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auch ihre Kunst schnell und unerwartet anzugreifen und ihre körperliche Gewandtheit nicht geltend machen: der Soldathingegen, den Schild an die Brust gedrückt, die Handfest im Griff, hieb auf die breiten Glieder der Barbaren, auf ih.e durchnichts gedeckten Gesichter ein, und bahnte sich über gefallene Feinde seinen Weg. Arminius Thatkraft war schon erschlafft,sei es in Folge der steten Gefahren, sei es, dass ihn die eben empfangene Wunde gelähmt hatte. Auch den Inguiomerusselbst, der hin und her durch die Schlachtreihe flog, liess freilich mehr sein Glück als seine Tapferkeit in Stich. Germanicushatte, um besser erkannt zu weiden, den Helm abgenommen und bat, sie möchten nur immer fort und fort morden, zunichts seien Gefangene nütze; nur die völlige Vernichtung des Stammes werde dem Kriege ein Ende machen. — Schonwar es spät am Tage geworden, als er eine Legion aus der Schlacht zieht, um das Lager aufzuschlagen; die anderensättigten sich bis in die Nacht in Feindesblut. — Die Reiterei kämpfte mit zweideutigem Erfolge.
Nachdem die Sieger vor versammeltem Heere belobt waren, errichtete der Cäsar einen Berg von Waffen mitder stolzen Aufschrift: nach Besiegung der Völker zwischen Rhein und Elbe weiht das Heer des Tiberius Cäsar diesesDenkmal dem Mars und Jupiter und Augustus. Seiner selbst that er dabei keiner Erwähnung: war es Furcht vorMissgunst, oder meinte er, das Hewusstsein der That sei genug? — Sodann trägt er dem Sterlinius auf, den Krieg gegendie Angrivarier zu eröffnen, falls sie nicht schleunigst sich ergäben. Demüthig flehend erlangten sie dadurch, dass sienichts abläugnelen, für alles Verzeihung.
Da jedoch der Sommer bereits vorgerückt war, wurde eine von den Legionen auf dem Landwege in dasWinterquartier zurück geschickt; die grössere Zahl führte der Cäsar auf Schiffen den Fluss Ems entlang in den Ocean.Anfangs rauschte die ruhige Fläche unter den Ruderschlägen der lausend Schiffe und kräuselte sich vor ihren Segeln, dochbald stürzte aus schwarzen Wolken Hagel herab; zugleich benahmen die Wogen, von Stürmen aus verschiedenen Richtungenaufgeregt, die Aussicht und erschwerten das Commando ; der Soldat, der voll Angst war und nicht wussle, wie es auf derSee zugeht, hinderte, indem er den Schiffern im Wege stand oder ihnen zur Unzeit half, die Sachverständigen in ihremDienste. Am Himmel und auf dem Meere entfaltete sodann ungehemmt der Südwind seine Macht: durch Germaniensschwellende Berghöhen, durch seine tiefen Flüsse, durch unermessliche Wolkenmassen verstärkt, und grausiger durch dieeisige Kälte des nahen Nordens, riss er die Schiffe mit sich fort und schleuderte sie zerstreut hinaus in die Weiten desOceans oder an Inseln, die durch Felsufer oder verborgene Untiefen gefährlich waren. Als sie hei diesen eben mit Mühevorbei gekommen waren, sprang die Fluth um und folgte dem Zuge des Windes. Da versagten die Anker den Dienst undunmöglich wurde es, die einstürzenden Wellen auszuschöpfen: Pferde, Lastvieh, Gepäck, selbst Waffen wurden über Bordgeworfen, um die Schiffsgefässe zu erleichtern, die an den Seiten Wasser durchliessen und überdies von den Wogenüberfluthet wurden. In eben dem Maasse, als der Ocean gewaltiger ist als andere Meere, und Germanien an Rauheit desClimas andere Länder überbietet, in eben dem Maasse überstieg jenes Unglück alles durch Neuheit und Grösse. FeindlicheGestade ringsum, und ein Meer, so weit und tief, dass man glaubt, es fei der Welt Ende und von keinem Lande begrenzt.Ein Theil der Schiffe ging unter; die Mehrzahl ward an ziemlich entlegene Inseln verschlagen und der Soldat, da keineMenschen dort wohnen, von Hunger hingerafft, die ausgenommen, deren Leben todte Pferde, die das Meer grade