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1,1 (1863) Geschichte der verschiedenen Geschlechter Bocholtz unter besonderer Berücksichtigung der alten Geographie, Rechts-, Sitten- und Culturgeschichte des Niederrheins
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unter Umständen treulos. 22) Es brachte seinen Göttern Menschenopfer,23) trieb Menschenhandel,»*) war arbeitescheu")und zu dauernden Anstrengungen nicht fähig, 26) we gen Trunksucht leicht verführbar, 27) sp iel 8 üchtig, jedoch nichtohne Klugheit und Gewandtheit. 28)

Die einzelnen Volksstämme und in ihnen nicht selten die einzelnen Familien standen sich argwöhnisch undmeistens feindlich gegenüber. Daher das ganze Leben Fehde und innere Zerrissenheit, kein Nationalbewusteein, keineNationalstärke,2B) keine Ordnung in den öffentlichen Geschäften. 30 )

Das hervorstehende im Character blieb: möglichst grosse Ungebundenheit, festes Band in der Familie,Einfachheit, Begeisterung für Ideen und ein mit Körperkraft gepaarter, stets neu erwachender kriegerischer Muth, derjedoch, weil es an nöthigen Kenntnissen und Geschicklichkeit fehlte, nicht zu seiner Geltung kommen konnte. 31 )Namentlich war schon die Bewaffnung durchaus mangelhaft. Die Hauptwaffe war eine Framee (Speer mit kurzer,schmaler Eisenspitze 32 ) und ein hölzerner, bemalter Schild; 33 ) hier und da fand sich ein Schwert, ein Helm und einPanzer. 34 ) Von Kriegsmaschinen, einer grossen, von Einem befehligten Schlachtordnung, 33 ) von Schwenkungen 36 )und Herstellung einer durchbrochnen Schlachtreihe verstand der deutsche Krieger wenig oder gar nichts; dagegenwar er durch eine keilförmige Aufstellung, 37 ) durch eine mit Fussvolk geschickt verbundene Reiterei, 38 ) trotzdem,dass |die Pferde nicht ansehnlich gewesen zu sein scheinen 39 ) und durch die Beherrschung des Terrains und dieAcclimatisirung den Römern gefährlich. 40 )

Zu einer höheren Cultur zu gelangen fehlte fast alles, zunächst der Wunsch und Trieb darnach,*') dannVerachtung des Handels, der Metallen, der Wohlhabenheit,* 2 ) Mangel an häuslichen und geselligen Einrichtungen* 3 )an Städten**) und überhaupt an gemeinsamem Schaffen, dagegen bestanden, in Folge des Dranges nach möglichsterUnabhängigkeit, Verfassungsformen, die eine mächtige Grundlage für Volksfreiheit in sich trugen.* 3 )

Die erste Cultur-Stufe: Ackerbau und Viehzucht, die Grundlage für dauerndes Volkswohl, war nur eben

erst betreten. Ackerland war nur wenig vorhanden und unterlag, mit Haus und Heerd, der Sorge der Weiber,

Greise und Schwächlinge; * 6 ) es wurde schlecht gebaut, * 7 ) lieferte Hafer * 8 ) Gerste, * 9 ) Flachs. 50 )

Gallier sagen, dass sie Ariouisti crudelitatem horrerent (und doch überstieg gallische Grausamkeit alles Maass. Caes. V. 56. VI. 16.) V. 45.cum cruciatu necabantur. Tac. hist. I. 59. ferox gens. IV. 61. Die Fürsten der Tencterer und Usipeter wollen Caesar nicht verlassen, weilsie bei der^Rückkehr fürchten gemartert zu werden, bei. gal. IV. 15. Civilis lässt gefangene Römer seinem Sohne vorführen, um sich daranim Pfeilschiessen zu üben, hist, IV. 61. «) Caes. bei. gal. I. 46. V. 36. 37. Tac. hist. IV. 60. oben S. 220. Dagegen Ann. XIII. 54. unddie Treue, womit deutsche Leibwachen sogar schändlichen Kaisern, wie Caligula, dienten. 23 ) Tac. Germ. 9. Caes. bei. gal. VI. 16. legtsie nur den Galliern bei. M ) Germ. 24. Ann. II. 24. Agricola 28. Selbst noch Gregor von Tours berichtet von seiner Zeit, dass bei denFranken die Sklaven zum Verkauf auf dem Markte öffentlich ausgestellt wurden. II. 15., und Papst Gregor II. muss noch ernstlich verbieten,dass die neubekehrten deutschen Christen ihre Sklaven nicht ferner den deutschen Heiden zum Menschenopfer verkaufen dürfen. Baluz. I.

