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1,1 (1863) Geschichte der verschiedenen Geschlechter Bocholtz unter besonderer Berücksichtigung der alten Geographie, Rechts-, Sitten- und Culturgeschichte des Niederrheins
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nördlich und nordöstlich die Sigambrer, östlich und südlich die Sueven und die dazugehörigen Catten ihre Nachbarnwaren. Marcus Agrippa, 37 v. Ch., bewirkte ihre Uebersiedelung auf das linke Rheinufer,') wo sie die rheinischenTheile des, vormals von den Eburonen besessenen Gebiets und vielleicht auch Stücke des Landes der Menapier inBesitz nahmen, so dass ihr Gebiet von Rhein, Aar, Roer bis zur Wurm und von dieser durch eine Linie bis zurMündung der Erft begrenzt war; Zülpich lag in ihrem Lande. 2 ) Den Trierern (vergl. oben diesen Artikel,) wohntensie nicht überall gegenüber, denn diesen gegenüber am rechten Rheinufer, nicht im Lande der Ubier, erscheinen(auswandernde oder streifende Horden der) 100 Gaue der Sueven, welche, als sie zur Rückkehr genöthigt sind, vonden Ubiern verfolgt und zum Theile getödtet werden. 3 ) Wenn die Brücke, von der Strabo spricht,*) diejenige ist,die man bei Engers entdeckt hat, was indessen noch nicht erwiesen erscheint, so ist der dortige Wohnsitz der Ubierzur Zeit Caesars festgestellt. Auf dem linken Ufer wurde Colonia (Cöln) ihre Hauptstadt und diese, in Folge derOrganisation unter der Römer-Herrschaft, Sitz der Regierungsgewalt über Unterdeutschland, in Folge dessen auchvon dort aus das, vormals von den Menapiern bewohnte linke, untere Rheingebiet, soweit es von den Usipeternund Tencterern eingenommen war, so wie das Bergische verwaltet wurde und später unter das Bisthum Cöln fiel.V. Tungri finden sich in den, an der Maas gelegenen Theilen des vormaligen Eburonen- und Menapier-Gebiets, zwischen Maas und Rhein heisst es anderswo; sie hatten die Ubier östlich, die Toxandrer und Menapiernördlich, die Nervier südlich. 5 ) Vor ihnen und den Ubiern verschwinden in Folge der römischen Organisationdie Namen der übrigen umwohnenden deutschen Stämme. 6 )

W. Gugerni') bewohnten den, von den Usipetern und Tencteren eroberten, linksrheinischen Theil desvormaligen Menapischen Gebiets, soweit es von Rhein, Waal, Maas, Wurm und von da querüber zur Mündung derErft eingeschlossen war. Sie sollen von den 40,000 Sigambern abstammen, welche, 8 Jahre nach Christus, vonTiberius auf das linke Rheinufer verpflanzt wurden 8 ) und unter dem Namen Gugerni, das soll heissen Ansiedler, 9 )och als Hauptstadt angelegt haben.

X. Die Sigrambi wohnten auf dem rechten Rheinufer, den Eburonen gegenüber, zu deren Beraubungsie daher auch gleich bei der Hand waren, 10 ) von der Lippe bis zu den Catten und Cheruscern 11 ) hin. Sie lebtenin einzelnen Gehöften und Flecken 12 ) und waren wild und mordlustig. 13 ) Sie hatten einen König 14 ) und erschienen25 n. Ch. in den römischen Legionen gegen tracische Völker. !5 )

Die Grafschaften Berg und Mark und Arnsberg, welche vorher eine Grafschaft (Werl) bildeten, werdenwohl das Gebiet der Sigambrer darstellen. Der Namen Sigambrer verschwindet später in dortiger Gegend vor denUsipetern und Tencteren (siehe unten Z); Tiberius versetzt 40,000 von ihnen auf das linke Rheinufer; 16 ) sie sindaber darum nicht untergegangen, denn sie erscheinen noch später,' 7 ) namentlich in dem grossen Frankenbunde und

