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sich in Schlachtordnung. Civilis war von den Feldzeichen der beiden vernichteten Cohorten umgeben, damit seineKrieger den frischen Ruhm, die Feinde die Erinnerung ihrer Niederlage vor Augen hätten. Im Rücken standenseine eigene Mutter und Schwestern und die Frauen und Kinder seiner Gefährten, Antrieb zum Siege undVerhöhnung bei der Flucht. Die Deutschen eröffneten die Schlacht mit Gesang der Männer und Geheul der Weiber.Die römischen Legionen antworteten in einem ganz anderen Tone, denn gleich beim ersten Angriffe ging die Ala derBataver über und wandte sich sofort gegen die Römer, deren linker Flügel dadurch entblösst und zugleich mitverdoppelter Kraft angegriffen wurde. Die Hülfstrappen der Ubier und Trierer ergriffen verwirrt die Flucht unddurchirrten die ganze Ebene. Das bot Rettung den Legionen, welche sich in geschlossener Ordnung hielten; dennda die Feinde von ihnen abliessen und die Fliehenden verfolgten, gelang es jenen, Vetera (Fürstenberg) zu erreichen.
Die erste Folge des Sieges ist characteristisch für deutsche Unternehmungen. Claudius Labeo, der Anführerder batavischen Ala, welche beim Beginn "der Schlacht übergetreten und die Waffen gegen die Römer gerichtet hatte,war mit Civilis in eine bürgerliche Streitigkeit verwickelt; es kam nun zur Frage: ob man ihn beibehalten oder tödtentolle. Da das Erstere Zwietracht erzeugt, das Andere seine Landesleute mit Unwillen erfüllt haben würde, soverbannte man ihn zu den Friesen.
Inzwischen griff der Aufstand immer mehr um sich und zwar noch am selbigen Tage, an welchem obigeSchlacht geschlagen worden war, traten ihm die alten, ausgedienten Cohorten bei, welche von den Batavern undCanninefaten durch Vitellius nach Rom beordert worden waren. Ein Bote des Civilis hatte sie auf dem Marscheeingeholt. Um einen Vorwand zur Widersetzlichkeit zu finden, stellten sie an Hordeonius Flaccus verschiedene vonVitellius zugesagte Forderungen, z. B. Geldgeschenk für den Marsch, doppelten Sold u. s. w., und da ihnen nichtAlles gewährt wurde, so wandten sie sich nach Unterdeutschland zum Civilis. In Bonn suchten sie friedlichenDurchlass beim Herennius Gallus nach, dem Legaten (Befehlshaber) der ersten Legion; „sie wollten nicht Krieg gegendie Römer, nur Ruhe in der Heimath nach langem Dienste. u Der Legat hatte die Absicht, den Durchzug zu gestatten,aber die Legionssoldaten waren dagegen. Sie brachen, 3000 an der Zahl, mit einem feigen, aber, so lange nichtGefahr waltet, frechen Haufen von Marketender und Trossknechten zum Thore hinaus und glaubten, die ihnen gegenüberstehende kleine Anzalü schnell umschliessen zu können; allein die Cohorte stellt sich im Keile auf, durchbricht die Reihen,wirft die Legion zurück und füllt die Gräben von Bonn mit ihren Leichen. So kamen sie mit Umgehung von Cölnwohlbehalten zum Civilis, der durch ihren Zuwachs ein ansehnliches Heer commandirte. Er Hess es auf Vespasianschwören und die beiden, nach Fürstenberg geflüchteten Legionen durch Gesandte auffordern, sich dem Eide anzuschliessen.Als er jedoch von dort die Antwort zurück erhielt: „ein batavischer Verräther könne in römischen Dingen keinenSchiedsrichter abgeben, sondern nur eine verdiente Strafe für seine Schuld gewärtigen", da rief er eiligst die Bataverzu den Waffen. Es stiessen zu ihm die Bructerer und Tencterer; auch wurden die Germanen durch Boten zu Beuteund Ruhm gerufen und sie erschienen in unermesslicher Zahl. Die beiden Legaten, Mumius Lupercus und NumisiusRufus, nahmen die ernsthaftesten Maassregcln zur Vertheidigung Vetera's. Wall und Mauern wurden verstärkt, dieStadt, welche sich als Frucht eines langen Friedens vor den Thoren der Befestigung angebaut hatte, wurde der Erdegleichgemacht. Auch wurde Mundvorratb herbeigeführt, jedoch zu wenig und dieses Wenige wurde noch, da mankeine Ordnung hatte, sondern Jedem zugreifen Hess, schneller verbraucht, als nothwendig war. So begann dieBelagerung. Civilis besetzte beide Rheinufer mit unabsehbaren Schaaren »von Germanen, während seine Reiter dieEbenen durchsprengten und Schiffe den Strom sperrten. Seine Cohorten trugen die gewöhnlichen römischen Feldzeichen,dagegen die Germanen die Bilder wilder Thiere, den Wäldern entnommen, jeder Stamm dasjenige, mit dem ernach altem Brauche in den Krieg zu ziehen pflegte. Diese offenen Zeichen, dass es sich um einen Krieg mit deneigenen Mitbürgern und mit fremden Völkern handle, drückten den Muth der Belagerten. Die Belagerer dagegenlebten voll Hoffnung schon deshalb allein, weil die Anzahl der Belagerten für die Ausdehnung der Befestigungen zugering war. Sie waren auf zwei Legionen berechnet und jetzt fanden sich ausser dem Tross nur 5000 streitbareMänner darin. Von der einen Seite zogen sich die Werke einen sanften Hügel hinan, von der anderen waren siegegen die Ebene gerichtet. Diese Lage hatte Augustus ganz besonders für ein Winterlager günstig und an sich festgefunden; es waren daher auf die Vertheidigungswerke keine besonderen Mühen verwendet. Wälle mit Mannschaftenund Waffen darin schienen ihm ausreichend, um von dort aus Germanien im Zügel zu halten; dass ein solches Lagerjemals von den Feinden belagert werden könnte, war Niemanden eingefallen.
Das erste Unternehmen der Belagerer, welche sich nach Volksstämmen aufgestellt hatten, damit sich dieTapferkeit der Einzelnen desto bestimmter zu erkennen gäbe, war, mit Geschossen anzugreifen; da diese jedoch anden Thürmen haften blieben und man von oben herab mit Steinen ihnen Wunden beibrachte, so gingen sie in wildemMuthe zur Erstürmung des Walles über. Unter Geschrei wurden die Leitern angelegt, Andere stiegen auf demSchilddache der Ihrigen empor. Verderbliches Unternehmen! Die Aufsteigenden werden mit dem Schwert oder durcheinen einfachen Stoss hinabgeschleudert und unter Pfählen und Pfeilen begraben. Dem ersten misslungenen Versuchefolgte ein zweiter; man wagte sich an Wurfmaschinen, den Deutschen etwas ganz Ungewohntes. Sie bewiesen nichtdie mindeste Geschicklichkeit dabei. Darauf, von Ueberläufern und Gefangenen unterrichtet, wurde Bauholz nachArt einer Brücke zusammen gefügt und auf Räder vorwärts an die Festungsmauer gebracht, damit ein Theil der