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Probus, dem edlen Fürsten, wissen wir, dass er im letzten Jahre seiner Regierung (282 n. Chr.), als er seine Gegen-kaiser Saturninus und Bonosus besiegt hatte, seine Legionen, damit sie dem Staate nicht nutzlos zur Last fielen, zufriedlichen Beschäftigungen anhielt und zwar insbesondere in Gallien (am Rhein und an der Mosel) und in Pannonien(an der Donau) zu Weinpflanzungen. 2 )
Schon ein Jahrhundert später (379) finden wir, dass die liebliche und dankbare Pflanze die ganzen Uferder Mosel bis zu ihren höchsten Höhen bekleidet und dass dort Einzelne, z. B. der Dichter Ansonius, der uns dieNachricht darüber hinterlassen hat, 100 Morgen Weinberg besitzen. 3 ) Ende des Jahres 406 fielen zwar die Van-dalen, Alanen und Sueven in Gallien ein und verwüsteten das Land zehn Jahre hindurch so gründlich, dass, wie esin einem gleichzeitigen Gedichte heisst, 4 ) der Ocean, wenn er sich über das Land ergossen hätte, mehr übrig gelassenhaben würde; es fehle das Vieh und der Samen zur Frucht; für "Weinberge und Oelpflanzungen seien die Stellenverschwunden. Auch brachen einige Jahre später die Franken in Gallien ein, nahmen Cöln in Besitz, verwüstetenviermal Trier, zerstörten Mainz und kaussten im Allgemeinen nicht anders als die Vandalen. 5 ) Indessen weder ihre,die Menschheit beschämenden Thaten noch die der ihnen ebenbürtigen Hunnen konnten den einmal entzündeten Cultur-funken löschen; die Städte erstanden neu aus ihrer Asche, Aecker und Obstgärten wurden neu bestellt, und der edleWein fand seine neuen Pfleger; und so sah denn schon Venatius Fortunatus (f als Bischof von Poitiers), der unterSiegbert I. (561—575) von Italien nach Germanien und Gallien, und zwar zuletzt im Gefolge der Königin Rade-gundis reiste, von Trier an flussabwärts rings an den grauen Felsen der hohen Berge, die Rebe blühen und anden Bergspitzen die Häuser der Winzer hängen. Er findet auch einen Marmorpallast des Trier'schen Bischofes aufder Höhe eines Berges an der Mosel gelegen mit einem darneben neu angelegten Weinberge, wo vorher nur wildesGestrüpp gestanden hatte, so wie Weinberge bei Metz und bei Andernach. Bei dem letzteren Orte sind die umliegen-den Höhen mit Wein besetzt, das Thal aber überall fruchtbares Saatfeld, der übrige Rhein ist noch ohne Reben,denn er nennt nur die Mosel die traubenreiche, ihn aber den wogenrauschenden. 6 ) Welche Hindernisse bei ihm demAnbaue entgegengestanden haben, ob Trägheit, Abneigung, ob unzureichende Bildung der anwohnenden Völker, wervermag das beim Mangel der Quellen zu bestimmeu! Soviel ist nur gewiss, die entgegenstehenden Hindernisse musstenzuletzt auch hier weichen. Sei es, dass das Aufblühen der Cultur überhaupt, sei es, dass die kirchlich-wichtigeFrage nach dem Messwein oder andere aufklärende Gründe wirkten, genug wir finden später im innern DeutschlandWein. So belehrt uns das Leben des heil. Emmeran, dass 649 zu Regensburg an der Donau Wein wuchs. Imfolgenden Jahrhundert findet sich auch am Mittelrhein Weinbau; im Jahre 798 erstreckte er sieh schon bis Bonnabwärts. 7 ) Später, in Folge der glänzenden Zeiten der Hohenstaufen, erhielt er eine schnelle 8 ) und dabei so ausge-dehnte Verbreitung, dass im Mittelalter sogar unterhalb Düsseldorf Weingärten mit Kelterhäusern 9 ) gefunden wurden.Sind diese auch in neueren Zeiten bis auf die Stöcke an den Mauern wieder verschwunden und die Weinculturenhauptsächlich auf die Ufer des Rheins oberhalb Bonn und seiner Nebenflüsse Mosel, Nahe, Main etc. beschränkt, so ist
