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Eine solche Landwehr findet sich auch am Unterrhein auf dem rechten Rheinufer vor. 4 ) Sie beginntsüdlich von der Stadt Emmerich, in deren Gebiete sie sich an den Rhein lehnte. Auf der Strecke, wo jetzt das Stations-gebäude der Eisenbahn steht, ist sie zerstört, von dort weiter umgrenzt sie in fast halhem Zirkel die Hetter bis andas Metmeer, aus dem sie gespeist wird, und in einem zweiten Halbzirkel das Mülinger Bruch. Hier bildet sie auchnoch grösstentheils die Grenze zwischen Preussen und Holland, ist, ausweisslich der Charte von 1600 bis zur Zeitcirca 130 Fuss breit und aus drei Gräben mit zwei Wällen gebildet, wie nachstehender Durchschnitt I. nachweiset:30 20 30 20 30 30 20 30
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Weiterhin erreicht sie die Yssel, die sie auf ihrem linken, westlichen Ufer aufwärts begleitet, so dass der Fluss immerauf feindlichem Gebiete bleibt. Von Loiküm ab bleibt sie auch in dieser fast unmittelbaren Begleitung östlich vonPlamminkel 5 ) bis zum Hofe Bramhorst, wo sie den Fluss verlässt und sich zwischen diesem und dem Hofe Wittenstein,von beiden circa 1000 Schritte entfernt, durch das Gemeindebruch bis zum Hofe Spickemann hinzieht. Von Loickumab führt sie in der Charte von 1600 den Namen Drosten-Landwehr, weil sie die ehemalige Clevische Landdrosteiabgrenzte? und ist bald mit zwei, bald mit drei Graben versehen und bald 90, bald 120 Fuss breit. Auch zweigtsich von ihr in der Gegend von Hamminkel östlich ein Arm ab, der auf hohen Malberg und von dort paralell mitder Lippe über Dorfschaft und Hof Damm, südlich und unmittelbar neben Bons über Kleinchen in das Münstersche,4—500 Ruthen nördlich von Schermbeck vorbei, in die Richtung auf Dorsten läuft. 6 )
Bei dem Hofe Spickemann spaltet sich die Rhein-Landwehr in zwei Arme. Der eine, der westliche, läuftnäher Wesel über Lauerhaus an der Yssel, Regnit und die Aapex-höfe bis nahe an die Lippe, ohne dass jenseits der-selben auf dem linken Ufer eine Fortsetzung sich fände, wahrscheinlich war diese eine Landwehr der Stadt Wesel;der östliche aber geht durch das Lackhauser Bruch längst des Hauses Schwarzenstein ') bis an die Lippe, springtdort über den Fluss 8 ) in die Bürgermeisterei Gahlen, geht auf Hof Bocholt, weiter durch das Rahmhauser Brachund den Rotthausbusch bis zum Hofe Rademacher. Von hier ist sie bis auf eine Strecke von einigen hundertSchritten durch die Cultur vollständig vertilgt. Im Hiesfeld kommt sie aber wieder vollständig zum Vorschein. Siepassirt Eickerhof, Hulseman, geht dann westlich von Hiesfeld durch das Aver und Vehwer Bruch bis zum Barfuths-hof, von wo sie in die Bürgermeisterei Holten tritt. Um die Stadt Holten ist sie nicht mehr kenntlich. Die alteBurg scheint ihr eine Hauptstütze gewesen zu sein und zu der späteren Machtstellung der dortigen DynastenAnlass gegeben zu haben. Unterhalb Holten am Bifanger °) springt sie ab und geht längst der westlichen Grenzedes Schwarzenbruchs 10 ) auf Lantermannskotten, klein Rotthof und Lattenkamp, wo sie in den Park des Grafenvon Westerholt zu Oberhausen tritt, ihn ganz durchschneidet und jenseits sich an die alte Burg zu Oberhausen, amäussersten Ende des Gemüsegartens und an die Emscher lehnt. In dem Parke besteht sie noch aus zwei Gräben undheisst die fränkische Landwehr. Auch auf der ganzen Strecke von dem Lackhauser Bruche an hat sie meistens nurzwei Gräben und zuweilen nur 7 Ruthen Breite.
