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1,1 (1863) Geschichte der verschiedenen Geschlechter Bocholtz unter besonderer Berücksichtigung der alten Geographie, Rechts-, Sitten- und Culturgeschichte des Niederrheins
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Unter Gordian und Gallienus (238 268) verheerende Züge der Franken 3 ) durch Gallien (255).*)Gallienus, von seinem Feldherrn Posthumius untertützt, schlägt sie zurück. 5 ) Unter dem Kaiser Probus (276282)wiederholen sich die Scenen. Die Deutschen sind über den Rhein gedrungen und haben 76 grosse Städte verheert;er verjagt sie 277. 6 ) Unter Maxminian (286310) neue Greuel. Das ganze nördliche Gallien wird durch Frankenund Sachsen ausgeplündert und verheert, die batavische Insel von ihnen unterjocht. Dann Sechs-Kaiser-Herrschaftund ein wildes Hin- und Herwogen der feindlichen Deutschen über den Rhein zu Raub und Todtschlag.

Constantin (324 334) nimmt zwei Anführer der Franken gefangen und wirft sie im Circus zu Trier wildenThieren vor'), führt sein Heer über den Rhein zu den Bructerern, verwüstet deren Land und bringt neue Gefangenenals Opfer für die wilden Thiere mit. Um aber sich einen leichten und dauernden Zugang zu den Feinden zu erhalten,baute er eine stehende, steinerne Brücke über den Rhein zwischen Cöln und Deutz. Wichtiger als dieses ist seine neueReichseintbeilung und Organisation geworden, in 4 Präfecturen: Orient mit öDiöcesen und 48 Provinzen, Elyrien mit2 Diöcesen Dnd 11 Provinzen, Italien mit 4 Diöcesen und 28 Provinzen und Gallien, worunter auch Spanien undund England gehörte, mit 3 Diöcesen und 29 Provinzen. Zu Gallien gehörte die Diöcese Gallien, unter der namentlichdie beiden Belgien und die beiden Germanien als 4 verschiedene Provinzen aufgezählt sind.*)

Nach Constantin des Grossen Tode neue Greueln. Sein Sohn Constantin (f 340), der zu Trier Hof hielt,erlag seinem Bruder Constanz, dieser (f 350) seinem Befehlshaber der Leibwache, Magnentius, der ein Deutscher war,und Magnentius (f 353) dem Constantius.

Erst durch die Erhebung Julians zum Caesar (355) gewinnt das Reich wieder Halt und Vieles blieb ihmzu thun. Die Franken und Allemannen. hatten mehrmals unter seinen Vorgängern verheerend den Rhein überschritten,45 gallische Städte erobert und geschleift; ihnen sollte die erste Zurechtweisung werden. Während er sich gegen sie,Ende 355, von Mailand aus mit nur 360 Begleitern in Bewegung setzte, wurde ihm noch die trostlose Nachricht,dass das mächtige Cöln von den Franken erobert und vollständig zerstört sei. Sechs Monate nahm Julian zu Vienneam Rhonenussc seine Vorkehrungen, dann erschien er 356 am Rheine. Dort, am Oberrheine, haussten die Allemannen;sie hatten Brumat, Strassburg, Zabern und Mainz erobert. 8 ) ' Am Unterrheine hatten die Franken gewüthet; von allenStädten und Befestigungen stand nur noch ein Castell bei Coblenz und ein Thurm (die alte Burg) bei Cöln. 9 ) Erschlug die Allemannen, eilte dann nach Cöln, nöthigte die Franken zu einem Frieden, baute Cöln's Festungswerkewieder auf und zog durch das Land der Trierer nach Sens in das Winterquartier. Die Allemannen waren so kühn,ihm dorthin zu folgen und 30 Tage, wiewohl vergebens, zu belagern. Dafür nahm er an ihnen im Frühjahre 357Rache. Er schlug sie in einer blutigen Schlacht bei Strassburg, 10 ) drang von Mainz aus mittelst einer Brücke, die ererbauen Hess, schrecken-erregend in ihr Land ein und stellte dort das, von Trajan angelegte, aber zerstörte Castellwieder her. 11 ) Als er dann über Cöln, Jülich nach Rheims in die Winterquartiere zog, stiess sein General Sever mitder Reiterei auf 600 Mann Franken, welche, von unserer Gegend her in das Reich eingebrochen, an der Maas mitPlünderung der schutzentblössten Städte beschäftigt waren und, um sich gegen die Truppen Julians zu schützen, fallsdiese des Weges heimkehren möchten, in zwei von den Römern verlassenen Castellen dicht an der Maas festgesetzthatten. 12 ) Dieses frevelhafte Unternehmen reizte den Zorn des Feldherrn; wenngleich der Winter schon eingetretenwar, Hess er doch die Castelle durch eine Abtheilung seiner Truppen belagern. Die Sache verzog sich 54 Tage bisin den Monat Januar hinein, wobei ungewöhnliche Wachsamkeit und Anstrengungen angewendet werden mussten.Namentlich damit die Belagerten in dunkler Nacht nicht über das Eis des Flusses entfliehen konnten, mussten vonAbend bis Morgen Wachtschiffe ajif- und abfahren und die Eisdecke zerschlagen. Das half; die Feinde ergaben sichund wurden unter die römischen Truppen gesteckt. Ein Hülfscorps Franken, welches aus der Heimath zu ihremErsätze herangerückt war, kam zu spät. 13 )

