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Auch Arminius und die übrigen Vornehmen unter den Germanen unterliessen es nicht, jeder die Seinen daraufhinzuweisen: das seien die Römer, die in Varus ganzem Heere das Laufen am Besten verstanden, die, um den Krieg nichtbestehen zu müssen, sich hinter eine Empörung gesteckt hatten; ein Theil von ihnen gäbe den Rücken, der noch schweran seinen Wunden zu tragen hätte, ein Theil die Glieder, von Wogen und Stürmen zerschlagen, aufs neue den erbittertenFeinden, den zürnenden Göttern Preis, ohne guten Erfolg zu erwarten. Die Flotte und die Fahrt über den unwegsamenOcean habe bewirken sollen, dass Niemand ihnen, als sie anzogen, entgegenrücken, Niemand sie auf der Flucht bedrängenkönnte: aber, wäre es einmal zum Handgemenge gekommen, so sei es mit dem Beistande der Winde und der Ruder vorbeifür die Besiegten. Sie möchten sieh nur erinnern an ihre Habsucht, ihre Grausamkeit, ihren Uebermulh: ob noch etwasanderes ihnen übrig bliebe, als entweder die Freiheit zu behaupten, oder zu sterben vor der Knechtschaft?
Dann führen sie ihre Krieger, angefeuert durch solche Reden und laut eine Schlacht fordernd, hinab in eineEhene Namens Idistavisn. Diese zieht sich zwischen der Weser und einer Hügelreihe in ungleichmässiger Krümmung hin,je nachdem die Ufer des Flusses ihr nachgeben oder vorspringende Berge ihr entgegen stehen. Jm Rücken erhob sich einWald, hoch mit seinen Aesten in die Luft aufsteigend; das Erdreich zwischen den Stämmen von Gestrüpp rein. Das Feldund den vordersten Theil des Waldes hatte die Schlachtreihe der Bai-baren inne; die Cheruscer allein hielten die Höhenbesetzt, um sich während der Schlacht von oben auf die Römer zu werfen. Unser Heer zog folgendermassen auf: vorandie gallischen und germanischen Hülfstruppen , hinter ihnen die Bogenschützen zu Fuss; sodann vier Legionen und derCäsar selbst, von zwei Cohorlen und einer aiiserwählten Reiterschaar begleitet, hierauf wieder eben so viele Legionen unddie leichten Truppen mit den Bogenschützen zu Pferde; dann die übrigen Cohorten der Bundesgenossen. Mit Eifer warder Soldat bedacht, sofort in wohlgeordnetem Zuge dem Feinde entgegen treten zu können.
Als sich die Cheruscerhaufen, die in wilder Kühnheit hervorgebrochen waren, sehen Hessen, befiehlt der Cäsardem tüchtigsten Theile der Reiterei, sich ihnen in die Seite zu werfen; dem Sterlinius, mit den übrigen Schwadronen siezu umgehen und von hinten anzugreifen: er selbst werde seiner Zeit einschreiten. — Unterdessen zog ein herrlichesZukunftszeichen — acht Adler, die man gegen die Waldung hin und in sie hinein fliegen sah — des Imperators Blickeauf sich. Laut ruft er: vorrücken möchten sie und folgen den Vögeln Roms, den Gottheiten der Legionen! Zu gleicherZeit rückt nun das Fussvolk von vorne gegen sie an, während die vorangeschickte Reiterei sich von hinten und von derSeite auf sie wirft. So seltsam es klingt, in zwei Zügen zogen die Feinde unaufhaltsam in entgegengesetzter Richtung: dieden Wald inne gehabt halten, in die Ebene; die auf den Feldern aufgestellt waien, in den Wald Zwischen sie eingeklemmt,wurden die Cheruscer von den Hügeln herunter gedrängt; hoch unter ihnen hervorragend suchte Arminus durch Gewalt,durch Zuruf, durch Hindeuten auf seine Wunde die Schlacht zu halten. Er hatte sich auf die Bogenschützen geworfen,und dort wäre er durchgebrochen, wenn nicht die Cohorten der Räter und Vindelicer nebst den Gallischen mit ihrenFahnen ihm den Weg gesperrt hätten. Dennoch selbst gewaltig andringend und getragen von einem wilden, feurigen Rosse,kam er durch, das Gesicht mit Blut gefärbt, um nicht erkannt zu werden. Einige haben überliefert, er sei erkannt worden,doch haben ihn die Chauker, die unter den römischen Hülfstruppen standen, entkommen lassen. Gleiche Tapferkeit odergleicher Trug Hess Inguiomerus die Flucht gelingen; die Uebrigen hieb man nieder, wo man sie traf. Viele, die über dieWeser zu schwimmen versuchten, wurden durch nacbgeschleuderle Geschosse, oder die Gewalt des Stromes, oder endlichdurch die Masse der Nachdrängenden und die einstürzenden Ufer hingerafft. Einige, die in schimpflicher Flucht sich in dieBaumwipfel hinaufgearbeitet halten und zwischen den Zweigen sich zu verbergen suchten, wurden von Bogenschützen unterScherz und Lachen erschossen; Andere wurden zerschmettert, indem man die Bäume umhieb.
