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1,1 (1863) Geschichte der verschiedenen Geschlechter Bocholtz unter besonderer Berücksichtigung der alten Geographie, Rechts-, Sitten- und Culturgeschichte des Niederrheins
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zwar als die vornehmsten desselben.') Ueber den Ursprung ihres Namens gibt es verschiedene Meinungen. Einigehalten Sigambern und Cimbern für gleichbedeutend, andere leiten ihren Namen von dem Fluss Sieg ab, der durchihr Land floss.

Y. Chamaven, kommen bei Tacitus, 2 ) Ptolomaeus, 3 ) Amuianus Marcellinus, 4 ) Julian, 5 ) Eunapius, 6 )Nazarinus,') Aetius, 8 ) Gregor von Tours, 9 ) Ausonius, 10 ) sowie in der Peutingerschen Karte 11 ) und in dernotitia dignitatum orientis 12 ) vor. Strabo hat sie in Folge Schreibfehler als Chaubi. Sie bewohnten den späterenGau Hameland 13 ) am rechten Ufer des Rheins, wo die Waal ihn verlässt und zu beiden Seiten der Yssel, soweitdieser Gau zum Bisthum Utrecht gehörte und zum fränkischen Reiche zählte 14 ) und zwar in der Art, dass ein Theildavon dem späteren ripuarischen, ein anderer dem salischen Frankenreiche ,s ) angehörte. 16 )

Z. Die Usipetes und Tenctiri, zuerst bei Caesar genannt, irrten, von den Sueven aus ihren Wohnsitzenvertrieben, drei Jahre in verschiedenen deutschen Gegenden umher, erschienen 55 vor Christus am Rhein, vertriebendort die Menapier auf beiden Ufern, wurden aber, soweit sie am linken Ufer sich aufhielten, von Caesar vernichtet, 17 )nur ein Theil ihrer Reiterei entkam zu den auf dem rechten Ufer zurückgebliebenen Ihrigen und diese~verbandensich mit den Sicambern. ,8 ) Später finden sich die Usipeter mit den Bructerern und Tubanten vereint unter dendeutschen Völkern, welche dem Germanicus, 14 Jahre nach Christus, auf seinem Zuge gegen die Marsen einenHinterhalt im Waldgebirge legten, das er beim Rückzuge zum Rhein durchziehen musste 10 ) und 55 nach Christuswaren Bructerer und Tencterer Kriegsgenossen und Nachbarn der Amsivarier und wohnten dem Rheine nahe, währenddie Usipeter (Usipier), ebenfalls Nachbarn der Amsivarier, neben den Tubanten, mehr abwärts sassen. 20 ) Endlich,70 nach Christus finden sich die Tencterer mit Bructerern unter Classicus gegen die Römer im Felde, 2 ') während dieUsipeter, mit Catten in Verbindung, ebenfalls als Feinde Roms Mainz belagern. 22 ) Zu Tacitus Zeit wohnten beideVölker, von den Catten (Sieg) abwärts, den Rhein herunter 23 ) bis unterhalb der Lippe; die Sigamberer, die mitihnen eines Stammes gewesen zu sein scheinen, waren also damals in dortiger Gegend vor ihnen ganz untergegangenund die von den Ubiern verlassenen Plätze von ihnen ganz ausgefüllt.

Hiernach bewohnten also zu Zeiten des Julius Caesar (5851 vor Christus) die Menapier die Gegendvon Bocholtz und Lobberich und berichtet er uns davon Folgendes: 24 )

Im Winter, zur Zeit des Consulats des Cnejus Pompejus und Marcus Crassus, 55 Jahre vor Christus,gingen die Usipeter und Tencterer, 25 ) deutsche Völker, über den Rhein, nicht weit vom Meere, in welches derRheinstrom fliesst. Die Veranlassung war, dass die Sueven, das mächtigste unter den deutschen Völkern, sie ausihren Sitzen vertrieben und dadurch gezwungen hatten, sich neue zu suchen. Nach dreijährigem Irren durchverschiedene deutsche Gegenden, waren sie endlich an den Rhein gelangt, da wo die Menapier zu beiden Seiten desFlusses ihre Aecker, Gebäude und Dörfer hatten. 26 ) Diese, durch die Menge der Eindringlinge erschreckt, entflohen,indem sie das rechte Flussufer preis gaben, auf das linke und verwehrten, unter Aufstellung der nöthigen Wacht-mannschaften dem Feinde den Uebergang, der nur mit Gewalt, wofür aber die Schiffe fehlten, oder heimlich, woranjedoch die Wachsamkeit der Menapier hinderte, hätte geschehen können. Um dennoch zum Ziele zu gelangen, griffman zur List. Die Feinde stellten sich, als zögen sie wieder ab und machten wirklich einen Rückmarsch von dreiTagen. Hiervon unterrichtet, kehrten die Manapier sorglos in ihre rechtsrheinischen Sitze zurück. So wie die

