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Feinde davon Kunde erhalten hatten, legten sie den ganzen dreitägigen Rückmarsch zu Pferde in einer Nacht zurück,hieben die Heimgekehrten nieder, bemächtigten sich ihrer Schiffe und setzten damit, eher als die Jenseitswohnendendavon Nachricht erhalten hatten, auf das linke Ufer über, wo sie die sämmtlichen Gebäude in Besitz nahmen undsich den übrigen Theil des Winters von den vorgefundenen Vorräthen nährten. Dieser Raubzug') traf das Clevischeund Gekirischej_,also; auch die Gegend von Bocholtz und Lobberich 2 ) und wir ersehen daraus, dass diese Gegendsich damals schon durch Gebäude und Aecker auszeichnete, die andern deutschen Ländern im Allgemeinen nochfehlten. 3 )
Als Julius Caesar, der damals im Namen der römischen Republik Gallien verwaltete, von dem Einfalleder Germanen benachrichtigt war, glaubte er den unzuverlässigen und neuerungssüchtigen Galliern die Abwehr nichtanvertrauen zu dürfen.
Bringt es doch die gallische Sitte mit sich, schreibt er, dass sie Wandersieute, auch wider deren Willen, Haltzu machen zwingen und sie ausfragen, was jeder von ihnen über dieses und jenes gehört hat, dass das Volk in denStädten sich um die Kaufleute herumstellt, und von ihnen wissen will, woher sie kommen und was ihnen auf ihren WegenNeues begegnet ist. Und auf solche Gerüchte und Plaudereien hin, fassen sie nicht selten in den wichtigsten Angelegen-heiten Beschlüsse, die sie. augenblicklich bereuen müssen, weil sie sich von unsichern Mittheilungeu und Erzählungen habenbestimmen lassen, die ihnen, wie sie sie gerne hörten, aufgebunden worden sind.
Da Caesar diese Silte kannte, begibt er sich, um einen grössern Krieg zu ersticken, früher als er sonst pflegte,von Rom zum Heere. Dort angekommen erfuhr er, dass das Befürchtete bereits geschehen war, und dass einige GemeindenGesandtschaften an die Germanen geschickt und sie eingeladen hatten, den Rhein zu verlassen, für das, was sie verlangthätten, wollten sie sorgen. Durch solche HofTnung bewogen, hatten die Germanen schon über die eingenommenen menapischenGrenzen hinaus bis in das Gebiet der Eburoner und Condrusen, welche Schützlinge der Trierer sind, Streifzüge zu unter-nehmen gewagt.
Caesar berief die Fürsten Galliens, redete sie mit freundlichen, muthbringenden Worten an, wobei er das, waser erfahren hatte, verheimlichte, befahl ihnen die nölhige Reiterei zu stellen und entschloss sich dann zum Kriege mit denGermanen. Als der Getreidebedarf beschafft, die Reiteiei ausgewählt war, nahm er seinen Marsch (von den Lexoviern aus)nach der Gegend hin, wo, nach den Berichten, die Germanen sich aufhielten. Als er nur noch wenige Tage von ihnen entferntwar, kamen Gesandte von ihnen, deren Rede folgenden Inhalts war: Die Germanen würden nicht den Anfang macheu, dasrömische Volk zu bekriegen, aber eben so wenig, wenn sie gereizt würden, es ablehnen, sich in den Waffeu mit ihm zumessen. Denn das sei deutscher Brauch, von den Vorfahren überliefert, denjenigen, die ihnen Krieg brächten, Widerstandzu leisten und nichts abzub'tlen Indess wollten sie doch offen erklären, dass sie wider ihren Willen gekommen seien, ausihren Wohnsitzen verdrängt. Wenn die Römer ihre Freundschaft haben wollten, so könnten sie ihnen nützliche Freundesein, doch müssten sie ihnen dann entweder Aecker anweisen, oder gestatten, dass sie das seither eroberte Gebiet fernerin Besitz behielten. Sie seien lediglich vor den Sueven gewichen, denen nicht einmal die unsterblichen Gölter sich gleich-stellen könnten, aber ausser diesen sei niemand in der Welt, den sie nicht zu überwinden vermöchten. Hierauf antworteteihnen Caesar, was ihm passend schien, der Ausgang seiner Rede war jedoch folgender: Er könne mit ihnen'nicht Freund-schaft halten, so lange sie in Gallien weilten, unrichtig sei es übrigens, dass diejenigen, welche ihre eigenen Grenzen nichtschützen könnten, auf fremdem Boden ein Occupationsrecht zu beanspruchen vermöchten. Ueberdies sei in Gallien nichthinreichend herrenloses Land, um, ohne Unrecht, eine solche Masse Menschen damit befriedigen zu können. Dagegenmöchten ihnen wohl, wenn sie es wünschten, im Lande der Ubier Wonsitze gewährt werden können, von denen Gesandtebei ihm seien, um über die Sueven zu klagen und Hülfe von ihm nachzusuchen; unter diesen Umständen glaube er ihnendort Niederlassungen auswirken zu können.
