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1,1 (1863) Geschichte der verschiedenen Geschlechter Bocholtz unter besonderer Berücksichtigung der alten Geographie, Rechts-, Sitten- und Culturgeschichte des Niederrheins
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sie sich, nachdem sie kaum versucht hatten, leichte Wurfgeschosse zu schleudern. Civilis zog sich, ohne weiter etwaswagen, üher den Rhein zurück. Cerialis, der die Insel der Bataver nach Feindeshrauch verheerte, Hess die Aecker undLandhäuser des Civilis ein bekannter Feldherrnkunstgriff unberührt. So war die Kriegsfiihrung, bis, da unterdessender Herbst sich neigte und die Regengüsse im Winter häufig werden, der Strom austrat und die sumpfige, niedrige Inselüberschwemmte und zum See machte. Weder die Flotte noch Zufuhr war zur Stelle, und das Lager, in der Ebene angelegtward durch die Gewalt des Stromes fortgerissen.

Civilis hat uns später vorgehalten: dass damals die Legionen hätten vernichtet werden können, dass auch dieGermanen es verlangt hätten, doch von ihm durch List davon abgebracht wären. Und das ist nicht ganz unwahrscheinlich,da ja wenige Tage später die Uebergabe erfolgte. Denn Cerialis mahnte, während er durch geheime Boten den BatavernFrieden, dem Civilis Verzeihung verhiess, Veleda und ihre Verwandten: das Kriegsglück, das in so vielen Niederlaen sichvon ihnen abgewandt hätte, gegen ein, zur rechten Zeit um das römische Volk erworbenes Verdienst auszugleichen. DieTrevirer seien niedergehauen, die Ubier wiedergewonnen, den Batavern sei ihr Vaterland entrissen, und nichts hätte dieFreundschaft mit Civilis eingetragen, als Wunden, Flucht und Gram. Verbannt und vertrieben sei er eine Last für diewelche ihn aulnähmen; und genug hätten sie gefehlt, dass sie so oft über den Rhein gegangen wären. Wenn sie nochauf weitere Unternehmungen sonnen, würden auf ihrer Seite Unrecht und Schuld, auf unserer die Rache und die Göttersein. Auch Versprechungen wurden den Drohungen beigemischt. Als so die Treue der Ueberrheinischen erschüttert war>tauchten auch unter den Batavern allerhand Reden auf. Nicht müsse man den Sturz noch weiter aufschieben, es könnenicht eine Völkerschaft das Sclavenjoch der ganzen Welt zerbrechen. Was habe die Ermordung und Verbrennung ganzerLegionen für andere Folge gehabt, als dass neue und kräftigere herangezogen wurden? Wenn man zu Vespasianus Bestem denKrieg geführt hätte, so sei Vespasianus Herrscher; wenn man das römische Volk zum Kampfe heraus fordere der wievielte Theil des Menschengeschlechtes wären die Bataver? Hinblicken möchte man auf die Lasten der Raeter und Noricerund der übrigen Bundesgenossen ; von den Batavern würden nicht Abgaben, sondern Tapferkeit und Männer gefordert, das grenzenahe an Freiheit; und, wenn es gelte einen Herrn zu wählen, sei es ehrenhafter, Fürsten der Römer, als Weiber derGermanen zu ertragen. So die Menge. Die Vornehmen sprachen drohender: durch Civilis Wuth seien sie zu den Waffengedrängt; er habe Abwehr gegen häusliche Noth zum Verderben seines Stammes gesucht. Damals hätten die Götter denBatavern gegrollt, als die Legionen belagert, die Legaten getödtet wurden, und der Krieg zur Abwehr der Noth einesEinzigen, aber zum Verderben aller begonnen sei. Nichts sei mehr zu hoffen, wenn sie nicht anfingen, sich wieder zubesinnen und durch des schuldigen Hauptes Bestrafung das Bekenntniss der Reue ablegten.