Im Jahre 358 vertrieb Julian die salischen Franken aus der Toxandria, 11 ) wo sie sich auf römischemGebiete niedergelassen hatten. Sie schickten ihm eine Gesandtschaft entgegen, die ihn in Tongern traf. Er that, alswolle er sich mit den Eindringlingen auf gütlichem Wege verständigen, schrieb Bedingungen vor und schickte dieGesandten damit zurück, unter der Erklärung, die Antwort in Tongern erwarten zu wollen. In der That folgte erihnen auf dem Fusse nach und überfiel die Feinde, ehe sie es ahnten. Die Folge war unbedingte Unterwerfung; siebehielten aber ihre Sitze in Toxandria. Aehnlich ging, es den Chamaven, die sich ebenfalls mit Gewalt auf römischem

3 ) Sie treten hier zum ersten Male auf und sind nicht als ein Volk, sondern als ein Ausfluss der Gefolgeschaften (Comitate) imSinne von Tacitus Germania XIII., zu betrachten, eine Art Freibeuterei, die in ihren zerstörenden Polgen der Cultur und dem Wissen uner-setzlichen Schaden zugefügt hat, und seine Wurzel in den Familien- und Erbesverhältnissen hatte, -welche die jüngeren Söhne auf Glück undZufall anwiesen, noch jetzt gefährliche Feinde mancher deutschen Staaten. Vergleiche Moser, Osnab. Geschichte I., 62,63; Jul. Cäsar, bei. gal.VI., 23; Mone, zur Geschichte der deutschen Heldensage, 1S36, 8°. S. 190; Meiners Grundriss der Geschichte der Menschheit, S. 146; Klemm,Handb. d. Alterthums, S. 232. Die Franken also, welche in der Geschichte von jetzt an vor und nach auftreten, müssen als Abenteuerer ausden verschiedensten Volksstämmen angesehen werden, wie sie uns die Analogie noch später in den Kreuzzügen, den Eroberungeu von Preussen,Curland und 1-iiefland u. s. w. liefert. Erst im 5. Jahrhundert kann man von oiner Völkerschaft sprechen, dieFranken" hiess, gebildet aus" denverschiedenen Stämmen, aus denen jene Gefolgeschaften ihre ersten Anläufe genommen haben: Sigambrer, Tencterer, Usipeter, Bructerer, diedadurch in ein Volk zusammengeschmolzen wurden. 4 ) Zosimus I., 29, seq. Eutropius. 6 ) Zosimus I., 30; Trebel. Pollio in 30 Tyrannis 3.") Vopiscus Prob. 13. ') Eutrop. X. 2; Eumen. Paneg. VI. 12. *) Vergl. Manso, Leben Constantins, 8°. S. 261 sq. <») Amm. Marc.XVI.2. °)Ebend.3. ">) Ebend.4. ") Am.Marc. XVII. 1. ") wohlFeresne u.Atuatuca. < 3 ) Am.Marc. XVII. 2. ") siehe obenS. 194.