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1,1 (1863) Geschichte der verschiedenen Geschlechter Bocholtz unter besonderer Berücksichtigung der alten Geographie, Rechts-, Sitten- und Culturgeschichte des Niederrheins
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Eindringen in Gallien zu bewegen waren, veranlasst werden möchten, für sich' selbst zu fürchten, indem sie sich überzeugten,dass ein Heer des römischen Volkes im Stande sei und es wage, über den Rhein zu rücken. Dazu kam, dass jener Theilder Reiterei der Usipeter und Tencterer, der, wie erzählt, für Beule und Getreide über die Maas gegangen war, nach deFlucht der Seinigen sich jenseits des Rheines in das Land der Sigambrer gezogen und mit diesen verbündet hatte.

So weit Caesar. ') Die Folge seiner Wirksamkeit war, dass die geldrischen und clevischen Gegendenwieder herrenloses Land wurden, dessen neue Bevölkerung Augustus und Tiberius überlassen blieb, wie das nächsteCapitel zeigen wird.

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') Diese einfache und sehr geschickt angeordnete Erzählung Caesars hat den Gelehrten viel zu schaffen gemacht. Sie enthieltVielen von ihnen zu wenig, um sie einer ganz bestimmten Gegend und einem genau bekannten Orte anzupassen und zu viel um ein solchesAnpassen für unmöglich zu erklären. Und so hat sieh denn der, in der alten Welt so hochgestellte Geschichtschreiber Manches gefallenlassen müssen. Dieses und jenes seiner Worte ist in den Schraubstock der Grammatik gespannt und befeilt worden und von dem Vorwurfeder Ungenauigkeit der Abschriften ist man zu den Vorwürfen der Ungenauigkeit des Autors selbst übergegangen. Und warum? Weilder eine Fort St. Andries, der andere Goch, der eine Emmerich und der andere Cohlenz, dieser die Maas und jener die Mosel und einersogar den Stolzenfels zum Schauplatz der Begebenheiten erklärt wissen will. Untersucht man genauer, so ergibt sich, dass man auch zugelehrt sein kann. Hier in Kürze Folgendes: Caesar sagt: Cognovit (Caesar) missas legationes ab nonnullis civitatibus ad Germanosinvitatosque eos uti ab Rheno discederent; omnia, quae postulassent, ab se fore parata. Qua spe addueti Germani latius jam vagabanturet in fines Eburonum et Condrusorum, qui sunt Trevirorum clientes, pervenerant. Aus dieser Stelle ist der Anfang zu allem Unheiloentstanden und doch ist sie sehr klar. Die Usipeter und Tencterer hatten sich auch der Sitze der linksrheinischen Menapier bemächtigtund sich von deren Vorräthen den Winter über ernährt, ^aber diese Sitze reichten nicht genügend aus und der Vorrath ebenfalls nioht, dakamen die Einladungen der Gallier: sie sollten nur vom Rhein her zu ihnen kommen, man wolle sie mit dem, was nöthig, versorgen, unddas ermuthigte sie zu Streifzügen nach Aussen, auf denen sie sogar bis in das Gebiet der Eburonen und Condrusen vordrangen. Aufeinem solchen Streifzuge im Gebiete der Ambivariter war auch die Reiterei, als Caesar dem Feinde näher rückte. Ihr Hauptlager bliebaber immer in dem Gebiete, was sie den Menapiern auf dem linken Rheinufer abgenommen hatten; da, wo es zuerst angelegt undverfestigt worden war ; auch auf derselben Stelle noch fand es Caesar, als er die Feinde darin überrumpelte. Das Annähern Caesars zumLager, die genaue Angabe der Entfernung seines Nachtquartiers von demselben, die Regelmässigkeit in dem Gehen und Kommen derGesandten, geben dafür Winke. Ausserdem führt die Rede der Gesandten Beweis: sie wünschen nur die eroberten Aecker (agros), nichtdie durchstreiften Landstriche zu behalten, und die Antwort Caesars, der absichtlich den jurischen Begriff oecuparo braucht, dem einstetes Weiterziehen nicht entspricht; ferner die Beschreibung des Laufes der beiden FlÜ6se, der Maas (vorangestellt als den Begebenheitenam nächsten,) und des Rheins, welche sehr geschickt in die Erzählung gezogen ist, um dem Leser die Begebenheit und das Terrain,worauf sie spielt, recht klar zu machen. Nichts desto weniger erklärt man die obige Stelle so, als seien die beiden Völker mit Sack undPack immer weiter und weiter gezogen und so endlich auf Caesar gestossen, wobei der Ort dieses Zusammenstosses von vielen neuernGelehrten, namentlich von H. Müller, B. Jahrb. VII,, 125, an den Zusammenfluss der Mosel und des Rheins, ja sogar auf das rechteMoselufer, verlegt wird. Auf die Frage: Wie sind die Völker dahin gekommen? heisst es:Nun, ganz einfach! Sie zogen durch dasLand der Eburonen und Condrusen in das Land der Trierer," und äusserst naiv setzt Müller Seite 24 hinzu:ein von der holländischenGrenze in die Gegend zwischen Cöln und Lüttich gewandertes Heer ist, denke ich, auf gutem Wege zur Mosel." Freilich auf der Karteist das vertheidigbar, aber wo sind da in der Wirklichkeit die Wege, wo (die Irrfahrt