>) Strabo, Geogr. IV.; Taeitus, Germ. 28; Ann. XII., 27. 2 ) Tacitus, Hist. IV., 79. 3) Caesar, bei. gal. I., 37, 54.4 ) Strabo, Geogr. IY., infra Mediomatrices et Tribocos ad Rhenum Treviri, apud quos nostro tempore pons est factus a ßomanis, ad istaloca habitabant Ubii. 6 ) Tacitus, germ. 2; Procop, de bello gothico I., Gregor von Tours II., 9, wo an beiden Stellen satt: Thuringii,Tongri zu lesen ist. Am. Mar. XVII; Plinius, hist. nat. IV., 31. °) Das linksrheinische Deutschland wurde von den Römern in zweiTheile getheilt: Germania prima, Ober-Deutschland mit der Hauptstadt Mainz, erstreckte sich von den Quellen des Rheines bis zur Nahe,andere sagen bis Breisich; Germania seeunda: Unter-Deutschland, wurde von Rhein, Maas, Scheide, Dyle und von dieser ab durch eineLinie in der Richtung über Nivelle, Bouillon, Prüm, auf Breisich im Rhein resp. Aar begrenzt. Ledebur, Archiv, Bd. 5, S. 195. Anderenennen die Nahe die Grenze. Cöln und Tongern waren darin die Hauptstädte. Amm. Marc. XV., 11, 8; Ptolomaeus. 7 ) Tacitus, hist. V.16, 18; Plinius, hist. nat. IV., 17. Ubii, Colonia Agripiensis, Guberni, Batavi. <») Sueton Octav, 21; Tib. 9; Eutrop VII., 5. Letztererhat 400,000. °) Von dem celtischen Worte Goch, Coc, Kuk, Wohnort, Ansiedelung; Schneider, Beitr. I., Seite 116; Minola, 116. Esist indessen nicht zu begreifen, dass ein deutsches Volk von Römern nach celtischen Begriffen benannt worden ist und wie erst, wennPlinius Schreibart:Guberni" richtig ist. (Vergl. Luden, Gesch. des teut. Volkes I., 196, 650.) w ) Caesar, bei. gal. IV., 16, 19; VI., 35. ") Das beweisst Dio LIV., 33, denn als Drusus die Lippe überschritten hatte, kam er zu den Sigambern, welche gegen die Catten, ander entgegengesetzten Grenze im Felde standen und durchzog ihr Land bis zu den Cheruskern. Das gemeinsame Interesse beider Völker-Stämme, Sigambrer und Catten, und ihr Beieinanderwohnen spricht sich auch in LIV., 37, aus. 12 ) Caesar, bei. gal. IV., 19, 26.) Horaz, Oden IV., 2, 36; IV., 14, 51. '>) Die Denktafel, welche sich Kaiser Augustus ::u Lebzeiten in Erz graben Hess und von derein Duplicat zu Ancyra in Klein-Asien gefunden worden ist, nennt den König Maelo der Sigambrer. Die Denktafel lautet: loh habe dieGrenzen derjenigen Provinzen des römischen Volkes, welche an noch nicht unterworfene Völkerschaften grenzen, erweitert. In Gallien undSpanien, soweit der Ocean sie umspült, von Cadix zur Eibmündung und in den Landen vom adriatischen bis zum tuseischen Meere habeich Ordnung und Ruhe geschaffen und doch mit keinem Volke widerrechtlich Krieg begonnen. Eine römische Flotte ist von den Rhein-mündungen ostwärts bis an das Ende des Erdkreises geschifft, wohin vorher kein Römer, weder zu Wasser nooh zu Lande gekommen ist.Die Cimbern, Charuden, Semnonen und andere dort angesessene germanische Völker haben durch Gesandte, meine und des römischenVolkes Freundsohaft gesucht. Unsere Freundschaft haben durch Gesandte auch nachgesucht die Bastarner und Scythen, der König derSarmaten diesseits und jenseits des Don, der König der Albaner und die Könige der Hiberer und Meder. Zu mir haben sich, um Schutzzu finden geflüchtet: die Könige der Partser Tiridates, und später Pharates, des Königs Pharates Sohn, der Meder-König Artavasdes, desKönigs Ariobarzanes Sohn, die Könige der Britaner, Damno und Bellannus und Tim. ., der König der Sigambrer Maelo, der König derMarcomannen Suebo.... Hier fehlt der Schluss, da die Tafel zerstört ist. Strabo nennt den König Melo, Geogr. VII., 1. Sein BruderBatorix hatte einen Sohn Deudorix, der den Triumphzug des Germanicus verherrlichen musste. (Ebenda.) 1S ) Tacitus, Ann. IV., 4, 7.16 ) Ebenda XH., 39; Sueton II., 2, 3; Sueton, August., 21; Sidonius Apoll, carm. XIH.; Letzterer nennt sie ausdrücklich Uferbewohnerder Waal: detonsus Vachalim bibat Sicamber. Vergl. sein Lib. VIII,, ep. 2, wo seine Erzählung bekundet, dass sie 484 n, Ch. dort nochgewohnt haben. Doch blieb ein Theil von ihnen in der Heimath zurück. Strabo, Geogr. VII. : huius partis (Germaniae regionis ad Rhenum)populos Romani partim in Galliam traduxerunt; reliqui migraverunt in penitiores Germaniae partes ut Marsi; sed et Sicambrorum exiguarestat portio. ") Juvenal, Saty IV., 147; Martial, Epig. de Spect. Sydonius carm VII., 114; XIII.; VIII., ep. 2, wo er erzählt, dasEurik, König der Westgothen, (f 484 oder 485,) an seinem Hofe einen Gesandten der überwundenen Sicambrer empfangen habe.

Fahne, Bocholtz I.