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1,1 (1863) Geschichte der verschiedenen Geschlechter Bocholtz unter besonderer Berücksichtigung der alten Geographie, Rechts-, Sitten- und Culturgeschichte des Niederrheins
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IV. Geschichte der Herren von Lobberich und Bocholt/.

1. Ihr Gebiet, das Kirchspiel Lobberich.A.- Seine fileschichte.

Das Kirchspiel Lobberich 1 ) war bis 1794 eine Herrlichkeit, 2 ) im Lande von Krickenbeck 3 ) gelegenDen Namen trägt es von dem Hauptorte, dem Kirchdorfe Lobberich, und dieser scheint aus einer römischen Nieder-lassung der Familie Lupercus hervorgegangen zu sein. Hierfür spricht der Name, 4 ) die Thatsache, dass fast allealten rheinischen Herrensitze sich auf römische Ansiedelungen gründen, das frühe Vorkommen des Orts, die Dedicationseiner Kirche an den h. Sebastian, 5 ) die Nachricht, dass die schon 977 bestehende, dem h. Laurenz geweihte Pfarr-kirche zu Grefrath ihre Tochterkirche ist, 6) die Ausdehnung der Lobbericher Latschaft über seine Pfarrgrenzen hinaus,in die Kirchspiele von Hinsbeck, Grefrath, Süchteln und Boisheim,') das Vorkommen von Ortschaftsnamen innerhalbseiner Grenzen, welche an römische Verhältnisse erinnern, z. B. Bachusheide, Bachusweg.

Wenn auch das Kirchspiel ursprünglich viel Wald, Heide und Wasser 8 ) gehabt haben mag, so besass es dochgemäss der Bodenbeschaffenheit noch mehr fruchtbaren Acker, Wiese und Weide, so dass darauf der Bericht des JuliusCaesar (oben Seite 196) von dort vorgefundenen Aeckern, Gebäuden und Dörfern passt, die er sonst noch in Deutsch-land vermisste. Zweifellos hat der, schon zur Römerzeit lebhafte Verkehr zwischen den Orten Xanten, Nymwegen,Mastricht, 9 ) Aachen und Cöln das Aufblühen der hiervon berührten Gegend befördert und so findet sich der Kirchen-verband von Lobberich schon vor der Zeit des Erzbischofs Evergerus, 985977, so bevölkert, dass Grefrath alsTochterkirche hatte davon abgezweigt werden müssen. Die Mutterkirche mit Venlo und Tegelen trat gedachter Erz-bischof gegen Gladbach und Rheydt an das Bisthum Lüttich ab. 10 ) Das Patronat derselben sammt dem Zehnten zuLobberich, worauf es haftete, war schon früh in die Hände des Frauenklosters zu Halem ') gelangt und von diesemden Grafen von Molbach in der Art abgetreten, dass diese den halben Zehnten für 18 Schillinge jährlich in eigeneBenutzung bekamen,'die andere Hälfte aber dem Pastor von Lobberich überlassen mussten, der dafür 5 Schillingejährlich dem Kloster zu bezahlen hatte. Alveradis von Molbacb, die letzte dieses Grafengeschlechts, übertrug mitZustimmung des Klosters Haien ihr Patronatsrecht mit halben Zehnten 1221 12 ) der Abtei Knechtsteden, was nachihrem Tode, 1245 26. April, ihr letzter Eheherr Otto von Wickerath bestätigte. 13 ) Auch der Graf Reinard vonGeldern und dessen Frau Margaretha, welche an dem Patronat Ansprüche zu haben behauptet hatten, verzichtetenauf ihre Rechte zu Gunsten der Abtei, wogegen diese 1328 30. August sich verpflichtete, die Anniversarien der Grafenund Gräfinnen von Geldern zu feiern. 14 )

