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1,1 (1863) Geschichte der verschiedenen Geschlechter Bocholtz unter besonderer Berücksichtigung der alten Geographie, Rechts-, Sitten- und Culturgeschichte des Niederrheins
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die Oeden in Fluren verwandelt und mit Niederlassungen'2) bedeckt, den Ackerbau«) und die Gärtnerei'*)gehoben, Baukunst 75 ) herangebildet, Weinbau,' 6 ) Gewerbefleiss und Handel 7 ') geschaffen, den Gesichts- und Ideen-kreis der Deutschen durch Unterricht,'s) Theilnahme an der Verwaltung und Kriegführung' 9 ) erweitert und zurAusbildung der unberührt gelassenen, einheimischen Kechte und Institutionen höher befähigt, durch "die Aufstellunggeordneter Heere und deren gemeinnützliche Thätigkeit auf bessere einheimische Einrichtungen und auf die Notwen-digkeit des Zusammenhaltens und dessen Vermittelung durch Bündnisse (Frankenbund, Sachsenbund etc.) hingewiesen,ihre Schöpfungen möglichst durch feste Plätze und Grenzwälle geschützt, endlich durch ihre Bildung und Weltherrschaft,das Christenthum angebahnt, kurz, eine Menge Wohlthaten dem Lande erzeugt, deren Früchte freilich erst nach vielenJahrhunderten, jedoch nicht durch römische, sondern deutsche Schuld so spät, und nur zu einem Theile 80 ) allmäligzur Reife gebracht werden konnten, weil die wilden Kriege der Franken, Nonnannen, die starren, harten Formen dercarolingischen Schöpfungen und der damit verknüpften Lehnverfassung, die zeisweise zu selbstsüchtige kirchlicheHierarchie u. s. w. der Entwicklung entgegenstanden, von denen indessen auch . wir noch fortwährend zehren undkünftig, so lange Bildung bei uns besteht, zehren werden.

6. Verbesserung des Rheinbettes.

Der frühere Zustand des Rheinbettes ist oben beschrieben. Zur Beseitigung der vielen Sümpfe, des weitenund oft wechselnden Bettes und zur Verbesserung des Fahrwassers haben die Römer ') verschiedene Thätigkeit ent-wickelt. Am ganzen Unterrhein findet man die Spuren davon, wie sie mit Dämmen dem wilden Flusse eine festeBahn angewiesen haben; nicht minder erzählen dieGeschichtschreiber zu verschiedenen Zeiten, dass solche Arbeiten vor-genommen sind, wenn auch meistens nur in allgemeinen Ausdrücken, ohne dass gerade die Oertlichkeiten einzeln bezeichnetsind. Von einer dieser Arbeiten indessen sind die Nachrichten spccieller, von dem Damme des Drusus. Ehe dieserangelegt war, lief der Rhein von Cleve aus bei gewöhnlichem Wasserstande in zwei Strömungen, eine links durchdas Wyler Meer nach Nymwegen, so dass Donsbrüggen, Nutterden, Cranenburg, Wyler, Beeck, Ubbergen und Nym-wegen dicht am linken Ufer lagen, eine rechts längs Rynderen, Schenkenschanz, Lobith und Millingen, so dass sichSchenkenschanz auf dem rechten Ufer, die drei übrigen auf dem linken befanden. Was zwischen beiden Strömungen