dortauswarf, fristeten. Nur die Trireme des Germanicus lief an das Land der Chauken an. Dort durchirrte er Tag und Nacht dieFelsen und Vorsprünge der Küste und rief: er sei Schuld an solchem Verderben; kaum hielten ihn seine Freunde zurück,in demselben Meere den Tod zu suchen. Als endlich die Fluth ablief und der Wind günstiger war, kehrten einzelneschwer beschädigte Schiffe zurück, von wenigen Rudern oder durch Kleidungsstücke, die statt der Segel dienten, einige auchdurch besser bewährte Hülfsmittel fortbewegt. Eilig liess Germanicus sie ausbessern und schickte sie aus, die Inselnzu durchsuchen. Durch diese Fürsorge wurden die meisten zusammen gebracht; viele brachten die Angrivarier, die sichkurz zuvor ergeben hatten, wieder: sie hatten sie bei den Binnenstämmeu losgekauft. Einige waren nach Britannienverschlagen und wurden von den dortigen Stammkönigen zurück geschickt. Je nachdem Jeder weit fort gewesen war,erzählte er nun Wunderdinge von gewaltigen Wirbelwinden, von unbekannten Vögeln und Seeungethümen, von halb mensch-lichen halb thierischen Gestalten: mochte er nun dergleichen wirklich gesehen, oder aus Furcht zu sehen geglaubt haben
Doch das Gerücht vom Verlust der Flotte ermuthigte die Germanen, von neuem Hoffnung auf den Krieg zusetzen; den Cäsar, ihn nieder zu halten. Dem Cajus Silius befiehlt er, mit dreissigtausend Mann zu Fuss und dreilausendReitern gegen die Chatten zu ziehen; er selbst bricht mit grösserer Streitmacht in das Land der Marser ein. Ihr AnführerMallovendus, der sich vor Kurzem unter unsere Botmässigkeit gestellt hatte, zeigt ihm an, in dem nahen Haine sei derAdler einer der Legionen des Varus vergraben und werde von einem nicht sonderlich starken Posten bewacht. Augen-blicklich wurde Mannschaft abgeschickt, um die Feinde nach vorne heraus zu locken; andere sollten hinten um sie herumziehen und den Boden aufgraben: Beiden war das Glück günstig. Um so kampflustiger rückt der Cäsar weiter in dasInnere; er verheert das Land und vernichtet den Feind, der keinen Zusammenstoss wagte, oder, wenn er irgendwoWiderstand leistete, sogleich verjagt ward und tu keiner Zeit — wje man von den Gefangenen erfuhr — grössere Furchtgehabt hatte. Denn als unsiegbar und gewappnet gegen jedes Geschick priesen sie die Römer, die nach Vernichtung ihrerFlotte, nachdem sie ihre Waffen verloren, nachdem Rosse und Männer mit ihren Leichen die Gestade bedeckt, nun dochmit derselben Tapferkeit, und als hätte ihre Zahl sich gemehrt, über sie hereingebrochen wären.
Danach ward der Soldat in die Winterquartiere zurückgeführt, voll frohen Muthes, dass er das Unglück zur See durcheinen glücklichen Feldzug wieder gut gemacht hatte. Diese Freude erhöhte der Cäsar durch seine Freigebigkeit, indem er jedemersetzte, so viel er verloren zu haben angab. Und es galt für unzweifelhaft, dass der Feind wankte und darauf dachte: Frieden nachzu suchen, und dass der Krieg, wenn noch der nächste Sommer hinzu genommen würde, zu Ende gebracht werden könnte.
Doch durch häufige Briefe mahnte Tiberius: er möchte heimkehren zu dem ihm zuerkannten Triumphe; es seischon genug der Erfolge, genug der Zufälle. Glückliche und grosse Schlachten könnte er aufzählen, aber auch an dieVerluste möchte er denken, die Wind und Wetter ihnen zugefügt hätten, nicht verschuldet durch den Anführer, aber dochschwer und bitter. Neunmal von Augustus nach Germanien geschickt, habe er mehr durch Klugheit ausgerichtet, alsdurch Gewalt. So seien die Sigamhrer gewonnen, so die Sueven und König Marobodus von kriegerischen Gedankenzurückgebracht worden. Auch die Cheruscer und die übrigen rebellischen Stämme könne man, nachdem man genugsambedacht gewesen Rom zu rächen, ihren innern Streitigkeiten überlassen. — Als Germanicus noch ein Jahr erbat, um, was