Die Gesandten antworteten: sie würden den Ihrigen Bericht erstatten und nach berathener Sache am drittenTage zum Caesar zurückkehren, indessen möge er, so baten sie ihn, ihrem Lager nicht näher rücken. Das Letztere,entgegnete Caesar, könne er ihnen nicht gewähren: denn er hatte erfahren, dass ein grosser Theil ihrer Reiterei einigeTage zuvor nach Beute und Lebensunterhalt zu den Ambivariten, jenseits der Maas, geschickt worden war. Diese Reiter,meinte er, würden zurückerwartet und deshalb Aufschub begehrt.
Die Maas entspringt auf dem Berge Vosegus (die Vogesen) im Lande der Lingonen und (liesst in den Ocean,nachdem sie einen Rheinarm aufgenommen hat, der Waal genannt wird und die Insel der Bataver zu Stande bringt. Undder Ort, wo sie ihr Wasser mit dem des Rheins (Rheinarms Waal) vermischt, liegt nicht weiter vom Ocean als 80,000Schritte. 4 ) Der Rhein aber entspringt bei den Lepontiern, welche in den Alpen wohnen, durchfliesst eine lange Streckedas Land der Samuelen, Helvetier, Sequaner, Mediomatr cer, Tribucer, Trevirer und theilt sich, wie er sich dem Oceannähert, in mehrere Arme, welche viele grosse Inseln bilden, meist mit barbarischen Völkern bewohnt, darunter einige, diesich von Fischen und Vogeleiern ernähren; endlich ergiesst er sich in vielen Mündungen in den Ocean,
Als Caesar dem Feinde auf 12,000 Schritte (4y 2 Meile) nahe gerückt war, kamen die Gesandten, wie vorherbestimmt, zu ihm zurück. Da sie ihn auf dem Marsche trafen, so war ihre erste Bitte, dass er Halt mache, und als diesesabgeschlagen wurde, die zweite, dass er zu den Reitern, welche an der Spilze des Zuges ritten, schicken und ihnen denKampf verbieten wolle. Dabei erklärten sie, er möge ihnen die Möglichkeit (polestatem) gewähren, zu den Ubiern Gesandlezu schicken, wenn deren Fürsten und Senat eidliche Bürgschaft geben, so wollten sie die Bedingungen Caesars annehmen.
') Die erste deutsche Geschichte ist keineswegs so fleckenlos, als sie mancher Geschichtschreiber machen möchte. Von Plündern,Rauben, Morden, Brennen, Verrathen und dergleichen liefern die Quellen sehr unerquickliche Beispiele. — 2 ) Die Gründe hierfür in derAnmerk. 2 und 3, S. 198. — 3 ) Nach Caesar und Tacitus lebten die Deutschen im Allgemeinen in Hütten, zum Theile in der Erde gelegen.Städte und Dörfer waren bei ihnen äusserst selten, zumal auf dem rechten Rheinufer, wo sie indessen doch nicht ganz fehlten, wie Einigeannehmen. Minola, 177. — 4 ) Siehe über diese Stelle oben, S. 192, K. Batavi.