Nicht entging dem Civilis diese Wendung; er beschloss ihr zuvor zu kommen, überdrüssig der Leiden undmehr noch in der Hoffnung sein Leben zu retten, die selbst auch den hohen Muth beugt. Nachdem er- ein Gespräch erbeten,wird die Brücke über den Fluss Nabalia in der Mitte abgebrochen; an die Vorsprünge treten die Feldherren und Civilisbeginnt also: «Wenn ich mich vor einem Legaten des Vitellius vertheidigte, so dürften meine Thaten keine Verzeihung,meine Worte keinen Glauben finden. Alles unter uns war Zwietracht und Feindschaft: von ihm war sie begonnen, vonmir gem.ehrt. Für Vespasianus hege ich von Alters her Achtung, und als er Privatmann war, hiessen wir Freunde. Dieswar Primus Antonius bekannt, der mich schriftlich zum Kriege aufrief, damit nicht die germanischen Legionen und jungeMannschaft aus Gallien die Alpen überschritten. Von Antonius schriftlich, von Hordeonius Flaccus mündlich aufgefordert,habe ich den Krieg in Germanien geweckt, wie Mucianus in Syrien, Aponius in Mösien, Flavianus in Pannonien."

Hier endigen die Geschichtsquellen, man weiss nur, dass der Krieg aufhörte und Vespasian allenthalben

anerkannt wurde. ')

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4. Titus, Domitian, Trajan, Adrian, Gordian, Constantin, Julian, Valentinian.

Unter Titus, der 76 nach Christus die Herrschaft antrat und einst Tribun der deutschen Legionen gewesenwar, verhielt sich Deutschland ruhig. Domitian, der kindische Kaiser, feierte zwar einen Triumphzug über dieGermanen (83 n. Chr.), ohne jedoch etwas gethan zu haben. Antonius, seinen Feldherrn über die Legionen in Deutschland,der sich gegen ihn erhob, besiegte Lucius Maximus (88. n. Chr.), vom Glücke begünstigt, weil die Deutschen durchdas aufbrechende Eis im Rheinstrome von der zugesagten Hülfe abgehalten wurden. Mehr als durch diesen Sieg hatsich Maximus dadurch einen Namen in der Weltgeschichte gemacht, dass er die Briefe, welche er bei dem überwundenenAntonius fand, verbrannte und so, um die Verfolgung Anderer zu beseitigen, sein eigenes Leben auf das Spiel setzte. 1 )Zur selbigen Zeit (83 n. Chr.) umschifften Usipeter die Insel Brittanien. 2 )

Im Jahre 92 kam Trajan, als Oberbefehlshaber durch Domitian gesandt, nach Cöln; er stellte durch Zuchtund Ordnung den Gehorsam am Rheine wieder her. Von ihm, der durch Nerva zum Mitkaiser angenommen wurde,werden wohl Xanten (Colonia trajana), Transdorf (unterhalb Bonn) und die Legio trajana zu Coblenz herrühren.

Aelius Adrianus kam aus Reiselust nach Germanien, von seinem Legaten in Belgien, Serenius Granianus,dürfte Aachen (Aquae graniae) seinen Namen tragen.

Unter Marc Aurel, Caracalla, Alexander, Maximin (161238 n. Chr.) war der Oberrhein Schauplatz vonernsten und lächerlichen Ereignissen, der Unterrhein ruhig.

') So selir dieser Kaiser sonst' hervorragt, so sehr wird sein Character durch die Grausamkeit gegen die oben erwähnte Epponinabefleckt. Sie, die bewunderungswürdige Gattin, von der uns Plutarch in seinem Gespräche über die Liebe rührend erzählt, wurde von ihmdem Beile überliefert, weil er ihre Gattenliebe hochverrätherisch fand. Dio. Li Vi, IG; Plutarch 25.

i) Dio. LVII, 11; Sueton, Domitian 6. 2) Tacitus, Agricola 28.

55Fahnp, Bocholtz I.