Von Oberhausen am jetzigen Bahnhofe und beim vormaligen Galgen läuft sie, eine Viertelstunde nördlichvon Styrum, mit drei Gräben und in der Richtung von Westen nach Osten auf Scholtenhof in der GemeindeDümpten. Dann zog sie sich, wie die Untersuchung über Ripuarien unten ergeben wird, um die Herrschaft Broch
trockneten die Sümpfe, legten Weinberge, Obstgärten, Wasserleitungen, Strassen an. — 4 ) An manchen Stellen ist sie noch in ihrer, fastursprünglichen Beschaffenheit, an anderen zwar mehr oder weniger zerstört, aber doch immerhin äusserlich deutlich erkennbar und selbst da,wo die Cultur sie ganz geebnet hat, kann sie noch in ihrem fortlaufenden Grundrisse, als ein von Flur zu Flur sich fortsetzendes, zusam-menhängendes Grundstück nachgewiesen werden. Ausserdem hat der Volksmund sie aufbewahrt, die Flurstücke, welche aus ihr entstandensind, heissen „die Landwehr", die angrenzenden sehr häufig „an der Landwehr" und so sind sie auch in die Landcharten eingetragen. So-wohl die Flurcharten der clevischen Eegenten von circa 1600, als der bergischen von 1700—1710 lieferen von ihr, unter den gedachten zweiBenennungen, die genauesten Zeichnungen. Man sieht sie darin im Clevischen in einer fast gleichmässigen Breite von 130 Fuss, meist mitdrei Gräben und vier Wällen (stellenweise aber auch drei Gräben mit zwei Wällen, oder vier Gräben mit fünf Wällen) sieht auch wo die Gräbenmit Wasser gefüllt sind (die Charten sind colorirt), endlich ob sie noch wüst liegen, oder schon in Cultur genommen, letzteres selten von denAnschiessenden, mehr von den Pfarren oder Kirchen. Dass diese Landwehr bis 370 n. Ch. die eigentliche Grenzscheide geblieben ist, wurdeschon oben S. 227 angedeutet, dass sie es unter Aurelian noch war, bezeugt Eutrop. IX. c. 9. Aurel. Victor de Caes. c 35. Vopis. inTac. S.229. — 5 ) Bei Hamminkel sind Pastor und Kirche in Besitz derselben und weiterhin Private. — 6 ) Vielleicht als Fortsetzung steht mitdieser Landwehr diejenige in Verbindung, welche von der Lippe her auf Soest über Fahnen und Flerke, mit einem Zweigarme auf Himmel-pforten und die Mohne, läuft. Es sind an derselben, bei Fahnen und Flerke, Opfermesser, Streithämmer und römische Schwerter gefunden.Wiskott, Beiträge zur Geschichte der Stadt Soest, S. 74, und liegt unter Berücksichtigung der Bichtung der Strasse oben S. 235 Nr. 32 dieVermuthung sehr nahe, dass wir es hier mit dem Grenzwalle zu thun haben, den Germanicus anlegte. S. oben S. 210. — ') In die Chartenvon 1600 und die neueren Flurregister der Gemeinde Lackhausen und Wesel ist die Landwehr unter diesem Namen und der angrenzende Ackers ehr häufig unter dem Titel „an der Landwehr" eingetragen. — 8 ) Auf dem linken Lippeufer, mehr östlich als die im Texte beschriebene,findet sich eine zweite Landwehr mit drei Gräben und vier Wällen, circa 130 Fuss breit, sie zieht sich bei Cadwei und der BruchhauserMühle vorbei, in deren Nähe sie endet, dieses und der Umstand, dass sie auf dem rechten Ufer keine Anlehnung hat, scheinen zu beweisen,dass sie keine durchgehende Wehr gewesen ist, wenn gleich ihre Breite sie mehr dazu berechtigt, als die im Text beschriebene. — °) Bifang(captura, exartum, proprisum) ist ein, aus dem Gemeindelande durch Zäune, Pfähle, Mahlbäume oder sonstige Zeichen ausgeschiedenes undder Hauptsohlstädte zur freien Benutzung zugewiesenes Stück. Codex Laurs. III. im Register. Du Cange. — I0 ) Dort steht sie in der Chartevon 1720 noch als Landwehr gezeichnet, auch ist ihr Zug noch in den jetigen Flurkarten kenntlich, der Boden indess überall geebnet und