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1,1 (1863) Geschichte der verschiedenen Geschlechter Bocholtz unter besonderer Berücksichtigung der alten Geographie, Rechts-, Sitten- und Culturgeschichte des Niederrheins
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Um dieselbe Zeit fanden die beiden Legionen, welche reumüthig nach Metz gezogen waren, im Heere wiederAufnahme und wurde vornehmlich durch ihre Tapferkeit ein Ueberfall des Classicus, Tutor und Civilis auf Trier mitgrossem Verluste der Feinde zurückgewiesen. Darauf traten auch die Cölner wieder auf die Seite Roms; sie überliefertendie Frau und Schwester des Civilis und die Tochter des Classicus, welche ihrer Obhut anvertraut waren, den Römernals Pfand des Bundes und vernichteten durch Hinterlist eine Cohorte Chauken und Friesen, welche Civilis bei ihnenzu Zülpich einquartiert hatte, indem sie dieselben durch ein reiches Mahl und Wein einschläferten, dann einschlössenund im Hause verbrannten.

Durch alle diese Widerwärtigkeiten und weil auch vom Meere aus die römische Macht mittelst der vierzehntenLegion und der brittischen Flotte die batavische Insel bedrohte, wurde Civilis genöthigt, sich nach Xanten beiCastra-Vetera zurückzuziehen. Auch er hatte sein Heer aus allen Theilen Deutschlands wieder ergänzt.

Es folgte ihm dorthin, erzählt Tacitus, 1 ) Cerealis, dessen Macht verdoppelt war durch die Ankunft der zweitensechsten und vierzehnten Legion. Auch die Cohorten-und Alen, die schon längst herbeigerufen waren, hatten seit demSiege sich beeilt. Keiner der beiden Feldherren war ein Zauderer, doch hielt die schon von Natur nasse Gegend sieauseinander und Civilis hatte das Hemmniss durch einen, quer in den Rhein gelegten Damm verstärkt, so dass der Fluss,durch diesen Widerstand zurück gedrängt, sich über die umliegende Gegend ergoss. So war das Terrain gestallet, trügerischdurch unsichere Furthen und uns ungünstig, denn der römische Soldat ist mit Waffen belastet und scheut das Schwimmen,die Germanen, an Flüsse gewöhnt, hält die Leichtigkeit ihrer Waffen und der schlanke Wuchs ihrer Körper oben.Von den Batavern gereizt, begannen unserer Seits die Tapfersten den Kampf, dann entstand Angst und Unruhe,als die unergründlichen Sümpfe Krieger und Rosse verschlangen Die Germanen durcheilten die wohlbekannten Furthenund fielen uns, meistens ohne die Front anzugreifen, in die Flanken und in den Rücken. Auch ward nicht, wie in einemKampfe auf festen Boden, aus der Nähe oder Ferne gekämpft, sondern, wie in einem Seetreffen zwischen den Wellenherumirrend, oder, wenn ein fester Punkt sich zeigte, mit dem ganzen Körper aufgestemmt, rissen sich Verwundete mitUnverwundete, des Schwimmens Kundige mit Unkundigen in gemeinsames Verderben Geringer jedreh als das Getümmelerwarten Hess, war der Verlust, weil die Germanen, ohne sich aus dem Sumpfe heraus zu wagen, in das Lager zurückkehrten. Dieser Erfolg der Schlacht bestärkte beide Feldherren, so verschieden sonst ihre Stimmung war, die letzteGesammtentscheidung zu beschleunigen. Civilis, um das Glück fest zu halten: Cerialis, um die Schmach zu tilgen.Die Germanen waren im Glücke unbändig; den Römern hatte die Schaam keine Ruhe gelassen. Die Nacht ward bei denBarbaren mit Gesang oder Geschrei, von den Unsrigen in Zorn und Drohungen hingebracht.