10g. 3. __ 25) Germ. 4. 15. 17. Da es schändlich sei, mit Arbeit zu gewinnen, was man rauben könne: pigrum quinimo et iners videtur

sudore acquirere, quod possis sanguine parare. 26 ) Ebend. Dio. XXXVIII. 49. »5) Germ. 23. Je ) Tac. germ. 38. legt beide Eigen-schaften ausnahmsweise den Catten bei. Multum (ut inter germanos) rationis et solertiae. 2tt ) Die Belege hierfür liegen in der ganzen Ge-schichte: Segest gegen Arnim, Labeo und Briganticus gegen Civilis, die domestica seditio, welche die Catten nach der batavischen Inselbrachte (Germ. 29.), die von ihren Nachbaren hingeschlachteten 60,000 Bructerer (Ebend. 33.) und hundert andere Thatsachen (vergl. Caes.bell. gal. VI. 11. Vel. Pat. II. 118.) führen Beweis. Und selbst noch auf uns ruht ein Theil des Fluchs des Tacitus (Germ. 33.): das Odiumsui der Hass der Stämme unter einander. Maneat quaeso, duretque gentibus si non amor nostri, at certe odium sui: quando vrgentibusimperii satis nihil iam praestare fortuna maius potest, quam hostium discordiam. 30 ) Germ.: Bei den Zusammenkünften in öffentlichen An-gelegenheiten kommt Jeder, wie es ihm gefällt, sp dass häufig der zweite und dritte Tag verloren geht. 3I ) Siehe oben Anmerkung 2.32) Tac. Germ. 6. 13. Ann. I. 64. II. 14. 21. Seneca ep. 36. 33) Ebend. hist. IV. 22. Ann. II. 14. Caes. bei. gal. II. 33. 34) Germ. 6.Dio sagt von den Soldaten des Ariovist, dass sie keine Helme gehabt hätten. XXXVIII. 50. vergl. Tac.Ann.I. 64. II. 14. 21. Da6s im Uebrigendie deutschen Krieger nicht, wie das Volk, ganz unbekleidet gewesen, dürfte aus den Abbildungen auf der Trajans-Säule, Tac. Germ. 6., undaus Pum. Mela III. 3. hervorgehen. 35 ) Tac. hist. IV. 76. Germ. 7, Duces exemplo potius quam imperio. Siehe jedoch ebend. 30.36) Germ. 6. vergl. mit 30. hist. IV. 23. Caes. bei. Gal. I. 51, 3!) Qaes. bei. gal. II. 33. Tac. hist. TV. 16. 20. V. 16. 38) Caes. bei.gal. I. 48. VII. 65. Vergleiche Tac. Germ. 30. 3 «) Caes. bei. gal. IV. 2. VII. 65. Tac. Germ. 6. Dagegen Vegetius de mulomedicina IH. 16.

lg. __ 40) Tac. Germ. 4. Ann. II. 63. 64. hist. V. 14. 15. und an vielen andern Stellen. 41 ) Caes. bei. gal. VI. 21. Tac. Germ. 15. 19.

