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erlaubende Militairmacht niedergedrückt und jedes selbständigen Selmtzcs beraubt und deshalb der Regent selbst nurvon dem guten Willen seiner Soldaten abhängig gemacht worden -war, stellte eine Ileercs-Abtheilung gegen dieandere, ihren Kaiser auf, zog mit ihm plündernd, mordend durch das Land und schlachtete die Ucbcrwundcnch mitkaltem Herzen nieder. Schrecklich sind die Schilderungen, welche uns Tacitus davon liefert, reich an Wechsclfällcngrauenhaft durch blutige Schlachten, voll Zwietracht und Empörung, schwer selbst im Frieden; aber wichtig fürjedes Reich, das sein Wohl auf würdigem Wege fördern will.
In diesem Drama spielten vornehmlich die gegen Deutschland aufgestellten Legionen ihre Rolle. DerGrundstoff in ihnen war schlecht, theils weil seit der Varusschlacht das Gesindel der Hauptstadt darin untergebrachtworden war, theils weil die Kriege mit den wilden Völkern ihre Sitten verwildert hatten. Galba, einst Anführerderselben, war durch die Macht des Schwertes auf den Thron gesetzt; er übertrug dem Aulus Vitellius das Amteines Consular-Legaten (Statthalter) über, die Armee in Deutschland, 1 ) welche von Hordeonius Flaccus befehlet wurdeund von denen die Abtheilung in Oberdeutschland aufrührerisch an Stelle Galba's einen anderen Kaiser verlangte.Vitellius erschien Anfangs Dezember 70 in den Winterlagern am Unterrhein. Er macht sich den Soldaten angenehmund sie setzen ihn auf den Kaiserthron; Deutsche, namentlich aus unserer Gegend, sind seine mächtigsten Stützen. 2 )In dem Winterlager der ersten Legion (Bonn) beginnt der Aufstand, sie zieht nach Cöln, nimmt das Schwert desJulius Caesar aus dem Heiligthum des Mars und überreicht es dem neuen Herrscher, dann wälzt sich das Heer,überall durch die hinzutretenden Truppen verstärkt, durch Oberdeutschland, Gallien nach Italien. 3 )
Doch während er seinem blutigen Schicksale entgegen eilte, hielt Claudius Civilis, ein Bataver ausköniglichem Geblüte, den Zeitpunkt für günstig, die Völker zum Aufstande zu bringen. Die Kraft des Staates wardurch den Kampf Zweier um die Herrschaft gebrochen, die batavische Insel von Truppen fast entblösst, da denKern derselben Vitellius mit nach Italien genommen und an seiner Stelle eine träge Mcnsehenmassc aus der nächstenGegend der Nervier und Germanen mit Waffen behangen hatte. Dieses Alles bestimmte Civilis zu seinemVorhaben und persönliche Gefahr beschleunigte die Ausführung. Schon einmal als Empörer angeklagt und in Kettenzum Nero geschickt, aber von Galba freigesprochen, kam er unter Vitellius in gleichem Verdachte; das Heer drangauf seine Hinrichtung. Doch er, ein Hannibal, wie Tacitus ihn nennt, selbst bis auf das entstellte Gesicht, entwarfmit Geistesgewandtheit einen grossen Plan gegen Roms Gewalt, der auch gelungen sein würde, wenn nicht dasGrimdübel der Deutschen, Zerrissenheit und Parteiwuth, so wie jetzt noch, auch damals entgegen gestanden hätte.In dem Glauben, dass alle Deutschen die Vernichtung der Römerschaft mit einem Willen unterstützen würden, schienes ihm nur nöthig, die Legionen der Römer unschädlich für das Unternehmen zu machen. Das konnte nicht aufoffenem Wege geschehen, daher trat List an die Stelle. Er stellte sich, als verträte er die kaiserliche Gewaltfür Vespasian gegen den unwürdigen Vitellius und erwirkte in der That von Hordeonis Flaccus, dem Ober-Befehlshaber am Rhein, der dem Bürgerkriege und Vitellius abhold war, eine mündliche, und von Primus Antoniuseine briefliche Aufforderung: unter dem Scheine eines Aufstandes die Legionen, welche Vitellius gegen Vespasian nachItalien im Jahre 7,0 nach Chr. beordert hatte, am Rheine fest zu halten. Zu dem Aufstande selbst musste eineAushebung von Mannschaften, welche Vitellius verordnet hatte, den Vorwand hergeben. Die Bataver hatten, gleichden Belgiern und linksrheinischen Deutschen, solche Mannschaften jetzt schon mehr als zwei Menschenalter nach altemBrauche unter der Anführung der Edelsten ihres Volkes unverweigert gestellt; die Habgier und der Ucbermuth deraushebenden Commissairo hatte diese Last freilich drückender gemacht, man nahm Alte und Seh wache, die sich fürGeld los zu kaufen im Stande waren, oder Knaben von stattlicher Gestalt, um mit ihnen geilen Lüsten zu fröhnen.Diese Schändlichkeiten benutzte Civilis. Es berief die Ersten seines Stammes in einen heiligen Hain. „Wir werdennicht mehr wie Bundesgenossen, nein, wie Sclavcn behandelt," sprach er, „ein Opfer der Geldgier und der Gelüsteder Beamten. Jetzt sollen wir abermals unsere Kinder und Brüder zur Aushebung liefern, und doch war RomsMacht niemals so gebrochen, als jetzt. Ja, die Römer selbst sehen unsern Aufstand nicht ungern. Erliegen wir,muss Vespasian die Schuld übernehmen, ein Sieg dagegen bedarf nie einer Rechtfertigung."
Alle schwuren Beistand und rasch pflanzt sich der Aufruhr zu den Canninefaten und Friesen fort. Jeneerhoben sich unter Brinno und vernichteten zwei Cohorten in ihrem Lande (zu Leyden), und in kurzer Frist standenBatavier, Canninefaten und Friesen vereint unter Civilis am Rhein, den Römern gegenüber, in Schlachtordnung.Während der Schlacht selbst geht die römische Flotte aus 24 Schiffen und die Cohorte der Tungeren zu ihm über.Er erficht einen entschiedenen Sieg. Darauf bieten auch rechtsrheinische Germanen ihm Hülfe an, während er selbstmit Geschenken und Klugheit die Gallier zum Beitritt anreizte, aber auch immer mehr und mehr kund gab, dass erdie Königskrone über die kräftigsten und reichsten Völker seiner Nachbarschaft erstrebe. Das Alles öffnete dem Hordeoniusdie Augen; er befiehlt dem Legaten Mumius Lupercus, der das Winterlager zweier Legionen zu Xanten commandirte,gegen den Feind auszurücken. Dieser zog die Hülfstruppen der Ubier und die Reiterei der Trevirer, auch eine Ala(Regiment Reiter) der Bataver, welche unter ihm diente, an sich und rückte Civilis entgegen. Beide Theile stellten
i) Tacitus,. hist. I., 8. — 2 ) hist. IL, 14, 15, 17, 22, 27, 32, 43, 66, 69, 80. Flavius^ Josephus IV., 11. — ■ r ) Tac., hist. I., 57Sueton, "Vitellius 8.