') Die älteste Schreibart ist 1219 Loperike(Bondam) dann 1221 Lubbruoh, 1245 Ludbrug, Lac. II. 52, 151, 1328 Lobrecht (Nyhof),Lobbroik, Lobbrouch. 2 ) Band II. S. 224 Büschings Erdbeschr. Bd. III. a. S. 954. 3) Band II. Seite 75. «) Die Ortschaften" aufich" in unserer Gegend sind, -wie viele Beispiele zeigen, aus der römischen Endsilbeiacum" entstanden, so: Elvenich aus Albiniacum,Bierich aus Bleriacum, Geminich aus Geminiacum, Gressenich aus Crasniaeum, Jülich aus Juliacum, Linnich aus Liniacum, Melich aus Mede-riacum, Ulpenich aus Ulpiacum, Ziverich aus Tiberiacum, Zülpich aus Tolpiacum, und von diesen tragen Juliacum von Julius und Tiberiacumvon Tiberius ihren Namen. Nach dieser Analogie würde Lobberich römisch Luperiacum geheissen haben und dieses führt auf MumiusLupercus, den römisahen Legaten und tapfern Vertheidiger von Vetera (oben Seite 220) der in dortiger Gegend nicht vereinzelt steht, dennein, früher zu Cleve aufbewahrter, in dortiger Gegend gefundener Stein mit der Inschrift: DIIS. MANIBVS. VITALINO. LUPERCO. MILITI.LEGIONIS. TEICESIMAE. ULPIAE. VICTR1CIS. MARCVS. ULPIUS. VERECUNDUS. weist einen Vitalinus Lupercus nach und aufeine hier ansässig gewesene Familie dieses Namens hin. 6 ) Sebastian war Hauptmann und wurde im 4. Jahrhundert unter Diocletian zuRom gemartert. 6 ) Bintrim und Mooren, Erzdiöcese Cöln I S.253. ') Hieraus, scheint mir zu folgern, dass die bürgerliche Einrichtungvon Lobberich der kirchlichen voranging und von ihr nicht überwunden werden konnte. 8 ) Die Ortschaften Bocholtz, Wolfsbusch erinnernan den ersteren, Heidenfeld, auf der Heide, Lindheide, Bachusheide an die zweite und Broich, Broixken, Breuckel, Dreicke, Dyck, Mohrursprünglich Meer, Rieth, auf demWirdtgen, an das letzte. °) Der dortige, vom h. Servatius im 4. Jahrhundert gestiftete, später nach Lüttichverlegte Bischofssitz, und die Königspfalz zogen an. Mastricht war Sitz der fränkischen Könige erster und zweiter Race und seine, wennauch 881 von den Normannen zerstörte, aber erneuerte Pfalz erfreute sich noch später des Besuchs der deutschen Kaiser. Heinrich feiertedort 1066 das Osterfest. Otto IV. erliess daselbst seine berühmte Urkunde.) Band III. S. 6 Capit. XXI. ") Dieses CistercienserNonnenkloster hiess eigentlich Rocheem, später Rotthem, und lag in der brabantschen Stadt Halem, jetzt Haien an der Gete, im Quartiervon Löwen. 12 ) Lac. II. 52. 13 ) Lac. II. 151. H ) Nyhoff I. 240. Die Abtei Knechtsteden ist bis zur französischen Revolution imBesitz des Patronats geblieben und hat die Pfarre stets mit Mitgliedern ihres Klosters bestellt. Die Namen der Pfarrer sind: 1483 Johannvon Aussum II. 79, 15** Pater Mathias von Thuren (Düren) wurde wegen seiner ausgezeichneten Frömmigkeit und Kenntnisse zum Abt vonKnechtsteden gewählt, als welcher er sich während der Reformation 1530 auszeichnete; 1528? Pater Albertus "Waiden, II. 98; 15091531Pastor Sybert von Krickenbeck aus Breyl, Bd. II, Seite 90, 102, 103, stand sehr lange dem Amte vor und ist vor dem Sacramentshause inder Kirche zu Lobberich begraben; 15381539 Pater Gerard von Stralen aus Mors, IL 116, 121, wurde zum Abt von Knechtsteden beför-dert; 15.. Pater Theodor aus Neuss verwaltete 5 Jahre das Amt, begraben vor genanntem Sacramentshause; 1552 Pater Wilhelm vonHoengen, er resignirte wegen der Kriegsdrangsale und starb in seinem Kloster 1574; Pater Johann Schriever aus Dahlen, ertrug muthig undaufopferungsvoll die Leiden des wilden holländischen Krieges; als seine Kraft erlag, resignirte er, blieb aber bis zum Tode, 10. März 1614,in der Pastorat wohnen, begraben vor dem Sacramentshause; 16081620 Pater Mathias Meier aus Süchteln. Bei seinem Antritte wurde diePastorat in Asche gelegt; er Wurde zum Pastor von Geilenkirchen befördert; 16201628 Pater Mathias Liittringhausen aus dem Cölnischengebürtig, war 7 Jahre Pastor und kam von Lobberich nach Brachel; 16291632 Pater Bartholomäus Fraisne, ein Franzose, wurde zumPastor von Gangelt befördert; 1633, Tag vor Laurenz, erhält Pater Norbert, im gewöhnlichen Leben Mathias Pricken, die Pfarre und ver-waltete sie unter traurigen Verhältnissen bis 1659, IL 83, 100; 167072 Godefridus Frisch II. 234; 16891690 Johann Pulvermacher; 1694J. A. Beckers; 1711 F. Wilh. Esser; 1712 Theodor Rutger Borgs; 172426 Johann Jaoob Klocker; 173035 Johann Ciriacus Tils; 1758bis 60 Broich, nach ihm N. Becker, dann Johann Paul Stemmeier, welcher 11. April 1811 600 Gulden für sein Jahrgedachtniss schenkte;18121814 Wilhelm Wipperfürth; 1818 Bernhard Kempen, f 1841; endlich Peter Heinrich Krins, der erste Weltgeistliche, ernannt 31. März1842, eingeführt 11. Mai 1842, seit mehreren Jahren auch Dechant. Als Caplane werden genannt: 1523 Herr Clays, 1597 Job. Kudichoven

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