Als der folgende Tag anbrach, besetzte Cerialis die Front mit der Reiterei und den Hülfscohorten; in das zweiteTreffen wurden die Legionen gestellt: sich selbst, als Feldherr, behielt er ausgesuchte Leute für unvorhergesehene Fälle zurVerfügung. Civilis stellte sich ihm nicht in langer Reihe, sondern in Keilfonn entgegen. Die Bataver und Gugerner standenrechtSi_die linke, dem Flusse nähere Seite nahmen die Ueberrheinischen ein. Die Ansprache der Feldherren geschah nichtin Form einer Rede an alle zusammen, sondern wie sie grade an Einzelne der Ihrigen heraniitten. Cerialis mahnte an denalten Ruhm des römischen Namens, die alten und neuen Siege; sie möchten den treulosen, feigen, besiegten Feind aufewige Zeiten vernichten; mehr der Rache als einer Schlacht bedürfe es. Eine geringere Schaar hätte neulich gegen einegrössere gestritten und dennoch seien die Germanen, trotz der Tüchtigen, die dagewesen, geschlagen und nur solcheübrig geblieben, die den Gedanken an Flucht im Herzen und Wunden auf dem Rücken trügen. Besondere Reizmittelwandle er sodann bei den Legionen an; Bändiger Brittanniens, nannte er die von der vierzehnten, die sechszehnte habeGalba zum Fürsten gemacht; die zweite werde in dieser Schlacht zum ersten Male ihre neuen Feldzeichen und den neuenAdler einweihen. Indem er sodann weiter ritt zu dem germanischen Heere (1., 5. und 15. Legion), streckte er die Armeaus: es gelte ihr Ufer, ihr Lager mit dem Blute der Feinde zurück zu gewinnen, Lebendiger erscholl das Kriegsgeschreiaus aller Mund; sei es, dass sie entweder nach langem Frieden eine Schlacht begehrten, oder ermattet vom Kriege nachFrieden sich sehnten und Belohnungen und Ruhe für die Zukunit hofften.

Auch Civilis schwieg nicht, -wahrend er die Schlachtreihe ordnete. Den Wahlplatz selbst rief er zum Zeugender Tapferkeit auf. Es ständen die Germanen und Bataver auf dem Felde ihres Ruhmes; auf die Asche und die Gebeineder Legionen träte ihr Fuss. Wohin der Römer den Blick richte, sehe er Gefangenschaft, Niedeilage, und alle Schreckenträten ihm entgegen. Der schwankende Erfolg der Trevirerschlacht dürfe sie nicht schrecken, dort habe ihr eigner Sieg denGermanen im Wege gestanden, da sie die Waffen bei Seite gelassen, Beule fortgeschleppt und so sich selbst die Hände gebundenhätten; doch jetzt habe sich alles günstig und dem Feinde zuwider gestaltet. Worauf des Feldherrn List hätte sehen müssen,darauf sei gesehen: auf morastige und ihnen wohlbekannte Ebenen, auf Sümpfe, den Feinden verderblich. Der Rhein undGermaniens Götter ständen ihnen vor Augen; unter ihrem Segen sollten sie die Schlacht beginnen, der Gattinnen, derVäter, des Vaterlandes eingedenk. Dieser Tag würde ihnen einen Ehrenplatz bei den Vorfahren, oder Schande bei denNachkommen bringen.

Als durch Waffenklang und Stampfen mit dem Fuss so ist es bei ihnen Sitte seinen Worten Beifallbezeugt war, wird mit Steinen, Schleuderkugeln und sonstigen Wurfgeschossen die Schlacht eröffnet. Unser Soldat betratden Sumpf nicht, obwohl die Germanen uns keine Ruhe Hessen, um uns vor zu locken. Als alles, was .sich werfen Hess,verbraucht war und die Schlacht hitzig ward, eilen die Feinde drohend vorwärts. Bei ihrem Ungeheuern Körperbau undder Länge ihrer Lanzen durchbohrten sie aus der Ferne unsere schwankenden und ausgleitenden Soldaten; zugleich schwammvon dem Damme aus, der, wie wir berichtet haben, in den Rhein vorgeschoben war, der Keil der Bructerer herüber.Da wurde die Sache mislich; schon war die Schlachtreihe der Cohorten der Bundesgenossen geworfen, als die Legionen-den Kampf aufnahmen: der Ungestüm der Feinde wird gedämpft und die Schlacht wieder gleichmässig hergestellt. Unter-dessen kam ein Ueberläufer, ein Bataver, zu Cerialis und versicherte ihn: er könne den Feinden in den Rücken kommen,

i) Historiarum "V. , 1426.