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Gärten, Obstpflanzungen, künstliche Wiesen bestanden nicht; 30 ) wohl aber fand ach wildes Obst vor, 5 - 1auch Rettig und Zuckerrübe in besonderer Güte 52 ) und vorzügliches Futterkraut. 53 )
Nach den Getreide-Arten und den, nicht ganz deutlichen Worten des Cäsar und Tacitus scheint Dreifelder-Wirthschaft bestanden zu haben. 51 ) Weinbau war noch unbekannt, am Rhein jedoch war der Wein im Handel, denSueven dagegen, dem mächtigsten deutschen Stamme, war der Ankauf verboten. 5S )
Die Viehzucht stand noch tief. Das Rindvieh, worauf man grossen Werth legte, 56 ) war unansehnlich, 57 )die Pferde klein. 58 ) Auch Schaafe scheinen vorhanden gewesen zu sein; 50 ) sonst werden erwähnt Gänse und derenDaunen in grösster Vollkommenheit, 60 ) Hunde, welche die Wagen vertheidigen, 61 ) und ungeheure Honigscheiben, 62 )Drosseln im Winter, 63 ) hierzu vieles Wildprett und Fische. 64 ) Was sonst Deutschland noch besass: warme Quellen,Bergwerke 56 ) und dergleichen unterirdische Schätze, waren noch ganz unnutzbar; dem trägen Hörigkeitswesen 66 ) erlagdie höhere Thatkraft.
So der Zustand, als die Römer auftraten. Zur Erreichung ihres Zieles waren grosse Verbesserungennothwendig; Verbesserungen, wie sie in gewöhnlicher Weltlage ein Volk von dem anderen, trotz aller Nützlichkeit,erst im Verlaufe von Jahrtausenden gutwillig übernimmt, 67 ) Verbesserungen, gegen die sich Völker bis zu ihrerVernichtung gestemmt haben, 6S ) Verbesserungen, die mit aller Macht des Geldes und der Körperkraft in kürzesterFrist vollendet werden mussten, wenn nicht das ganze Unternehmen mit den dabei Betheiligten, wenn nicht der ganzeStaat, in Folge der sonst unüberwindlich werdenden Kraft der Gegner in Frage gestellt werden sollte. Es galt nichtallein feste und sichere Wege zu bahnen, mächtige Flüsse zu regeln und ungefährlich zu machen, sichere undausreichende Niederlassungen und Stützpunkte zu gründen, für deren Unterhalt genügende Lebensmittel und Kriegs-bedürfnisse zu ermöglichen, die Beherrschung des Meeres zu vermitteln, die climatischen Verhältnisse durch einedurchgreifende Cultur zu mildern und dabei nicht die Genüsse ausser Acht zu lassen, durch deren Befriedigungdenjenigen, die ihre Kräfte für das Unternehmen einsetzen mussten, es immer leichter wurde, die rauhen Zuständedes Landes, in welchen sie zu harren hatten, fortschreitend erträglicher zu finden, sondern auch, zur Verminderungder übergrossen Opfer, das zu überwindende Volk sich und dem Systeme geneigt zu machen, deshalb dessen Characterzu studieren und, nächst anfänglicher Strenge, durch Lehre und Beispiel für sich zu gewinnen.
Die Römer haben ihre Aufgabe gelösst. Sie haben ein grosses Strassennetz geschaffen, 69 ) 4 den Rhein, die Waal,in feste Ufer gebannt, 70 ) grossartige, für die Umstaltung des Landes und seine Zukunft maassgebende Canäle gegraben, 71 )
Kleider der Frauen, Germ. 17., welche wohl die Hörigen liefern mussten. Tac. Germ. 26. — 50 ) Germ. 26. — 51 ) Germ. 10. frugifera arbor,23. Agrestia poma. Plin. hist. nat. XY. 14. 25. 30.'spricht von Aepfeln in Belgien und Barschen am Khein.— 52 ) Plin. hist. nat. XIX. 8. 26.er meint jedoch nur das Eheinland. — 53 ) Plin. hist. nat. XYII 3. Unter Futterkräuter (pabula) verstehen die Römer: Schneckenklee (cyti-sus), -wilden Hafer (avena), Erve (ervum), Erbsen (cicer), Luzerner Klee (medica), Wicken (vicia) und Basilienkraut (oeymum), Colum. de rerust. II. 11. 1. Cato de re rust. XXIII.; jedoch möchte man einige derselben im alten Deutschland vergebens gesucht haben, z. B. Luzerne,Wicke, welche erweislich Cultur verlangen. — M ) Caes. bei. gal. IV. 1. VI. 21. Tac. Germ. 26. — »») Tac. Germ. 23. Caes. bei gal. IV. 2.
