, steht der Arbeitsknecht, unter ihm der zweite (mittelste) undauch dritte (unterste) Arbeiter. Das weibliche Personal besteht in Küchenmagd, Untermagd, Kuhmägde. Zu diesem stehen-den Personale kommen in der Erntezeit noch auswärtige Arbeiter (Schnitter, Binderinnen), zur grossen Wäsche eine Wasch-frau, ab und zu Sattler, Schneider etc., welche alle, neben der Kost, einen festen Lohn erhalten, und die Schnitter ausserdem Samenstroh und ein oder zwei freie Fuhren.

Die Hausordnung ist folgende: Der Grossknecht muss vom 1. April bis 1. October (Gerionsmesse) um 2 Uhraufstehen und die Pferde füttern bis 4 ühr, kann sich während des Futterns aber noch ab und zu legen, muss jedoch dieübrigen Knechte so früh wecken, dass sie um 4 Uhr vor der Thüre angespannt stehen. Von 4 Uhr bis halb 8 oder 8 Uhrwird die Feldarbeit besorgt, dann kehren die Gespanne heim und findet eine Stunde Rast statt. Das Frühstück muss auf demTische stehen, bestehend in Suppe und Erdapfel mit Oelsauce. Bas, Frau und Mägde stehen um 5Uhrauf; die Kinder zur Schulzeit.

Bei Tische sitzt der Grossknecht oben an, links von ihm die Knechte nach Rang, rechts der Arbeitsmann unddessen Unterthan, dann die Kuhmagd, Untermagd, endlich die Küchenmagd an der Tischecke, der sich der Kuhjunge an-schliesst. Der Grossknecht hat den Befehl am Tische, er klopft an und auf, d. h. wenn angefangen, wenn zu essen auf-gehört werden soll. Dass Keiner unterlasse, das Messer sofort niederzulegen, wenn er aufgeklopft hat. Der Kuhhirt betetvor, die Küchenmagd trägt auf.

Von 912 Uhr wird die Feldarbeit fortgesest, dann tritt 2 Stunden Ruhe und Pferdefütterung ein. Um 12Uhr wird zu Mittag gegessen, man sitzt, wie vorher beschrieben. Die Speisen bestellen in Suppe, Gemüse und Fleisch. Ineinigen Häusern wird letzteres täglich gegeben, jedem ein ordentliches Stück, in anderen nur ein um den andern Tagsatt",das heisst, soviel einer begehrt. Nach Tisch tritt die Innung ein, d. h. die Knechte legen sich schlafen. Die Mägde, wennsie gespült haben, können Theil nehmen. Eine halbe Stunde vor Anspannen, nach der Jahrzeit 2 oder 3 Uhr, finden sichalle zum Kaffe ein, der zur Zeit des Baus mit Weck (Weissbrod) auf das Feld gebracht wild. Von 2 resp. 3 Uhr bis 7Uhr (im Bau bis 9 Uhr) im Winter nur bis Sonnenuntergang, werden die Feldarbeiten fortgesetzt. Um 7 Uhr (im Bau um9 Uhr) kommt das Abendessen: Suppe, Gemüse vom Mittage, im Sommer auch Salat Man setzt sich wieder in obigerOrdnung. Der Salat wird noch jetzt mit den Fingern gegessen und daher jedermann aufgefordert, sich vor Tisch zu waschen.9 Uhr gehen alle zu Bett.

Im Winter, 1. October bis 1. April, steht der Grossknecht erst 5 Uhr auf, es wird um 6 Uhr gefrühstückt vonTagesgrauen bis Mittag gearbeitet, um 12 Uhr zu Mittag gegessen und von 12 Uhr bis Dunkel wieder gearbeitet. DasGemüseputzen müssen die Mägde im Sommer nach, im Winter vor dem Abendessen verrichten. Im Sommer hatten siefrüher sogenannte Flachsferien, wo sie eine gewisse Anzahl Stränge spinnen mussten. Jetzt spinnt man nicht mehr.

Alle neu eintretenden Knechte und Mägde werden am ersten Abend, unter manchem possirlichen Sträuben, unterden Kamin geführt, wo man ihnen dreimal das Heel um den Kopf schwingt. Das soll den Dienst verfestigen. Der Geheeltemuss (einen Schnaps) tractiren.

Die Kirmes ist das Hauptfest des Jahres; dann gibt es für dasVolk", dieLütt" satt Weck (Weisbrod.) DerBas und seine Familie erhält Kalbsbraten mit Pflaumen, Compot und Reisbrei. Alle gehen auf den Tanz, nur die auswär-tigen Dienstboten, welche ihre heimische Kirmes besuchten, haben das Recht auf die, worin sie dienen, verloren.

Die Rechte stehen alle unter dem Bas, die Mägde unter der Frau. Der Kuhjuuge muss sich von Allen befehlenlassen, neben dem Kuhhüten, anspannen und Gemüse putzen helfen, Geschirr und die Schuhe reinigen. Er ist der alier-geplagteste, aber auch der privilegirte freche Bajazzo. Sein Hütgesang") lautet:

A lo he-me ho ho. Co he lo hi lo he lau Co he lo hi lo he lau. Co he lau. De Aa-per*)Ful-fot stet ers

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se-wen Uhr op De Plac-kop, de Sau-hunck de Sin- os de Lus-pön -gel. Co he lau A lo he-me ho ho.

alter machten die wenigen zerstreut liegenden Burgen eine Ausnahme, siehe unten. 9 ) Der Tabak und die noch zu erwähnende Kartoffelsind selbstredend neuern. Ursprungs. Der Tabak wurde erst 1534 in Europa und die Kartoffel gegen 1780 in unsere. Gegend eingeführt.,0 ) Im Jiilieher Lande die Burnes, d. h. die Feuerstocherinnen genannt. 1] ) Im Jülichschen zwischen Niers und Erft, so schreibt mir HerrPastor Laufs, dem ich dafür dankbar bin, wurde in seiner Jugend folgender Hutgesang gesungen, der ganz für seine Heimath Odenkirchenpasse, wo Wiese und Wald zwar neben dem Acker liegen, letzterer aber überwiegend sei, das Füllen neben dem Hause weide, die Kuhaber auf das Feld hinausgetrieben werde:

Tut, Tut, Horem He is do heme ähten, Do frett de Geck. Marienblatt, de Koh ist satt!

De Koh de lopt im Koren! On hat de Koh vergüten. Do ruscht de Mühlen, Stopp er de Mull

Wo mag de fühle Kohirt sien? Do hangt dat Speck. Do wedt dat Fühlen, Da blieft se satt.

*) Hier wird der Kuhhirt des nächsten Hofes (im vorliegenden des Aaper Hofes) gemeint.

Fahiio, Bocholtz 1.