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1,1 (1863) Geschichte der verschiedenen Geschlechter Bocholtz unter besonderer Berücksichtigung der alten Geographie, Rechts-, Sitten- und Culturgeschichte des Niederrheins
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2. Augustus, Drusus, Tiberius, Germanicus, Caligula, Claudius, Nero.

Cicero, in seiner Rede über die Consularprovinzen, bespricht die Thaten Caesar's also:Endlich ist esvollbracht, dass das Ende unserer Herrschaft zugleich das Endo der Welt ist. Nicht ohne göttliche Fügung hatte dieNatur die Alpen als Schutzmauer vor Italien aufgethürmt; denn nimmer -wäre unsere Stadt Sitz und Schutz der grossenHerrschaft geworden, hätten dort die -wilden gallischen Horden offenen Zugang gehabt. Jetzt mögen sie immerhinzusammenstürzen, hinter ihren Scheiteln bis zum Ocean ist nichts mehr, was Italien zu fürchten braucht." Diese stolzenWorte waren insofern wahr, als Rom in dem Besitze Galliens für lange Zeit ein Bollwerk besass, den Deutschen denmehrmals eingeschlagenen Weg nach Italien zu sperren, wobei es sogar vielfach Gelegenheit fand, theils mit Geld,theils mit Gewalt, die unter sich zerfallenen deutschen Stämme für seine Legionen und für die Unterstützung seinerMacht zu gewinnen. Doch auch dieser Zustand fand sein Ende, als den schwach gewordenen Lehrer die herangebildetentrotzigen Schüler undankbar von sich stiessen.

Als Caesar ermordet war, (14. März Nachts, 44 vor Christus) ehrten die in Gallien wohnenden Deutschensein Andenken, indem sie dem römischen Verwalter Aurelius durch Gesandte erklären Hessen, sie seien von Caesar'sGeschick benachrichtigt, würden aber ferner den römischen Befehlen gehorchen. ') Nichts desto weniger kommenUnruhen vor; die Gallier erheben sich und Marcus Agrippa zieht gegen die. Deutschen über den Rhein. 2 ) Die Gründeimd Umstände sagen uns die Quellen nicht, die leider für die nächsten Decennien sehr unbedeutend sind. Gleichzeitigverpflanzte Agrippa die Ubier vom rechten auf das linke Ufer. 3 ) Im Jahre 29 vor Christus erfoch Cajus Carinaseinen Sieg gegen die Moriner. 4 ) Dann erfolgte die neue Organisation, wobei das belgische Gallien in drei Theilegetheilt wurde; der eine Theil behielt den Namen Belgien, das Unke Rheinufer dagegen, welches lediglich von Deutschenbewohnt war, wurde unter dem Mamen:Provinz Germania" in zwei Verwaltungen, Ober- und Unter - Germanien,(Germania prima et secunda) zerlegt, von denen die erstere von der Quelle des Stroms bis Bingen und an die Nahe,die andere von da bis zum Ausflusse in das Meer reichte. s ) Im Jahre 26 vor Christus war Augustus selbst inGallien, regelte dort die Verwaltung, die er durch Beamte mit dreifacher Gewalt (Militairverwaltung, Civilverwaltungund Gerichtsbarkeit) leiten liess, und legte Pflanzstädte an, wozu Augusta Suessonum und Augusta trevirorumgerechnet werden, feste Plätze gegen Auflehnungen und Schulen für römische Sitten, Gesetze und Sprache. Zurselben Zeit erfocht Vinicius einen Sieg über die Germanen, welche Kaufleute, die des Handels wegen zu ihnen gekommenwaren, erschlagen hatten. 6 ) Im Jahre 19 v. Chr. hatte Agrippa in Gallien und gegen die Deutschen zu kämpfenund im Iahre 16 v. Chr. erschien sogar Augustus selbst auf dem Kampfplatze am Rhein. Die Sicamberer, Usipeterund Tencterer hatten in ihrem Lande Römer aufgegriffen und ans Kreuz geschlagen, waren dann über den Rheingezogen, hatten Germanien und Gallien verheert, die römische Reiterei in einen Hinterhalt gelockt und zuletzt sogarden Legaten Marcus Lollius besiegt. Lollius sammelte neue Truppen, August selbst führte ein Heer ins Feld, woraufdie Feinde sich in die Heimath zurückzogen und Geissein stellten. 7 ) Augustus blieb den Winter und sogar dasfolgende Jahr in Gallien und legte am Rhein die Castra vetera an, 8 ) ein Werk, das für unsere Gegend und denganzen Unterrhein von grosser Bedeutung geworden ist und vor allem bekundet, dass vornehmlich dort die Uebergängeder Deutschen und ihre weiteren Raubzüge nach Gallien, also auch über die Gegend von Bocholtz stattgefunden haben.