Das war ein grosser und für uns nicht blutiger Sieg. Die Feinde , auf die von der fünften Stunde bis in dieNacht rastlos eingehauen ward, füllten mit ihren Leichen und Waffen einen Raum von zehntausend Schritt. Unter der Beutefand man Ketten, die sie für die Römer mitgebracht hatten, als wäre der Erfolg unzweifelhaft. — Die Soldaten begrüsstenauf der Wahlstatt Tiberius als Imperator, warfen einen Erdhügel auf und ordneten auf ihm die erbeuleten Waffen nach Arteiner Trophäe; die Unterschrift nannte die Namen der besiegten Stämme. Nicht die Wunden, nicht der Gram um die Gefallenen,nicht das Gefühl ihrer Vernichtung erfüllte die Germanen so mit Schmerz und Zorn, wie dieser Anblick. Sie, die ebendarauf sannen, aus ihren Wohnsitzen aufzubrechen und über die Elbe zurück zu weichen, verlangen nun nichts mehr alseine Schlacht und greifen eilends zu den Waffen. Das Volk, die Vornehmen, die Jungen, die Alten: Alle stürzen plötzlichauf den Zug der Römer los und bringen ihn in Unordnung. Zuletzt ersehen sie einen Platz zum Kampfe, von Fluss undWäldern umschlossen, dazwischen eine enge, feuchte Ebene: auch um die Wälder zog sich ein tiefer Sumpf herum; nurhallen die Angrivarier die eine Seite vermittelst eines breiten Dammes aufgehöht, als Grenzwehre gegen die Cheruscer.Dort stellte das Fussvolk sich auf; die Reiterei verbargen sie in den nahen Hainen, damit sie den Legionen, wenn sie inden Wald eingerückt wären, im Rücken stände.
Nichts von alledem blieb dem Cäsaren unbekannt: Plan, Terrain; was offen dalag, was verborgen war, um Alleswusste er, und der Feinde List schlug ihnen selbst zum Verderben aus Dem Sejus Tubero überlässt er die Reiterei unddie Ebene; das Fussvolk stellte er dergestalt in Kampfordnung, dass der eine Theil auf dem ebenen Wege in den Waldeinzurücken, der andere den vorliegenden Damm zu ersteigen hatte: was schwierig war behielt er sich selbst vor, dasUehrige übertrug er den Legaten. — Die, welchen der Weg durch die Ebene zugefallen war, drangen mit Leichtigkeit inden Wald ein; die hingegen, welche den Wall erstürmen mussten, hatten, als ob sie gegen eine Mauer angingen, mitschweren Hieben aus der Höhe zu kämpfen. Wohl bemerkte der Feldherr, dass sie beim Kampfe aus der Nähe imNachtheil waren: daher Hess er die Legionen etwas zurück treten und befahl den Schleuderern und denen, die beiden Wurfmaschinen angestellt waren, ihre Geschosse spielen zu lassen und den Feind zurück zu drängen. Speer umSpeer entfliegt den Maschinen, und je mehr Einzelne der Vertheidiger sich hervorthnn, mit desto mehr Wunden weidensie hinab gestürzt. Der Cäsar beginnt mit den prätorischen Cohorten den Sturm, er erobert den Wall und eröffnet denAngriff auf die Wälder. Dort wird Fuss an Fuss gefochten: die Feinde umschloss hinten der Sumpf, die Römer der Flussoder Berge; beiden bot die Oertlichkeit keinen Ausweg, Hoffnung nur die Tapferkeit, Rettung nur der Sieg. Nichtgeringerer Muth beseelte die Germanen; der Art ihres Kämpfens und ihrer Waffen erlagen sie. Denn die ungeheureMenschenmenge konnte in dem engen Räume ihre ausserordentlich langen Speere nicht vorstrecken, nicht zurück ziehen,