fällt in dem ersten Monat des Frühjahrs,) Land undNahrung für 340,000 Seelen und mehrere tausend Pferde, wo nur geeignete Stellen für ein nächtliches Lager! Und wenn das Alles aufdem angeblichen Wege zu finden gewesen wäre, würden die Einwohner dem Einbrüche so ruhig zugesehen haben? Aecker, sagt Caesarin seiner Antwort an die Gesandten, sind überhaupt nicht frei, am allerwenigsten aber für eine solche Masse, Und die Bebauer dieserAecker sind gar tapfere Leute. Die Eburonen und Condrusen können 40,000 Mann in's Feld stellen und die Trierer noch weit mehr undsind dabei die besten Reiter, (bei. gab II., 24; V., 3,) ihre Macht ist so gross, dass sie sich mehrmals mit Rom zu messen wagten unddoch sollen die Feinde den Muth gehabt haben, einen Zug durch ihr und ihrer Schützlinge ganzes Land zu wagen und überall ungehindertund ungestraft alles zu verzehren. Und zu was Zweck dieses Alles? Die Sitze, die die Feinde-im Clevischen und Geldrischen inne hatten,gehören zu den fruchtbarsten der ganzen Provinz und bieten, ganz besonders durch ihre überaus grosse Anzahl prachtvoller Wiesen, denleichtesten und sichersten Unterhalt für eine grosse Menschenmasse, und diese Gegend sollen die Feinde verlassen haben auf gutes Glück,um Oeden und Waldungen zu durchziehen und um sich zuletzt, nach Müller's Meinung, Seite 14, sogar auf der Höhe hinter Stolzenfelsniederzulassen, an einer Stelle, die sogar heutzutage noch beschwerlich zu ersteigen und dabei im jetzigen Culturzustande kaum für einigehundert Mann dauernd Nahrung bietet, damals aber gewiss viel wüster lag und dabei noch ganz und gar die, erst später von den Römernangelegte Rheinstrasse entbehrte. Und dieses Lager soll dort gelegen haben, während die Reiterei durch die beschwerliche Eifel hinter dieMaas gegen 50 Meilen vom Lager entfernt geschickt war, um Beute und Fourage zu holen! Oder soll auch hier Mosel gelesen werdenmüssen, wie können dann an der Mosel die Ambivariten gewohnt haben? wo dann Terrain für eine weitschweifende Reiterei, undnamentlich für eine Schlacht, wie sie Caesar beschreibt! Konnte bei allen den Hindernissen eine Masse von 430,000 Menschen mitWeib, Kind, allem Vieh und Lebensbedürfnissen eine so weite Irrfahrt in einem Monate und selbst in einem viertel Jahre zurücklegen!Herr von Ledebur, in seiner Schrift: der Mayengau, behält Recht: ohne sich in nicht zu entwirrende Widersprüche zu verwickeln, kannman überall von der Maas nicht abgehen, und Müller that nicht wohl daran, das Wortverwickeln" mit Fragezeichen zu versehen. S. 25.Hier nur noch eine Bemerkung. Müller, S. ß, nimmt an: dass Caesar über Reims und Trier gegen die Feinde angerückt sei, und willdieses damit beweisen: 1. weil im vorigen Jahre die Truppen des Labienus zu den Trierern in die Winterquartiere geschickt; 2. demCaesar ubische Gesandte entgegengekommen seien; 3. weil Caesar nicht habe wagen können, durch die noch uneroberten Länder zwischenScheide und Rhein zu ziehen, S. 21. Durch Ersteres sei den Römern der Weg bekannt geworden und das Entgegenkommen habe, da dieUbier im Nassauischen gewohnt hätten, nur geschehA können, wenn Caesar von Trier aus vorgerückt sei; der dritte Punkt habe einVorgehen durch Flandern unmöglich gemacht. Alle drei Argumente sind aber keine. Einen Feldherrn muss man als solchen beurtheilenund nicht immer auf bekannten Wegen suchen und namentlich steht Caesar dafür zu gross da, als dass er von einer so kleinen Seite ausaufgefasst werden dürfte; der nie Rathlose, nie Unentschlossene, der an allen Enden der Welt Siege zu erfechten verstand, der, wieCicero sagt, nur einen engen Pfad in Gallien vorfand und doch es ganz eroberte. Ueberdies ist es unrichtig, und damit fällt auch das3. Argument weg, dass nur der Weg über Trier sicher und ohne Feinde gewesen sei. Caesar sagt an mehreren Stellen, (H., 35; III., 7, 28,)dass zur Zeit, wo er den Feldzug gegen die Usipeter und Tencterer unternahm, alle Gallier, die Belgier eingeschlossen, bis auf die Morinerund Menapier überwunden seien, und auch die Letzteren hatte er noch vor jenem Feldzuge gedemüthigt; was konnte ihn also hindern,von Liseux und Evreux in der Bretagne, wo die Lexovii und Aulerci wohnten, bei denen seine Truppen überwintert hatten, (III., 29,)über Beauvais (Caesaromagus), Amiens (Somarobriva), Cambray (Cameracum), Bavay (Bavacum) weiter längst der Sainbre, wo er schonSiege erfochten hatte (IL, 18 u. f.), nach Tongern (Atuatuca), Jülich (d. h. durch das Land der Bellovacen, Ambianen, Nervier, Atuatucerund Eburonen) zu ziehen, wo er überall nur befreundete oder doch vollständig überwundene Völker fand, warum nicht von Beauvais überSoisson, Menneville (Noviomagus), Mouzon (Mosomagus oder Mose), Menil (Meduantum), Marmagen (MarcorrTagus), Zülpich (Tolpiacum), das