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Angreifenden oben, wie auf einem Damme, gegen die Feinde auf der Mauer kämpfen, während ein anderer Theilunten verborgen, die Mauer untergrübe. Allein das Bauwerk fiel zu unförmlich aus und wm-de durch Steinewelche die Römer mittelst ihrer Ballisten (Wurfmaschinen) dagegen schleuderten, zerstört. Das Alles bestimmtedie Deutschen von Gewalt abzustehen und sich auf das Warten zu verlegen, wobei man auf Aushungern undVerrath rechnete.
Mittlerweile hatte Hordeonius, der in Mainz stand, von der Einschliessung Vetera's Kunde erhalten; ersendete den Legaten der achtzehnten Legion, Dillius Vocula, mit auserlesener Mannschaft zur Hülfe. Er selbstzaghaft, alterschwach und den Soldaten verhasst, weil sie ihn für arglistig und dem Vespasian ergeben ansahen,wagte den Zug nicht zu führen, reiste aber als Oberbefehlshaber mit. Als Beide mit den Truppen nach Bonn kamen,dem Winterlager der ersten Legion, fanden sie dort die Gemüther äusserst erbittert. Man klagte Hordeonius offen alsVerräther an, der die batavischen Cohorten absichtlich habe von Mainz entkommen lassen und Schuld trage, dassihnen in Bonn eine Niederlage beigebracht sei. Der Oberbefehlshaber Hess zur Aufrecbterhaltung des Ansehens einender meuterischen Soldaten in Fesseln legen. So kam das Heer nach Cöln, wo die gallischen Hülfstruppen sichanschlössen. Hier wuchs die Erbitterung der Legionen; der gefesselte Soldat hatte erklärt: Hordeonius habe ihn alsUnterhändler beim Civilis benutzt und beabsichtige nun, ihn aus dem Wege zu räumen, um keinen Zeugen seinesVerrathes gegen sich zu haben. Da bestieg Vocula mit bewunderungswürdiger Festigkeit die Rednerbühne und befald,den Aufwiegler zum Tode zu führen. Die Bessergesinnten leisteten Folge, während die Schlechtgesinnten in Schreckengeriethen, die Mehrzahl aber verlangte, durch- die Entschiedenheit Voculas bestimmt, dass Hordeonius ihm den Ober-Befehl abtrete, was auch geschah. Indessen war dadurch die Aufregung noch nicht beseitigt. Es fehlte an Soldund Getreide. Die Gallier weigerten die Aushebung und den Tribut, dazu hatte der Rhein so wenig Wasser, dasser keine Schiffe tragen und man ihn stellenweise durchwaten konnte. Dieses Alles erregte die Gemüther, besondersdas Letztere, weil es die Arbeit mehrte, indem dadurch am ganzen Ufer Wachtposten nothwendig geworden waren,um die Deutschen von den Fluthen fern zu halten; auch glaubten Viele darin eine Vorbedeutung zu erkennen, als obdie Flüsse, die alten Schutzwehren der römischen Herrschaft, den Staat im Stich gelassen hätten.
In Neuss vermehrte die sechszehnte Legion das Heer und erhielt Vocula in dem Legaten HerenniusGallus einen Mittel-Befehlshaber. Trotz dieser Verstärkung wagte man es nicht, sogleich dem Feinde entgegen zurücken, vielmehr schlug man in Gelb ein befestigtes Lager auf und übte die Truppen. Um sie zugleich durch Beutezu belohnen, führte Vocula einen Theil des Heeres in die Gaue der mit Civilis verbundenen Gugerner, (wozuBocholtz und Lobberich gehörte,) während Herennius Gallus mit den Uebrigen zurückblieb. Unterdessen trieb ein Schiffmit Frucht beladen auf eine Untiefe und wurde von den Deutschen siegreich gegen die Römer erbeutet. Das mussteGallus entgelten. Mit wilder Wuth stürmte man in sein Zelt, schleppte ihn heraus, zerriss seine Kleider, mishandelteseinen Leib, um ein Bekenntniss von ihm zu erpressen: für welchen Preis und mit wessen Einverständniss er dasHeer verrathen habe? und sein Leben wurde nur dadurch gerettet, dass er ihre Beschuldigung: Hordeonius sei derHauptverräther, auf ihr Verlangen bestätigte. Indess musste er in Fesseln bleiben, bis Vocula zurück kam, ihnbefreite und die Schuldigen hinrichten Hess.
Während dessen erhielt Civilis, der immer noch Vetera eingeschlossen hatte, von den Deutschen täglichneuen Zuzug. Sie traten zu ihm im Bündniss, indem sie zu dessen Befestigung, nach alter Sitte, aus ihren edelstenGeschlechtern Geissein stellten. Um die Massen nützlich zu beschäftigen, sandte er eine Abtheilung aus, das Landder Ubier und Trierer zu verwüsten; namentlich war man gegen Erstere erbittert, weil sie ihr Vaterland abgeschworenund, den deutschen Namen mit dem römischen vertauschend, sich Agrippinensen genannt hatten. Ihre Cohorten, diesorglos zu Marcodurum (Düren) lagen, wurden überfallen und vollständig vernichtet. Dafür fielen die Ubier inDeutschland ein, wurden aber, als sie einige Zeit ungestraft dort Beute gemacht hatten, umzingelt und aufgerieben.Eine andere Abtheilung beorderte Civilis über die Maas, um das Land der Menapior und Moriner und die GrenzenGalliens zu beunruhigen. Civilis selbst betrieb mit Nachdruck die Belagerung. Er verstärkte die Wachtposten, damitdie Belagerten nach Aussen von jeder Kundschaft abgeschnitten wären. Den Batavern übertrug er die Anfertigungvon Wurfmaschinen und Belagerungswerkzeugen und den rechtsrheinischen Deutschen, die mit Ungeduld auf eineSchlacht drangen, befahl er den Wall niederzureissen und wenn sie hinabgestossen würden, den Kampf zu erneuern,da sie bei ihrer Menge Verluste verschmerzen könnten. Bei dieser Erstürmung des Walles machte selbst die Nachtdem Kampfe kein Ende. Die Stürmenden hatten Holzmassen zusammengetragen und angezündet und rannten, dazwischenschmausend, sowie einen jeden die Hitze des Weines antrieb, mit blinder Tollkühnheit zum Kampfe. Natürlichkonnten ihre Geschosse gegen die Finsterniss nicht treffen, während die Römer die deutlich zu erkennende Schlachtreiheder Deutschen vor sich hatten und auf jeden Einzelnen, der durch Kühnheit oder Waffenschmuck sich auszeichnete,zielen konnten. Als Civilis dieses bemerkte, befahl er das Feuer zu löschen und Alles in Finsterniss und Kampfdurcheinander zu wirren. Das erzeugte einen verworrenen Lärm; Niemand wusste was geschah, wohin er traf, wohiner ausweichen sollte. Woher Geschrei kam, dahin wandte man sich, dahin wurde geschossen. Nichts hilft Tapferkeit,alles bewältigt der Zufall; die Tapfersten fallen durch die Geschosse der Feigen. Bei den Deutschen herrschteunbesonnene Erbitterung; der römische Soldat dagegen, kundig der Gefahren, warf eisenbeschlagene Pfähle und
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