Druckschrift 
1,1 (1863) Geschichte der verschiedenen Geschlechter Bocholtz unter besonderer Berücksichtigung der alten Geographie, Rechts-, Sitten- und Culturgeschichte des Niederrheins
Entstehung
Seite
285
Einzelbild herunterladen
 

285

Von ihren Altären kommen vor: 1. Der Sebastianus- (Haupt)-Altar*), Patron die Familie von Bocholts;2. Antonius-Altar an der Südseite, für ihn stifteten 1486 die Eheleute Johann von Beissel die unten zu erwähnendendrei Wochenmessen.s) Sein Patron war die Familie von Bocholts) 3. Der Taufaltar,') Patron die .genannte Fa-milie. 4. Der Altar B. Mariae V., welcher an Stelle zweier nebeneinander bestandener Altäre mit bischöflicher Er-'laubmss erbaut, 1652 am Tage vor St. Jacob vom Bischof Andreas Oreuser eingeweiht wurde. Patron wie vor. 8 )

Als Stiftungen in der Kirche werden erwälmt: 1. Messstiftung des Hermann vonBocholtz von circa 1470. 9 )2. Stiftung der Eheleute Johann von Beissel genannt Keyde und Catharina von Bocholtz von 1468 für drei Wochen-messen und eine Armenspende, fundirt mit 17>/ 2 Malter Roggen. ">) 3. Stiftung einer Singmesse von Goert vonBocholtz, starb vor 1534, die von Johann (seinem Bastart) vermehrt wurde. 11 ) 4. Edwart von Bocholtz und seineFrau Maria von Brochausen stiften gegen 1530 zu Ehren der Sebastian- und Antons-Bruderschaft für sich eine jähr-liche Gedächtnissfeier in der Kirche. Es sollen am nächsten Werktage nach der Kirmes in der Krautweihe von 13Priestern Messe gelesen und nach der Messe das Grab der Stifter in der Kirche besucht werden. Dort soll man dasMiserere de profundis und Pater noster lesen und für die Stifter und deren Eltern beten. Jeder Priester erhält 2'/ 2Albus und ebensoviel der Küster, der den Wein, das Wachslicht und das Läuten am Vorabende davon besorgen muss.Die Priester sollen ein gemeinsames Mahl bekommen und den Armen sollen Schuhe und Tuch zu Kleidern geliefertwerden. Das Mahl wird in bereits beschriebener Art 12 ) noch jetzt gefeiert. Die für das ganze ausgeworfene Rentevon 15 Goldgulden war für jene Zeit eine sehr grosse Summe. 5. Messstiftung der Eheleute Godart von Bocholtzund Judith von Geldern vom Jahre 1622.) 6. Geschenk des Jahan to Heidhusen von 200 Goldgulden zu dem-selben Zwecke 1622. ») 7. Peter Wittlinx, gebürtig aus Lobberich, Rentmeister zu Flasrath und seine Frau Catharinavon Blittersdorf, stifteten 1661 für sich und ihre Anverwandten ein Jahrgedächtniss in der Lobbericher Kirche undschenkten dazu 1200 Gulden ä 20 Venloer Stüver, welche Summe beide Eheleute dem Kirchspiel Lobberich zurAbtragung einer gleichen Schuld, die in Kriegszeiten für Militär-Executionen bei dem Kloster St. Maria Garten inRoermund aufgenommen war, vorgeschossen hatten. I5 ) 8. Schenkung des Gert Jannis von 200 Goldguldon für eineSeelenmesse, 1684. 16 ) 9. Stiftung einer Singmesse auf Bartolomäus durch Maria Alexandrine von Bocholtz, 1698. l7 )Es müssen noch Urkunden von mehreren Stiftungen fehlen, z. B. von den Vicarien, deren Patron die Familie Bocholtzwar, von der Caplanei etc.; sie sind wohl in dem Archiv, wie unten erwähnt, untergegangen. Als Armenstiftungenkommen, neben jener unter 4. erwähnten, vor: 1. die schon 1486 erwähnte Antonii Fabiani und Sebastiani-Bruder-schaft. is) Sie besass 1635 jährlich an Korn 11 Malter 1 Sester und an Geld 17 Gulden 10y 2 Stüver. 10 ) 2. DieBruderschaft B. Maria V. besass jährlich um dieselbe Zeit 13 Malter l'/ 2 Fass und 2 Gulden 11 Stüver, 20 ) beidehatten einen Brudermeister an der Spitze. 3. Symon auf dem Strauch, aus Lobberich, Canonicus zu St. Gereon inCöln, schenkte 13. Januar 1632 500 Gulden ä 20 Stüver Venloer Währung und 4. Joachim Gelis 1712 100 Guldenund dann noch 20 kleinere Legate von 2550 Gulden. 21 ) 5. Die Eheleute Johann Wilhelm von Bocholtz undAnna von Hoensbroich vermachten 1678 eine Rente von 15 Thaler, um jährlich 5 Arme zu kleiden. 22 )