") Ich habe verschiedene unter Nr. 8. aufgezählt, weit mehrere sind in Folge der späteren Verwilderung untergegangen, so z. B. die vielenNiederlassungen im Stommelerhrueh. Dieser Bruch, viele tausend Morgen gross, war in der leztern Zeit ein Wald und grösstentheils so ver-sumpft, dass man ihn selbst im höchsten Sommer stellenweise nicht betreten konnte. Er wurde vor circa 10 Jahren entwässert, in Höfegctheilt und zu Acker verwandelt. Bei dieser Gelegenheit wurden viele römische Denkmale, Münzen, Gefässe, Denksteine und andere Gegen-stände, welche römische Niederlassungen ankündigten, ausgegraben. Hr. Delhoven zu Dormagen besitzt davon Mehreros, unter andern eineÄra mit der Inschrift: NIMPHIS . T . CELSINVS CVMIVS. V. S. L. M. Ich besitze die dazu gehörige Figur der Nymphe, 7 Zoll hoch.Beide wurden, mit vielen Münzen, von denen ich 33 Stück, von Nero, Yespasian, Titus, Trajan, Faustina und Crispina, erworben habe, beimAusstechen des Abzugsgrabens bei Delhoven und Gohr mitten im Sumpfe gefunden. Herr Oberbürgermeister Stupp zu Cöln fand auf seinem,in jenem Bruche angelegten Hofe, als er den Boden ebnen und abfahren Hess, eine römische Gartenanlage; die Beete unterschieden sich ganz deutlichvon den Wegen. ") Der Beweis hierfür liegt in dem Vorkommen neuer Fruchtarten, Weizen, Linsen, Bohnen, Erbsen, in den neuen Werkzeugen(Pflug) und Ackereinrichtungen (Einzäunungen), Wiesenberieselungen, worüber die ältesten deutschen Volksrechte (500638) und die AbgabenregisterNachrichten liefern. 74 ) Dass am Rhein röm. Gärten bestanden haben, zeigt ob. Anm.72. Auch kennen die ältesten deutsch. Volksrechte Obstgärten(pomaria) mit Aepfeln, Birnen und sonstigen (arhores domesticas) Obstsorten, z. B. Lex salica VIII. 1. 2. XXVII. 23. 24. Lex Roth. 289, 305.Lex Baj. VIII 12. XX. XXI. mit Kirschen, Gloss. Mons. Sie kennen auch Pfropfreiser, Lex sal. XXVII. 21.22. Ja es sind von den RömernFruchtbäume eingeführt, die jetzt bei uns nicht mehr zu finden sind; so wird bei Leibnitz, Script. Rcr. Bruns. I. 217, erzählt, dass sub umbraarboris sicomori, quam Theutonici Mulbom appellant, der bei Brauweiler, zwei Stunden westlich von Cöln, gestanden habe, der Gründer desdortigen Klosters (vor 1024) durch eine vision zu der Gründung bestimmt sei. Dieser Baum ist der egyptischc Feigenbaum, ficus sycomorus,der dort die Wälder bildet, eine Krone von 80 Fuss bekommt, 4050 Fuss hoch und viele Hundert Jahre alt wird. Er trägt schmackhafteFeigen in einer Doldentraube, liefert ein unverwüstliches Holz, aus dem die meisten Mumiensärge gefertigt sind. ;5 ) Durch die Römerwurde die Ziegelei eingeführt. Das Brennen des Thons war den Deutschen unbekannt, sie trockneten ihre Gefässe am Feuer. Ziegelbrcnnenkannten sie gar nicht. Die Bauten, welche die Römer in ihren rheinischen Niederlassungen vornahmen, und von denen zu Trier, Cöln, Xan-ten, Mainz, in den neueren Zeiten so schöne Uebcrreste täglich neu entdeckt werden, haben sich auch bei den Deutschen geltend gemacht; sofand Julian bei den Alemannen, als er 357 gegen sie von Mainz aus zu Felde zog, sehr ordentliche, nach römischer Art erbaute.Häuser(Am. Marc. XVII. 1.), und trotz der ruchlosen fränkischen Zerstörungen, wodurch alle römischen Bauten in Deutschland, für viele Jahr-hunderte sogar spurlos, vernichtet worden sind, haben sie ihre Einflüsse auf die späteren Kirchen- und Profanbauten geübt. 7li ) Siehe fol-gende Nummer. ") Die in der Erde aufgefundenen Alterthumsreste an Gefässen, Waffen sagen zwar wenig, an die Stelle der steinernenCelte finden wir metallene, namentlich aus Kupfer, anstatt der einfachen Gefässe verzierte; etwas mehr indess bekundet Tacitus, der vonHandelsleuten in Deutschland spricht, aber am meisten die so grossartig durchgeführten Wunderbaue romanischer und gothischer Dome,die ohne vorangegangene tiefe Studien, unterstützt durch tüchtigen Gewerbefleiss, nicht wohl gedacht werden können. 7fl ) Die alten Classikerweisen mehrmals darauf hin, dass der römische Staat bei seinen Eroberungen vornehmlich die Civilisation im Auge hatte. Dass Sprach-kenntnisse und Schreibkunst auch schnell Eingang gefunden haben, bezeugen direct die Thatsachen, dass Deutsche römische Verwaltungspostenbekleiden, dass Caesar seine schriftlichen Befehle an seine Unterfeldherren griechisch fasst, weil die Feinde Lateinisch verstanden? '<) Cerialisin seiner Anrede (Tac. hist. IV. 74.) sagt dies ausdrücklich; ausserdem bestätigen es viele Thatsachen. Armin und sein Bruder waren imrömischen Heere Befehlshaber; Sogest, Classicus, Tutor, Civilis, Labeo, Briganticus und Andere desgleichen; des Sogest Sohn Priester; späterstossen wir auf viele Feldherren; Silvanus und Magnentius wurden aus dieser Stellung sogar zu Kaisern erhoben. RCI ) Ein wesentlicherTheil wurde durch eben jene barbarischen Frankenhorden und in Folge ihrer Herrschaft zerstört.

') Der Beweis dafür liegt theils in der Construction der einzelnen Werke und den darin gefundenen Alterthümcrn, theils in denausdrücklichen Zeugnissen der Schriftsteller. Dass z. B. der Damm des Drusus, von Cleve über Millingen nach Nymwegen, also ein Kömer-werk die Düffel wasserfrei gemacht und den Fluss in ein enges Bett eingezwängt hat, beweist Tac. hist. V. 19., wo Civilis jenen Dammdurchsticht, das Wasser demnächst seinem natürlichen Laufe nach Gallien (durch den Durchstich des linken Ufers) folgt, und sich dort der-artig weithin ausbreitet, dass der seitherige Hauptfluss gleichsam abgeleitet und nur als schmale Rinne erscheint. Directes Zeugniss bei Tac,