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1,1 (1863) Geschichte der verschiedenen Geschlechter Bocholtz unter besonderer Berücksichtigung der alten Geographie, Rechts-, Sitten- und Culturgeschichte des Niederrheins
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Flüsse. Die Sümpfe und Moräste sind meistens Theile grösserer Wasserflächen, -welche sich in die benachbarten Bürger-meistereien hinüberziehen und deren Entwässerung die Eegierung jetzt betreibt. An der westlichen Grenze fliesst dieNette, welche unterhalb Wachtendonk in die Niers fällt.

Lobberich und die Burg Bochholtz liegen in fast gleichem Niveau, zwischen beiden zieht sich ein circa 60Fuss hoher Bergrücken hindurch, auf dem die Capelle zum Hagelkreuze steht. Das Ackerland ist durchweg vonvorzüglicher Qualität, wurde schon 1615 mit 150 Thlr., 1622 sogar mit 200 Goldgulden >) der Morgen bezahlt, undgilt jetzt 300350 Thlr. Das Ganze bildet jetzt eine Bürgermeisterei, im Jahre 1817 mit 2358 Seelen, im Jahre1833 mit 3609 Seelen, jetzt fast das Doppelte. 1833 zählte sie 559 Wohnhäuser, ungerechnet die dazu gehörigenLandwirtschaftlichen-, Mühlen- und Fabrikgebäude, darunter das Kirchdorf Lobberich 811 Seelen, 139 Wohnhäuser,70 landwirtschaftliche Gebäude, und die Dorfschaften Sittard 174 S., 33 W., 20 L., Flötend 236 S., 40 W., 23 L.,Ober- und Nieder-Bocholtz 142 S., 18 W., 32 L., Dyck 197 S., 52 W., 60 L., Kenkouen 135 S., 28 W., 24 L.,Sassenfeld 408 S-, 76 W., 54 L. Das übrige fiel auf die Weiler: auf der Heide, Kieth, Vierhöfe, Heidenfeld undKlinkhammel, und die einzelnen Höfe, worunter die Kittersitze Ingenhoven und Bocholtz.

Das Kirchspiel ist 1646 durch den Geometer Meister Gerhard Heutmacher vonDülcken vermessen und ineine Karte gebracht, von der ich eine, um die Hälfte verkleinerte, sonst aber getreue Copie vorstehend mittheile;darnach war es damals in vier Honschaften getheilt und hatte nur 3500 Morgen Acker, das übrige war Gemeindegrund,Wald, Wiese, Weide, Wasser und Heide. Die Honschaften waren offenbar keine im Sinne des Tacitus (Germ. 12) vielleichtDecanien. Die Grenzen waren gegen Westen durch die Nette, gegen Süden und Osten durch eine Landwehr gedeckt.Letztere war vielleicht ein Resultat der Abtretung an Lüttich und Abschluss dieser Diöcese gegen Cöln; in diesemFalle wird sich die Fortsetzung im Kirchspiel Grefrath ermitteln lassen. Auffallend ist, dass sie Theile der HonschaftDyck ohne Schutz lässt. Die Vertheidigung war an der Nette durch das Burghaus Waldoos, an der Stein-, Heeres-oder Carlsstrasse, durch die Burg Bocholtz, im Innern durch die Burgen Broeck und Ingenhoven 2 ) und endlich, aufdem Wege durch das Dorf, durch zwei Schlag- oder Rennebäume, vor Dyck und in Sittart, verstärkt.

Der Hauptort ist und war das Dorf Lobberich, 5 Meilen von Düsseldorf, 7 von Cleve, l 3 / 5 von Kempen;es ist mit breiten, gut gepflasterten Strassen, ansehnlichen Häusern aus Backstein, durchweg zweistöckig, und mit einergrossen Kirche versehen. Die Häuser bekunden, innen wie aussen, Wohlhabenheit. Die Pfarrkirche in ihrer jetzigenForm ist das Werk des 15., frühestens 14. Jahrhunderts, in gothischem Style, mit hohen Fenstern und einem schlan-ken, wohl gegliederten Thurme versehen, der seine kühne Spitze gegen 200 Fuss in die Luft streckt, eine Zierde derGegend. Seine schwerste Glocke wog 2500 Pfund, sie wurde 1645 von muthwilligen Buben zerschlagen, und erst1731 wieder neu gegossen. 3 ) Im Innern verwahrt sie eine grosse Seltenheit, den oben S. 116, abgebildeten undbeschriebenen Taufstein aus dem 11. oder 12. Jahrhundert.

