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wenn er Keilerei den Hanil des Sumpfes entlang schicke; dort sei fester Boden und die Gugerner , denen die Bewachungzugefallen, seien nicht sonderlich achtsam. Zwei Alen, die mit dem Ueberläufer abgeschickt wurden, umzingeln denüberraschten Feind. Als man dies am Geschrei merkte, drangen die Legionen von vornherein: die Germanen wurden geworfenund eilten fliehend dem Rheine zu. Der Tag hätte den Krieg beendet, wenn die römische Flotte eilig eingeschritten wäre.Selbst die Reiterei setzte ihnen nicht nach, da plötzlich Regen sich ergoss und die Nacht herankam.
Am folgenden Tage ward die vierzehnte Legion in die obere Provinz zu Gallus Annius geschickt; Cerialis'ergänzte sein Heer mit der zehnten Legion aus Hispanien. Zu Civilis stiess Hülfsmacht von den Chauken. Dennoch wagteer nicht die Stadt (Xanten) mit den Waffen seiner Bataver zu vertheidigen; nachdem er, was tragbar war, fortgeschleppt,,und das Uebiige in Brand gesteckt halle, zog er sich auf die Insel zurück: wohl wissend, dass es an Schiffen fehlte, um eineBrücke zu schlagen und das römische Heer anders nicht übersetzen würde. Ja, er zerstörte sogar den Damm, den DrususGcrmanicus') angelegt hatte, und liess den Rhein, der seinem natürlichen Zuge nach auf Gallien hereinbrach, weithin sichergicssen, indem er vernichtete, was ihn aufhielt. Als so der Fluss gleichsam abgeleitet war, liess die schmale Rinnezwischen der Insel und den Germanen das Ganze wie festes Land erscheinen. Es zogen über den Rhein auch Tutor undClassicus und hundert und dreizehn Rathshcrren der Trevirer; unter ihnen war Alpinius Montanus, der, wie wir obenerwähnt haben, von Primus Antonius nach Gallien geschickt war. Es begleitete ihn sein Bruder Decimus Alpinius. Zugleichwerben die Ucbiigen durch Mitleid und Geschenke um Hülfe unter den gefahrliebenden Stämmen. Und so bedeutend war"die Macht, welche der Krieg übrig gelassen hatte, dass Civilis die Standquartiere der Cohorten, Alen und Legionen an einemTage in vier Abtheilungen angreifen konnte: die zehnte Legion in Arenacum, die zweite in Batavodwum, ausserdem Grinnes'und Vada, Lager der Cohorten und Alen. Sein Heer war so eingetheilt, dass er selbst und Verax, sein Schwestersohn,wie auch Classicus und Tutor, jeder seine eigene Schaar führte. Und, hofften sie auch nicht alles wirklich durchzusetzen,so dachten sie doch, wenn sie vieles wagten, in einigen Stücken das Glück zur Seite zu haben; auch könne wohl Cerialisder sich nicht sonderlich vorsähe und auf die vielen Botschaften hin und hereilte, auf dem Wege aufgehoben werden. Die,welchen der Angriff auf das Lager der zehnten Legion zugewiesen war, überfielen, in der Meinung die Belagerung einerLegion sei eine schwierige Sache, die Soldaten, als sie ausgerückt und mit Bauholzfällen beschäftigt waren. Der Lagerpräfect,fünf der ersten Ccnlnrionen und wenige Soldaten wurden getödtet, die Uebrigen brachten sich hinter den Schanzen inSicherheit.. Unterdessen trachtete eine Schaar Germauen bei Batavodurum die angefangene Brücke zu zerstören. Denunentschiedenen Kampf brach die Nacht ab.