Um den ewigen Vexationen der Deutschen kräftiger zu begegnen und dem Reiche eine gerundete Grenzezu geben, wurde endlich von Augustus beschlossen, auch das rechtsrheinische Deutschland zu einer römischen Provinzzu machen und zur Ausführung wurde Nero Claudius Drusus ersehen, der Stiefsohn, oder wie verlautete Sohn, desKaisers, den ihm Livia in die Ehe gebracht hatte, während Tiberius, Drusus Bruder, das Unternehmen durch Angriffeauf Rhatien unterstützen musste. Dieser war ganz der Mann dafür, sowie Vellejus Paterculus ihn uns in Kürze gezeichnethat. 0 ) Seine Thaten haben gerade in unserer Gegend ihren Anfangspunkt, wobei Vetera als der wichtigste Anhalt erscheint.Nachdem er dort die Legionen versammelt hatte, liess er durch sie mehrere, für seine Unternehmungen wichtigeWerke ausführen, ebensowohl zur Deckung der Grenzen, zur Sicherung der Kriegsbedürfnisse und Winterlager, als

heisst durch das Land der Suessonen, Remer, Paemonen und Eburonen, die mit den zuerst genannten Völkern in gleicher Lage waren. Aufbeiden Wegen kam er ebenfalls an das Rheinufer, welches dem Lande der Ubier «egenüber lag, die nicht im Nassauischen, wie Müllermeint, sondern tiefer wohnten, und indem er deren Gesandten empfing und sich mit ihnen weiter abwärts gegen den Zusammenfluss vonRhein und Mosel hinabbewegte, erklärt sich denn auch was weiter erzählt wird. Die Gesandten baten Caesar, dass er ihnen die Möglichkeitgewähre, zu den Ubiern zu reisen, denn da sie durch seine Linien mussten, konnten sie ohne sein Wollen nicht hin. Auch blieb, selbstwenn der Sitz der ubischen Regierungsgewalt über die Gegend der Sieg hinaus lag, was nicht wahrscheinlich ist, beim weitern VorrückenCaesars bis Neuss und noch tiefer, immerhin die Möglichkeit, mittelst rascher Pferde binnen dreien Tagen sich mit den Ubiern zuvertragen. Es bleibt hier also überall nichts unentschieden, als die Frage: wo stand das Lager der Feinde und wo sind sie in den Flussgesprengt? Die Antwort kann nur sein: es stand im vormaligen Gebiete der Menapier, im jetzigen Clevischen oder Geldrischen und derFeldzug endete nach einem oder mehreren Tagen nach der Erstürmung des feindlichen Lagers, indem man die Feinde in die Waal sprengte,deren Lauf von dem heutigen abweichend war.

') Cicero, ad Atticum. =) Dio XLVIIL, 49. 3 ) Strabo. <) Dio LI., 21. ») Dio LIIL, 12. «) Ebenda LUX, 26., ') Ebenda LIV., 20; Vell. Paterculus II., 97. 8 ) Nach Tacitus sein Werk. ») Vell. Paterc. II., 97; vergl. Sueton Claud. I.,Frontin II., 11; Yal. Max. V., "fc; Seneca, Epist. ad Marciam. Pedo Albinovanus.