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1,1 (1863) Geschichte der verschiedenen Geschlechter Bocholtz unter besonderer Berücksichtigung der alten Geographie, Rechts-, Sitten- und Culturgeschichte des Niederrheins
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E. Der Hof« seine Einrichtungen, sein Personal, seine Hausgerätlic und möbeln.

Wohnungs -Verhältnisse.

Ueber die ersten Culturzustände Deutschlands ist oben) gesprochen. Was dabei besonders die Gegendangeht, in der unsere Geschichte spielt, so berichtet Caesar schon, 2 ) dass er dort ordnungsmässige Gebäude und Aeckerangetroffen habe. Indessen wenn hierin ein besserer Zustand, 3 ) wie im übrigen Deutschland angedeutet, dieser auchdurch römische Einflüsse 4 ) noch wesentlich verbessert sein mag, so wird man doch bei ländlichen Gebäuden, überall biszur neuesten Zeit, nur an einen hölzernen und ausgefachten Bau denken dürfen. 5 ) Waren ja selbst Städte in spätenZeiten nicht anders bebaut, wie sich das z. B. von der Residenz Düsseldorf aus dem Jahre 1585 nachweisen lässt. 6 )Diesem entsprechend mögen auch die innern Einrichtungen gewesen sein, über die erst die Volksrechte des 6. Jahr-hunderts und die Carolingischen Verordnungen uns eine Anschauung geben, die sich zu einem vollendeten Bildesteigern lassen, wenn, wie glaubwürdig berichtet wird, die häuslichen Einrichtungen der Sachsen in Siebenbürgen ganzgenau den Einrichtungen des Bauernhofes am Niederrhein entsprechen. Diese wurden im Jahre 1143 unter KönigGeisa IL von Ungarn nach dorten übersiedelt. Darnach wäre also unsere Hofseinrichtung über siebenhundert Jahrealt. Hier eine Beschreibung derselben, wie ich sie vor 30 Jahren 7 ) hier beim Antritt der Güter 8 ) vorgefunden habe:

Der Bauernhof besteht aus dem Haupt- und Wolinhause, zierlich in Holzwerk, ähnlich oben S. 169 erbaut undmit Backsteinen ausgefacht, oder auch mit Schindel caleidoscopisch umkleidet. Man tritt hinein durch das Vorhaus, zugleichKüche, worin sich, unter dem geräumigen Kamine mit seinem Kesselhaken (Heel) für die Kochtöpfe, der offene Heerdbefindet. Auf ihm wird im Sommer gekocht, auch beim Gewitter die Krautmösch verbrannt, deren Dampf man durch dasHaus ziehen lässt, weil er das Einschlagen verhüten soll. Neben dem Heerde ist ein grosser Topf für das Kochen des Vieh .(utters eingemauert. Danehen oder gegenüber stehen zwei Schränke, der eine, innen für die schwarzen Töpfe, oben für dieblankgescheuerten, meist kupfernen Gefässe, nämlich Milcheimer, Sieb und Milchkessel (Teut), Suppenkessel mit Deckel undLampen, der andere innen für das dem Abendessen bessimmle (Mittags erübrigte) Gemüse. Auf dem Schranke steht auchdas Schüttclreck, an.den die zinnernen Schüsseln, Teller und Löffel, die eisernen Gabeln und Messer, die irdenen Schüsselnund Kumpen, der Kochlöffel und der Reisrührer aufgehangen sind; nicht weit davon der Spülslein, daneben der Wasser-zuber (Zing) und ein Handluch ohne Ende auf einer Rolle.

Aus der Küche fuhren Tliüren in die meisten Gelasse des Hauses, zunächst in die Stube (Stov for de Lück) inder Regel in einem Vorbau gelegen, zur hessern Uebersicht über Haus, Hof, Scheune, Mist, Obsthof und die dort herrschendeThätigkeit. Sie ist der Aufenthalt der Dienstleute, die darin essen. Hier tritt der Krämer ein, hier heisst mau den Armensich niedersetzen und gibt ihm von dem Ueberblcihsel des Tisches. In der Stube arbeiten Frau und Töchter, auch istdarin die dreckliche Arbeit verwiesen. Man putzt das Gemüse, flickt die Schuhe, spinnt, die Mägde flicken (läppen) ihreKleider, die Knechte machen Späne (zum Feueranmachen).

Darneben ist das Stäbchen, Aufenthalt der Herrschaft (Baas und seine Frau) die darin isst und die gewerblichenArbeiter, Schneider, Sattler t Zimmermann etc. neben sich essen lässt, auch ihre Mittagsruhe hält. Stube und Stäbchenstehen durch ein kleines Wandfester und einen Ofen in Verbindung, ersteres, nach dem Stäbchen verhangen, dient zurBeaufsichtigung der Stube. Der Ofen, auf dem im Winter gekocht wird, entsendet in das Stäbchen eine Trommel, aufder ebenfalls gekocht werden kann.