— M) Caes bei. gal. VI. 35., nach IV. 2. indessen scheint nicht Bindvieh, sondern Zugvieh (Pferde) gemeint. — 57 ) Tac. Germ. 5. Plin.XVII. 4.— 58 ) Caes, bei. gal. VII. 65. Tac. Germ. 6., man wusste sie ausdauernd zu machen und wagte damit in kleiner Zahl auf den über- ■Jegenstcn Feind loszugehen. Caes. bei. gal. IV. 2. 12. vergl.Plin. hist. nat. XL 49., wegen hermaphroditischer Pferde im Trierschen, mit denenKaiser Nero vor seinem Wagen prahlte; wilde Pferde kommen noch sehr spät vor, im Duisburger Wald noch am Ende vorigen Jahrhunderts,im Emserbruche noch vor 40 Jahreu, ebenso in der Senne, vergl. mein Urkundenb. des Geschlechts Meschede, S. 113. — 50 ) wegen des wol-lenen Kleides. — c0 ) Plin. hist. nat. X. 22. — oi) Plin. hist. nat. VIII. 40. — "2) Plin. hist. nat. XI. 14. gibt eine von 8 Fuss Durchmesseran# .— 03) plin. hist. nat. X. 24., was er ebend. 47. von Nachts leuchtenden Vögeln erzählt, dürfte sich auf die Johanniswürmchen reduciren.
— 04) Plin. 1. c. IX. 15. führt von den Fischen mehrere an, die im Rhein, Main und Donau vorkommen. Des Wildprets wird nur im All-gemeinen gedacht (Germ. 23.), denn was Caes. bei. gal. VI. 26. davon einzeln aufgezählt, hat wegen der Alcen Bedenken erregt, obgleich 'Elendthier und Auerochsen mit Unrecht bestritten werden. Hirsche und Rehe waren stets deutsches Wildpret; noch im Jahr 1790 wurdenvon ersteren 2000 Stück im Bilkerbusche bei Düsseldorf auf fürstlichen Befehl erschossen, Dass vormals auch der Riesenhirsch — cervusgiganteus — zur deutschen Jagd gehörte, beweisen die von ihm gefundenen Geweihe und Knochen in den Museen zu Poppeisdorf und Leiden,und dass auch wilde Schweine, Wölfe und Bären in den deutschen Jagden in Uehermasse selbst bis in das letzte Mittelalter gehaust haben,bezeugen die Capitularen der fränkischen Könige, der Schwabenspiegel 350, Sachsenspiegel B. 2. §. 61 und verschiedene Verleihungsurkundenund Jagd- und Forstordnungen, dass in der Drenthe auch Elendthiere gelebt haben, s. J. de Val, Jagtwesen in Drenthe in seinen Bydragen,Groningen 1842. — 65 ) Man will aus den Eisenspitzen der Frameen nicht allein Eisengruben, sondern auch Gewerbefleiss deduciren, allein1) spricht Tac. Germ. 5. dagegen; 2) sind die Frameen wohl lediglich Waffe der Rheinbewohner gewesen, weiterhin trifft man nur steinerneLanzenspitzen und Steinäxte, worüber die Werke des Acker Stratingh Aloude Staat. 3 Bde. Groningen 1847—52; Klemm, 1 c. und die Fundein den Museen zu Augsburg, Basel, Berlin, Dresden, Cöln Carlsruhe, Darmstadt etc zu vergleichen sind; 3) lässt das Vorkommen kleiner Lanzen-spitzen noch nicht auf Bergbau, selbst noch nicht einmal auf Gewerbefleiss schliessen, zumal wenn man die Rohheit des Fabrikats an dendavon erhaltenen Exemplaren berücksichtigt. Salz zu bereiten verstand man, indem man die Sohle auf glühende Kohlen goss. Plin. hist. nat.XXXI- 39. — G6 ) Tac. Germ. 25. — o,) Di e raschen Fortschritte, welche die jetzige Civilisation Europa's macht, liegen ausser allem seit-herigem welthistorischen Verlaufe. Noch im Jahre 1828 sagte mir ein H., v. Wrede im Wirthshause zu Güstrow, als ich mich über diepommerschen Landstrassen beklagte (wenn man anders 20 bis 30 nebeneinander fortlaufende, auf ein und mehrere Fuss ausgefahrene Geleise,je 10—20 Schritte von einem grossen Feldsteine oder einer versumpften Stelle unterbrochen, eine Landstrasse nennen konnte): Wir können mitViergespann darüber weg, brauchen keinen, der solches nicht mit sich führt, haben aus Frankreich nur Weine per See nöthig, brauchennichts Fremdes, und am allerwenigsten, dass fremde Intelligenz unser Land verdirbt. Und ein sehr hochstehender Regierungsbeamter ver-sicherte mir jm Jahre 1S31, dass für die Ausbauung einer Chaussee längs der Mosel, in der Weise der Chaussee längs des Rheins, selbst eingrosses Reich nicht Mittel genug besitze! (Damals galt freilich die Römerstrasse längs des Rheins ebenso wie die Grotte am Pausilipp nochfür ein Weltwunder). Wie viele Jahrtausende zählt man bis zum Ende des 16. Jahrhunderts, wo der Mensch erst mit der Gabel zu essenanfing und sich abgewöhnte, mit dem Finger in die Schüssel zu greifen! Wie lange hat man an Hexen geglaubt und die Unglücklichenverbrannt! AVio lange für Aberglauben das Schwert entblösst und Unschuldige hingeschlachtet! — ° 8 ) Der älteste Kampf ist der gegen dieIntelligenz, und die Zahl /1er Völker und Völkergenossenschaften, welche gegen sie gekämpft haben und noch kämpfen, die grösste. —80 ) Hierüber in der folgenden Nummer 7. — 70 ) Hierüber in der nächstfolgenden Nummer 6. — ") Hierüber in den folgenden Nummern 6—11.