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Boden (wohl nahe den salischen Franken) angesiedelt hatten; doch mussten sie das eingenommene Land verlassen. 1; >)Auf diesem Feldzuge stellte Julian drei, in gerader Richtung an den Ufern der Maas gelegene, von den Feinden zer-störte Castelle wieder her. 16 ) (Feresne, Catualium, Blariacum ?)
Im Jahr 359 setzte Julian seine ganze Kraft daran, die am Niederrhein zerstörten Städte und deren Be-festigungen, sowie die niedergebrannten Kornspeicher für das Korn aus Britannien wieder herzustellen. Die Legions-soldaten mussten angestrengt arbeiten; auch wurden die Hülfstruppen für diese Arbeit, die sie sonst, den Verträgengemäss, nicht zu-leisten brauchten, durch die Liebe zu ihrem Feldherrn gewonnen und die besiegten Allemannenmussten dazu, den vorigjährigen Unterwerfungsverträgen gemäss, Hand- und Spanndienste leisten. So wurden imLaufe des Frühjahrs die Magazingebäude unter Dach gebracht und mit Vorräthen versehen, und dabei sieben Städteneu aufgebaut: Castra Herculis (Dorenburg), Quadriburgum (Gualburg), Tricesimae (Birten), Novesium (Neuss), Bonna(Bonn), Antunnaeum (Andernach) und Bingium (Bingen). Dann folgte ein glücklicher Feldzug gegen die Allemannen,wobei Julian bei Mainz über den Rhein ging, nicht über die dort stehende steinerne Brücke, sondern über eine Pfahl-, brücke, die er weiter unterwärts zur Ueberraschung des Feindes schlagen liess. ,T )
Im Jahre 360 überschritt Julian noch einmal den Rhein, dieses Mal von Tricesimae (Birten) aus. SeinHeer kam von Paris her und durchschritt also unsere Lobericher Gegend. Der Feldzug galt den Attuarischen Franken,einer unruhigen Völkerschaft, welche gewohnt waren, nach Gallien Streifzüge zu unternehmen. Sie wohnten in ge-birgiger Gegend mit beschwerlichen Zugängen 18 ) und glaubten sich deshalb um so mehr sicher, als sich Keiner erin-' nern konnte, dass ein Feind zu ihnen vorgedrungen sei. Der Feldzug war nur kurz; die meisten Attuarier wurden. gefangen oder niedergemacht, den übrigen schwere Friedensbedingungen vorgeschrieben. 10 )
Während der beiden übrigen Regierungsjahre des Kaiser Julian, f 363, der achtmonatlichen Regierung desKaiser Jovian, f 364, und der vier ersten Jahre Valentinians war am Niederrhein Ruhe. Die Völker dort, namentlichdie Tungeren und die Bataver folgten noch den Waffen des Letztoren in der Schlacht gegen die Allemannen beiChalons 366, 20 ) und von dem Jahre 369 berichtet Ammianus Marcellinus, 21 ) dass Valentinian die Ufer des Rheins vonRhätien (Graubünden) bis zum Ocean durch Dämme gesichert, und nicht allein auf der gallischen Seite (linkes Ufer)mit Castellen, Schanzen und Thürmen an passenden Orten in geringer Entfernung von einander versehen, sondernauch auf dem rechten Ufer, ganz nahe der feindlichen Grenze durch Werke gedeckt habe. Trotz all dieser Vor-kehrungen erschienen 370 in unserer Gegend plötzlich neue Feinde des römischen Staates: eine Bande räuberischerSachsen kam zu Schiffe nach Gallien und durchzog mordend das Land. Sie wurden indess alle niedergehauen. 22 )Es war am Unterrhein die letzte entschiedene Zurückweisung der Barbaren, die von jetzt an immer massenhafter undenergischer eindrangen. Die Befriedigung ihrer Eroberungsgelüste wurde ihnen leicht gemacht. Rom bekundete seineerste Schwäche, dass es Völkern, die auf sein Gebiet eindrangen, Wohnsitze einräumte, so den Gothen in Thracien,den Hunnen auf dem linken Rheinufer. 23 ) Schlimmer war es, dass Kaiser und Gegenkaiser ihre Macht nicht mehr aufihre eigenen Unterthanen, sondern auf fremde Hülfe stützten. Procop, Gegenkaiser gegen Valens, rief die Gothen zu Hülfe ;Gratian erregte durch seine deutsche, namentlich fränkische Umgebung sogar den Unwillen seiner Soldaten und ver-anlasste seine Ermordung; Maximus errang durch Sachsen und Friesen den Purpur. Als aber unter Honorius undArcadius die Kaiser nicht einmal über die Hofcabalen hinaus konnten, als ein Minister nach dem andern das Reichan seine Feinde verrieth, indem er zur Durchsetzung seiner ehrgeizigen Pläne deren Macht sich erkaufte, da konntees eben diesen Feinden nicht mehr zweifelhaft bleiben, dass es'ihrerseits nur des Wollens und Zugreifens bedürfe, umin geeigneten Grenzen ihre Herrschaft an die Stelle der römischen zu stellen. Und das geschah für unsere Gegendam Unterrhein durch die Franken. Ehe ich zu dieser Epoche übergehe, ist es billig, einen Blick auf die Fortschrittezu werfen, die unsere Gegend den Römern dankt.
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5. Polgen der Römerherrschaft für das Aufblühen Deutschlands.
Um den Einfluss zu würdigen, den die Römerherrschaft auf unser Vaterland geübt hat, ist vorab, ohneVorurtheil, gerecht in Lob und Tadel, das Auge auf die Beschaffenheit des Landes zu richten und auf die Bildungs-Stufe seiner Bewohner, zur Zeit als die Römer einschritten. Es wird uns dabei zunächst das Bild erheben, welches
15 ) Am. Marc. XVH. 8. 9. Rührend ist, was Eunapius bei dieser Gelegenheit erzählt: Julian verlangte für die Erfüllung desFriedens Geisscln und unter andern den Sohn des Königs der Chamaven. Dieser brach in lauten Jammer aus und sprach: Mein Sohn istdurch dich gefallen; jetzt, wo du ihn verlangst, fühle ich, welch unglücklicher König und Vater ich bin. Julian, durch die Ihränen desalten Mannes gerührt, Hess den gefangenen Jüngling herbeibringen und sagte: Hier, was dir fehlt! was der Krieg vernichten konnte, habeich erhalten; als Gefangenen gebe ich ihn frei, doch soll er als Geissei bei mir bleiben und nichts soll ihm fehlen. — '») Ebend. !). —") Amm. Marc. XVIII. 2. — 18 ) im Ober-Bergischen. — ") Am. Marc. XX. 10. — 2 °) Am. Marc. XXVII. 1. Die Divitenses, welche eben dagenannt sind, werden bald auf Deutz bei Cöln, bald auf Diest in Brabant bezogen. — 21 ) Ebend. XXVIII. 2. — ") Ebend. 5. SulpitiusSeverus bist, sacra erzählt zwar (vergl. Eusebii Chron. L. 2.), dass auch Franken 370 in Gallien eingebrochen, bei Neuss besiegt, zurückge-worfen und auf das rechte Ufer verfolgt, dort so siegreich gewesen seien, dass das ganze römische Heer den Untergang gefunden habe; jaMezerai hist. vergleicht diese Niederlage mit der des Varus, allein die ganze Erzählung scheint Fabel. Am. Marc, hat davon nichts. —
23 ) Auf dem Hundsrücken.
56Fulme, Bocholt I.