') Wenn Strabo IV. 6 §. 8 berichtet: dass der Rhein Weintrauben liefere, so ist dieses vielleicht nur auf einzelne, Her undda etwa vorkommende Stöcke am Oberrhein und mit der Beschränkung zu beziehen, die er IV. 1. Seite 286 Tauch. Ausg. ausspricht: dassnördlich von den Chevennen der Weinstock nicht leicht reife Trauben bringe, oder lediglich auf die vitis Kaetiea (Velteliner) zu beschränken,von der Columella re rust. III. 2. 27 und Virgil G. II. 95 sprechen. Scrofa bei Varro Ee rust. I. 7. 8 berichtet bei Gelegenheit seines Feld-zuges in der Rheingegend, dass dort weder Wein, noch Oel, noch Obst -wachse. Tacitus Germ. 25 sagt, dass von den Eheinbewohnernwohl Wein angekauft werde, den Weinbau selbst aber spricht er ihnen (26) ab: autumni perinde nomen ac bona Ignorant. Bei Ner-viern und Sueven war sogar der Ankauf des Weines verboten. Cae. bei. g. II 15. IV. 2. — 2 ) Aurel. Victor. Caes. 37. — 3 ) Ausonius,1er 378. 379 praefectus praetorio, später Consul in Gallien war, in seinen Idyllen III. 21. X. 18. 25. 152. 190 seqq. epist. XXIV. 91. claraeurbes XIV. 2. — 4 ) Do Divina Providentia in „Bouquet scriptores rerum Gallicum I. S. 777. Vergl. Procop. de bei. Vand I. Byzant. Hist.I. S. 376. Orosius VII. 40. Hieronymi Epist. 123. Gregor Turon, II. Cap. 2. 9. Prosper Aquit. de Providentia. Hist. CalamitatumGalliae bei Du Chesne Script. I. S. 72. — s ) Salvianus de Gubernatione Dei lib. VI. S. 209, wo eine schreckliche Beschreibung von derVerwüstung Triers. — 6 ) Venantius Fortunatus, Ausgabe von Brower V. 25 seqq. X. 9. Auch der Umstand, das die von den alten Volks-rechten des 6. und 7. Jahrhunderts (500—637) das Salische (VIII. 3.), das Longobardische (Lex Eotharis 297. 301), das Burgundische (Addit.I. 16). Verordnungen zum Schutz des Weinbaues haben, die Lex Eipuariorum aber solche nicht kennt, beweist, dass damals, mindestens inRipuarien, das heisst von Andernach abwärts, noch kein Wein gebaut wurde. — ') In dies.em Jahre, 19. Juli, kaufte der heil. Ludger, Abtvon Werden, einen Weingarten zu Bachern, am Melenbache im Kreise Bonn (Lac. 1. S. 7 ) — 8 ) Die Abtei Eberbach im Eheingau alleinwandelte kurz nach ihrer Gründung (1131) 100 Morgen Wald zu Weinberg, den so berühmten Steinberg, und trieb einen so ausgedehntenWeinhandel, dass sie in Cöln ihre besondere Factorei und ein eigenes Stadtthor besass (Cöln. Schreinsurkunden und Fahne, Dipl. Beiträgezur Geschichte der Baumeister des Cölner Doms, S. 87). Die Stiftungsurkunde des Hospitals zu Coblenz von 1110 spricht von vielen Wein-bergen bei Coblenz, Mallendar, Leudesdorf, Lahnstein, Osterspey. — °) Es haben mir manche Urkunden über Weinbau am Unterrhein vor-gelegen. Wie ich mich erinnere, sprachen Einige über viel Wein, der zu Embke bei Düren gebaut wurde. 1340 bei Gründung des KlostersSchwarzenbroich bei Merode schenkte der Stifter nicht allein 1 Morgen Weinberg bei Merode, sondern auch den ganzen Weinzehnten indieser Herrschaft. 1351 cedirten zwei Frauen vor „Consules et Scabini in Wippervurde" ihre Weingut und Erbe (vinea
>7^ et hereditas) zu Eeyde unter Siegel des Consuls Henricus de Vorste, der ein Wappen, wie nebenstehend, führte. Um
dieselbe Zeit wurde ein Weinberg mit Kelterhaus, im bergischen Amte Angermund gelegen, verkauft. Dort erinnertauch noch jetzt das Haus Wingert (zwischen Düsseldorf und Eatingen) an einen Weingarten. Gemäss zweier Urkundenvon 1255 und 1263 (Binterim und Mooren, Erzdiöcese Cöln, Cod. Dipl. I. 249—295) wurde damals auch zu XantenWein gebaut. Im Jahre 1181 sah sich das Stift Kaiserswerth gezwungen, seinen dortigen Weinberg, am Markte gelegen,als Hausplätze zu vergeben, um der rasch wachsenden Bevölkerung Kaum zu gewähren. L. I. 447. Noch im Jahre1464 erndtete Kloster Kamp in seinem dortigen Weingarten 36 Fuder Wein und 1471 blühten seine dortigen Rebenschon Mitte Mai, so dass man bereits am 6.August die Messe mit neuem Weine celebriren und ihn bereits am 20. dessel-ben Monats den Brüdern geben konnte. Aehnlich ging es 1453, 1503 und 1504; es wuchsen aber damals wenig Früchte, weil es zu dürrewar. 1487 erfroren alle dortigen Weinstöcke und wurden deshalb im Frühjahre nicht grün, schlugen aber alle Johanni aus der Wurzel