Als Kirchendiener werden genannt: Pastor, Capläne, Vicarien, Küster. Unter den Caplänen kommt einerzuerst 1618 als Schulvicar vor. 23 )

Der Küster hatte 1650 sein Einkommen in Copulations-Gebühren und todten Fackeln; dann jährlich ein Brodvon jedem Hause und Hofe in der ganzen Pfarre; iy 2 Goldgulden vom B. M. V. Altar für Wein und Licht voneiner Seelenmesse; % Malter Roggen und einen Königsthaler jährlich vom Antonius-Altar; 3'/ 2 Gulden für das täg-liche Licht, das Läuten des kleinen Glöckleins und für das Singen des Salve Regina während der ganzen Fasten;178 Gaste und drei Schoppen (vier auf eine Gast gerechnet) jährlich halb Roggen, halb Hafer, aus verschie-denen Höfen; unter diesen werden folgende 35 als die Haupthöfe jeder mit 3 Gästen aufgeführt: Ingen Dahl; Wemes-broeck; Scheifflerhof; uf der Kaulen; Jan Eggen; Eggen Neuhof; Holtstege; Harmesgut; Pauwelshof; Hegholzhof;Hoeferhof; Haus Bocholt; Halfman daselbst; Joachim an der Stegen; Immenkarts Merri; Wolfs Bosch; Abelsgut;Heinenhof; Stalbergshof; Lewergut; Bertengut; Jelishof; Zeyershof; Haus Broeck; Ritterhof; Tilman und Jan zuHeythaus; Gerard Dorcken; Merselshof; Gortsgut; Breyenduncksgut; Harmeshof in Sassenfeld; Ferffershof; BroeckerDries; Backesgut; Dyckesgut. Bis Anfangs 1600 musste der Küster zu allen Messen Wachs und Wein liefern; daaber durch den Krieg seine Einkünfte vergringert wurden, so übernahm die Pfarrgemeinde von allen nicht fundirtenMessen die Ausgabe.

Die Kirche besitzt auch ein Archiv, über dessen Schicksale das erste Blatt des Kirchenbuches, welches dieBeweggründe für dessen Anfertigung aufführt, Nachricht gibt:

Wir sehen und hören taglich, das bey werenden- Knegszeiten durch Beraubung und Abhrennungh der Kirchen,Todt vnd Vernachläsigungh der Inspectoren vnd Administratoren Segeü und Breiff verloren gehn, gleich gotsleiderdero viel bei vnsern Vorsesen vndergangen dannhero solchen in vnser Kirchen zu Lobrich vorzukomeu haben wir

3) Band II. S. 266 Nr. 581. 4 ) Ebenda S. 222 Nr. 474. s) Ebenda und IL 89. ») Ebenda S. 209 Nr. 423, S. 222,Nr. 581. ') Ebenda S. 189 Nr. 347. ») Ebend. S. 266 Nr. 579. °) Ebenda 83 Anm.) Ebenda 82. ») Ebenda 83 Anm.") Ebenda S. 100. ") Ebenda 192 Nr. 357. ") Kirchenarehiv. > 5 ) Ebenda. ">) Ebenda. ") Band II. S. 241. ") EbendaS. 82. i») Kircbenarckiv. 2I >) Ebenda. 21 ) Ebenda. ") Ebenda S. 231. «) Band II. S. 189 Nr. 347.