') Bei Du Chesne, Script, rerum Franc. I., S. 561, in vita Sigeberti III. kommt vor: Sicambri, quorum tunc rex eratPriamus;bei Venat. Fortunat. IV,: Cheribertus sicamber; Gregor v. Tours, hist. frano. IL, 31, redet Bischof Eemigius den König Clodewig bei derTaufe als Sicamber an: mitis depone colla Sicamber. Bei Eccard, de reb. franc. Orient., Bd. I., S. 190, -wird von König Dagobert I. erzählt,dass keiner der Sicamberer ihm an Gelehrtheit gleich gekommen sei. 2 ) Tacitus, germ. 33, 24. 3 ) Er nennt sie ein Untervolk derBructerer: Einige Ausgaben haben irrig:BuadxitQot" undXcci/xai" statt:Bqvxtiqoi" und ..Xaficiüoi". 4 ) XVII., 8. 5 J Orat.ad Atheniens. S. 200. °) Excerpta s, eclogae de legationibus. ") panegyric. Constantino 18. 8 ) Cosmographia Lugd. Bat., 1646,S. 477. °) Lib. II., 9. 10 ) Mosella, 434. >') Erstes Segment: Chamavi qui et phranci Rii. (Franei Ripuarii.) 12 ) Ausgabe vonPancirolli, S. 212. a ) Der Name erinnert an die Chamaven; Cham oder Ham ist Land, besonders Grasland, Weideland und diesementspricht aueh die Gegend des Unterrheins und der Yssel. 14 ) Es erstreckt sich Hamaland, in Folge eines Sieges der Chamaven überdie Bructerer, auch über einen Theil des von den Letzteren eroberten Gebiets; dieser Theil gehörte nach Sachsen und in das BisthumMünster. ,6 ) Der Beweis liegt darin, dass in einem Theile das salische, in einem anderen das ripuarische Recht galt: auch spricht diePeutingersche Karte von ripuarischen Chamaven. (Siehe oben Anm. 10.) 10 ) Zu dem ripuarischen Theile gehörte auch das ArchidiaconatEmmerich, welches der Utreohter Kirche angehörig, sich auch auf die linksrheinischen Kirchspiele Kellen, Griethausen, Brienen und Rinderenerstreckte, welche früher, vor verändertem Rheinlaufe, auf dem rechten Ufer lagen und vermuthen lassen, dass das Bisthum Utreoht vordieser Stromveränderung errichtet wurde. Vergl. die vortreffliche Schrift von Leop. von Ledebur das Land und Volk der Bructerer, Berlin1827, 8°., S. 6076. Seine Angabe: dass auch die Duffelt zu Hamaland gehört habe, hat er in seiner Schrift: Blicke auf die Literatur desletzten Jahrzehnts zur Kenntniss Germaniens zwischen Rhein und Weser, Berlin 1837, 8°., S. 69, zurückgenommen. I? ) Caesar, bei. gal.IV., 1, 4, 12. 's) Ebenda 16. '») Tacitus, Ann. I., 51. 2 °) Ebenda XIII., 56. 2 >) Tacitus, Hist. IV, 23,77. 22 ) Tacitus, hist.IV., 37. 23 ) Tacitus, Germ. 32, 33, (hier Usipii, was aber, wie schon die Verdindung mit Tencteri zeigt, mit Usipeter gleichbedeutendist). Von einer ausgehobenen Cohorte Usipeter, die 85 n. Christus in Britanien ihre Officiere tödtete und nach Hause zu schiffen versucht,spricht Tacitus, Agricola 28 M ) Caesar, bei. gal. IV., 1, seq. 25 ) Huschberg, Gesch. der Allemannen und Franken, gestützt aufAppian,de bei. gal., meint, es seien auch Sigambrer darunter gewesen. (S. 19.) 2e ) Für das Wohnen der Menapier auf dem linken Rheinufer imClevischen und Geldrischen wird auch noch ein zu Xanten gefundener Denkstein mit der Inschrift: MERCVRIO . CIVI . ME. aufgeführt, weildiese vollständig heissen soll: Mercurio sacrum civitas Menapiorum, worunter Xanten zu verstehen. St. Insc. IL, 27, N 0, 664; Mooren, Alterth.der Stadt Xanten 2, S. 36; allein es liegt keine absolute Nothwendigkeit vor, die beiden letzten Worte mit civitas Menapiorum zu übersetzen.