') Band II. S. 188, Nr. 334, S. 192, Nr. 356. 2 ) Die Bewachung solcher Burgen fand in den ältesten Zeiten durch Wachenmit Knüppeln bewaffnet statt, ich werde über diese, welche im Jülichschen nnd im Oberquartier auf Lehne gegründet waren, in meinenForschungen ein mehreres beibringen. "Wie man im 16. Jahrhundert die Vertheidigung führte, davon gibt eine Uebereinkunft des DiedrichHoen vom 11. Oct. 1542 im Archive des Grafen von Hoensbroeck zu Haag, welche er mit 12 Personen abgeschlossen, Auskunft. Diesemussten schwören, 1. gedachtes Haus zu bewachen, es daher ohne Erlaubniss der Frau des Diedrich oder des Befehlshabers nicht zu ver-lassen; 2. den gedachten beiden gehorsam zu sein; 3. die Pforte niemanden als den Seinigen, keinem Feinde, und selbst dann nicht, -wenner Diddrich selbst als Gefangener von ihnen davorgeführt werde und Einlass wünsche, zu öffnen; 4. friedlich mit einander zu leben und sichnicht zu prügeln; 5. so oft nölhig Schildwache zu stehen und Nachtwache zu halten und dabei nicht zu schlafen; 6) überhaupt sich fromm,ehrbar und zur "Wohlfahrt seiner Frau und seiner Kinder zu führen. Vergehen gegen 3 und 5 sollen mit Kopf und Gut, gegen 4 mit Ver-lust der Hand bestraft werden. Als Sold bekommt jeder der zwölf monatlich einen Geldrischen Bitter (Gulden). Die Urkunde lautet:

fpten XI dach desen monalz October anno XLII. heb yck Diederich von der Lippe gnl. Hoen etc. diese hieronder beschreue Knechtenvp myne Huyse Blyenbeck bys tot mynre wederseggen toe leggen aengenoemen, dairup sy tsamerhant my eynen gebuyrlicken Eydt vpdiese naebeschreue puneten gedaen.

Inden eyrsten sallen sy myn huyss ind wonungh vurss getrouwelick vur alle vyanden ind den gheene, die dem archwylligewyllen, getrouwelick wachten, dairup blyuen ind waerden wie sulx vroemen ind geirouwen knechten toe doen hehoert vnd niet daervanaeffgan buyten kones myne huyssl'rouwe ind dess beuelhabbers oder dem ess verner beuaelen wird.

Thom anderen sullen sy myner huysfrouwen öfter den ghenen, dye van vnseretwegen daertoe vur beuelcebber gesath, gehairsamsyn. Thom drytten sullen sy yre Waeck trouwelick, den sulx behoert toe waecken, wachten vnnd yngelicken die port warden, vnnd off hetsaeck were, dair gott vur syn will, dat ick geuangen ind alhier toeBlyenbeck vur die port gefencklick bracht wurdt, sullen sy die port nyetop doen, offte dat Huyss opgeuen, sonder tot behoiff vnd in nhamen myne huyssfrouwen vnnd mynes kyntz wachten, warden ind ynbehaldenvp verboirnis ind straiff lyffs ind guetz.

Thom vierden sullen sy eyndrechtlick myt malckeren wesen ind nyet senck off ontgyth wesen, soeuerne auer ymant dairtegendede ind ballichden, dieselue sal syne hant verboert hebbe.

Thom vyrtten oll het saeck were, dathet van noeden were schildtwaerth toe halden, sullen sy yngelicken warden ind haldenvnd soeuerne ymantz dass geboert toe wacken wer dairinbouen slipe ind syne waeck nyet en verwarden oder versuymden sal dairan ver-bruckt hebn Lyff ind guet. Item dieghene die die port verwaeren, sullen die geboirt ind dat is, sullen nyet van der porten gaen buytenconsent ind beuel, sonder dairby blyuen ind getrouwelick wachten.

Voert sullen sy sich vroemelich tot eerbar, mit ind walfaert myner ind myner huysfrouwen ind kyntz halden ind bewysen wievroemen knechten behoirt ind toesteit. Dess sal ick hen s'maentz geuen eynen Gelressen Ryder vnnd oft saeck were dat yelwas hierynnevergeten were, sullen sy halden ind doen wie sulx vroemen knechten, die yren heren geswaren, doen sullen. Vnd weret saeck dat ymantzvon yn hiertegen dede ind.......sal verboirt heim lyff ind guet.

Wy N. N. swerenn ind geloiue dein Erentveslen ind vroemen Diederichen von der Lippe gnt. Hoen etc. diese vurss. artickelenvroemelick .... toe halden vnnd ons erwysen yn syner Kind derseluer huysfrouwen ind kyntz dyenst (wie es frommen) knechten toesteit.Sonder arglist Soe onss got helff ind syne lyeue hilgen. (Es folgen die Namen von 12 Knechten.)