litterarum secreta viri pariter ac feminae ignorant. 42 ) Caes. bei. gal. IV. 2., nur irdene Geschirre (Germ. 5.), Verachtung des Handels. Caes.IV. 2. Daher auch Hass gegen die Ubier, weil sie Handel trieben. 43 ) Als Wohnungen gab es nur Hütton aus unbehauenen Baumstämmen,ohne Mauerstein und Ziegel, Germ. 16., mit Rohr oder Stroh gedeckt, Seneca de prov. 4. Plin. hist. nat. XVI. 36., also Gebäude, wie mansie noch in Böhmen, Polen und Russland findet. Auch wurden Löcher in die Erde gegraben und oben zugedeckt, im Winter mit Mist. Siedienten gegen die Verheerungen der Feinde, indem man sich selbst, das Vieh und die Habe darin verbarg, im Winter auch gegen die Kälteund zur Besorgung der Weberei durch die Weiber, Plin. hist. XDC. 2. in Germania autem defossi atque sub terra id opus agunt. Es be-standen also Verhältnisse, wie man sie noch gegenwärtig in Island findet, auch so, dass, wie dort, keine gemeinsame Zeiten waren, sondernjeder z. B. zu den Ess- und Trinkvorräthen langte, wenn ihn hungerte und dürstete. Caes. bei. gal. VI. 34. Manche deutsche Völkerschaftenwaren vagabundirend, stets obdachlos. Germ. 31. Ariovist sagt selbst, dass er mit seinen Kriegern und deren Familien seit 14 Jahren nichtunter Dach gewesen sei. Caes. bei. gal. I. 36. Einige westlich wohnende Deutsche machten von allen diesen eine Ausnahme, sie besasseneigentliche Häuser, z.B. die Menapier, bei denen von aedifieiis die Rede ist (siehe oben S. 191.197.), und die Belgier, bei denen nach PliniusXXXVI. 22. Steine mit der Säge verarbeitet wurden. 44 ) Die Deutschen hatten keine Städte, Germ. 16., nicht einmal unter sich verbun-dene Wohnungen. Ebend. Caes. bei. gal. VI. 23. Nicht entgegen ist Caes. bei. gal. IV. 19. VI. 10. 23. Tac. Ann. I. 36. n. 56. XII. 27.29. V. 19., denn Oppida und Castella sind nur Zufluchtstätten im Falle eines Krieges oder feindlichen Ueberfalles. Das Oppidum ubioruniüberdies ist auf eine römische Befestigung zu beziehen, und ebenso die missverstandene Stelle V. 19. auf die römische Befestigung zu Vetera(siehe oben S. 224 u. unten Ortschaftsv.) und was sonst noch von Hauptorten, z. B. bei Tacitus, von Mattium als Hauptort der Catten vorkommt, 60 sinddarunter Sammelplätze zu verstehen, die, wie sich später zeigen wird, mit Gräben befestigt aber ohne Gebäude waren. Und was Ptolomaeus vondeutschen Städten sagt, dürfte sich nur auf diese Sammelplätze und die römischen Niederlassungen beschränken. 45 ) z. B. die Volksver-sammlungen mit gesetzgebender und richterlicher Gewalt, woraus sich die späteren volksvertretenden Körper der deutschen Nationen (dieCortes der Spanier, die Parlamente von Frankreich und England, der schwedische Strothing, die Landstände und die Geschwornengerichte)als Ueberbleibsel entwickelt haben. 46 ) Tac. Germ. 15. 4 ') Germ. 26. Im Triersohen wurde der Boden im Monat März neu gehacktund besäet. Plin. hist. nat. XVIII. 20. Die Ubier mergelten das Land, indem sie die Erde drei Fuss unter der Oberfläche hervorholten undeinen Fuss tief obenauf legten, was für 10 Jahre wirksam war. Plin. XVII. 8. vergl. XVII. 4. 49. 49 ) Plin. hist. nat. XVIII. 17. manbereitete daraus Brei als Kost. 49 ) Tac. Germ. 23. Man braute Bier daraus. Ebend, vergl. Plin. hist. nat, XXII. 24. »o) Für die leineneu