Mit dem Stübchen steht in der Regel eine Kammer,bestes Zimmer" in Verbindung, worin neben Tisch, Stühlenund Sessel ein Glasschrank sieht, der das gewöhnliche und das Staatsporzellan, die verschiedenen, meist zinnernen Kaffe-kannen mit Drehkrahnen in stufenweiser Grösse, und die Gläser verwahrt.

Eine andere Thür führt von der Küche in die Milchkammer, Spinde, wo im Winter die Milch verwahrt wird(im Sommer steht sie im Keller), auch Brod, Weck, Mehl, Gewürz etc. ihren Ort finden.

Eine dritte Thür führt zu Kuh- und Pferdestall (mitunter auch gelrennte Gelasse). Die Mitte des Kuhstalles istdie Futlcrlenne (Dael), die an einer Seite den Kuh-, au anderer den Kälberstand und die Schweineställe hat. Aus demKuhstalle führt eine Leiter zum Hexelsöller und Hühnerhaus, in deren Nähe die Mägdekaininer ist. Mit dem Pferdestall stehenHeuspeicher und Kuechtekammer in Verbindung. Der Kuhstall gehört der Frau, seine Einkünfte fliessen ihr zu ; sie mussdavon die kleinen Wirthschafls-Auslagen und für sich und ihre Kinder die Kleidung beschaffen.

eßch Cort von Lindenhorst greue lo Dorpmunde bekenne vnd belüge in dussen appenen breyue, dat vor my is gekommen, Bertold van

fSwansbol, der ich sat in Stat vnd in Stole eynes gehegeden gerichts op eynen vryen Stole myt mimen an der lorincheghe vnd de vorgtBertolt dar vor my vnd vor dem vryen Stole opleyt vnde vtgenck vnd vortichnusse dede myt hande vnd mit munde des lorinchoues mytal syner tobehoringe vnd vort al des gudes dar de van dem Lorinchoue ynne bestoruen vnde recht ane hadden vnde heuet dat opgelatenmyt hande vnd myt munde ind hand vnd behofT Hermans van Neyhem, hyr waren an vnde ouer gerichtslude op beyden syden de dat sagenvnd horden dat hyr ordel vnd recht ouer genk as der vryen Stoles recht is Thomes van Mengede, Haneinan van Dungelen und MaesBransberch vnd ander guder lüde genoch. Dusses to tuge so hebbe ich Cort Greue to Dorpmunde vorgt. myn Ingesegel vme bede willenbeyden partie an dussen breyfT gehangen, vnde ich Bertold hebbe myn Ingesegel myt Cort vursc. an deissen brieff gehangen. Datum MCCCCvisesimo feria sexfa post letare ih. in jeiunio. Corts Siegel hat die 6 Schrägbalken und den bärtigen Kopf, Bertolds Siegel ist abgefallen.1) Oben Seite 227 und folg. 2) Oben S. 197. 3) Oben S. 229 Anm. 43. ") Oben S. 231 Anm. 75. '>) Vitruv II.sagt aedficia constituuntur in Gallia, Hispania, Lusitania, Aquitania, scandulis robusteis et stramentis. 6 ) So zeigt Kupfertafel in Grami-naeus Jülichsolier Hochzeit, dass damals die Häuser des Düsseldorfer Marktplatzes sämmtlich mit Ausschluss des Rathhauses, aus Holz ge-baut waren. Selbst fürstliche Häuser waren aus Holz, so 1188 das des Hugo von Renen (Heussen, hist. Episcopatum T. I. S.264.) Im 11.Jahrhundert hatte Graf Sigfrid von Northeim nur für sich und wenige Freunde eine aus Holz gezimmerte, jedoch durch einen Kamin aus-gezeichnete Schlafstube, während sein ganzes Gefolge auf dem Söller untergebracht ward. Leib. Scr. B. I. 266. Selbst noch König Franz II.von Frankreich mussto sich bei den Jagden mit Bauernscheunen begnügen, Pappenheim, Chron. der Truch. v. "Wald. I. 125. ') Seit denletzten 40 Jahren ist sie durch unsere, augenblicklich sehr eilige, alles zersetzende Zeit schon mannigfach verändert und dürfte nach einigenDecennien ganz vergessen sein. «) Naoh eingezogener Erkundigung hat auch das Jülicher Land ganz dieselhe Einrichtung. Im Mittel-