Mehr Gefahr gab es bei Grinnes und Vada. Vada belagerte Civilis, Grinnes Classicus. Und schon konnte mansie nicht mehr aufhalten, da die Tapfersten alle getödtet waren: unter ihnen war Briganticus, Präfecl einer Ala, treu, wiewir gesagt haben, den Römern ergeben und mit Civilis, seinem Oheime, verfeindet. Doch, als Cerialis mit ausgewählterReitermannschafl zu Hülfe kam, wendet sich das Glück, und in wilder Flucht werden die Germanen in den Fluss gedrängt.Civilis wird, während er die Fliehenden zurück zu halten sucht, erkannt und mit Geschossen verfolgt; er liess sein Rossin Stich und schwamm hinüber. Ebenso entkam Verax. Tutor und Classicus nahmen dort angelaufene Kähne auf. Auchda war die römische Flotte nicht bei der Schlacht, wie befohlen war, Furcht hielt sie auf und der Umstand, dass dieRuderer zu andern Soldatendienslen befehligt, nicht beisammen waren. Allerdings gab Cerialis auch zu wenig Zeit, seineBefehle auszuführen, in seinen- Entschlüssen durch den Augenhlick bestimmt, doch durch den Erfolg gross. Das Glück bliebihm zui - Seite, wenn er es auch mal an Maasrcgeln hatte fehlen lassen. Daher war er selbst, wie sein Heer, nicht sehrauf Mantiszucht bedacht. Und wenige Tage darnach, obwohl er der Gefahr gefangen zu werden' entging, hütete er sichnicht vor einem schimpflichen Vorwurfe. Er war nach Neuss und Bonn gereist, um die Lager zu besichtigen, welche manfür die Legionen, die dort überwintern sollten, aufschlug und kehrte zu Schiff zurück. Der Zug war zerstreut, unachtsamdie Wache. Dies bemerkten die Germanen und sannen auf List. Sie wählten eine Nacht, finster durch dunkles Gewölkund gelangten, indem sie sich von der Strömung den Fluss abwärts tragen Hessen, ohne dass ihnen Jemand wehrte, in dieVerschanzungen hinein. Das erste Gemetzel gelang ihnen durch List, indem sie die Zeltstricke abschnitten und die Soldaten,von ihren eignen Zellen überdeckt, hinmordeten. Ein anderer Zug bringt die Flotte in Unordnung, entert vermittelsthinübergeschleuderter Ketten, zieht die Schifle fort. Und wie sie, als es Heimlichkeit galt, geschwiegen hatten, so erfülltensie, als das Gemetzel begonnen war, um desto grössern Schreck zu verbreiten, alles mit wildem Geschrei. Die Römer,erst durch ihre Wunden aufgeweckt, suchen die Waffen, stürzen hinaus auf die Strassen; wenige im Kriegsschmuck, diemeisten das Gewand um den Ann gewunden und mit gezuckten Dolchen. Der Feldherr, halb im Schlafe und fast ohneBedeckung, wird durch einen Irrlhum der Feinde gerettet, denn das prätorische Schiff, durch eine Flagge ausgezeichnet,ziehen sie mit sich fort, in der Meinung, dort sei der Feldherr. Cerealis hatte die Nacht anderswo zugebracht; wie diemeisten glaubten, um mit Claudia Sacrata, einem ubischen Weibe, zusammen zu sein. Die Wachtposten entschuldigten ihrschändliches Vergehen mit des Feldherrn Schimpf, als sei es ihnen befohlen zu schweigen, um seine Ruhe nicht zu stören,da so die Signale und das Anrufen unterblieben, seien auch sie in Schlaf gesunken. Am hellen Tage fuhren die Feinde aufden genommenen Schiffen heim; die prätorische Trireme brachten sie Lippe aufwärts der Veleda zum Geschenk.
Civilis ergriff das Verlangen, in einem Schiffstreffen sich zu zeigen. Er bemannte, was er an Zweirudern hatte,und alle die Schiffe, Welche mit einer einfachen Ruderreihe vorwäits gebracht werden. Dazu fügte er eine ungeheureMenge Kähne mit je dreissig oder vierzig Mann, eine Ausrüstung, wie sie hei den liburnischen Schiffen üblich ist; dazu diegenommenen Kähne, welchen bunte Zeuge nicht unzierlich statt der Segel dienten. Zum Kampfplatz ward statt der offenenSee die Stelle erwählt, wo die Mündung des Maasflusses den Rheinstrom dem Ocean zuführt. Den Grund zur Aufstellungder Flotte gab, ausser der angeborenen Eitelkeit des Stammes, die Absicht, durch diese Schreckensmacht die Zufuhr, welcheaus Gallien herankam, auf dem Wege anzuhalten. Cerialis ordnete, mehr des Wunders wegen, als aus Besorgniss, seineFlotte zur Schlacht; an Zahl geringer, durch Gewandtheit der Ruderer, Geschicklichkeit der Steuerleute, Grösse derSchiffe überlegen. Diese hatten die Strömung für sich, jene fuhren vor dem Winde: so aneinander vorbeischiffend trennen
') Der Damm zwischen Xanten und Millingen (siehe oben Seite 214).