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ist der Flusslauf noch heut zu Tage derselbe, wie zur Römerzeit? Bei der Waal, welche sich seitdem von St. Andriesbis Gorkum über Bommel ein zweites Bett gegraben zu haben scheint, erregt die Sache kein so grosses Bedenken,weil die Maas hieu. die Grenze angibt. Dagegen von Dortrecht ab ist nicht festzustellen, ob nicht. die vereinigteMaas und Waal, welche von da ab Plinius: 1 ) Helium 2 ) und die Peutingersche Karte: Patabus fluvius nennt, längstWillemstadt zu verlegen ist. Auch bleibt beim Rheine zweifelhaft, ob man die Grenze über Arnheim, Wageningen,Wyck by Durstede, Utrecht, Woerden und Leyden ziehen muss, oder von Utrecht die Vechte entlang in die Südersee,zur Römerzeit kleiner und Flevus 3 ) genannt. Die Hauptstadt der Bataver scheint Batavodurum gewesen zu sein,jetzt Wyck by Durstede.*) Die Hauptfestungen der Römer waren Vada, Grinnes, Leyden. Utrecht wurde erstbedeutend, als es unter die Friesen kam und im neunten Jahrhunderte zum Bischofssitze erhoben wurde.
L. Canninefates wohnten ebenfalls auf der batavischen Insel und sollen, während man den Batavern denTheil der Insel zulegt, der die obere und niedere Betau, die vormaligen Grafschaften Büren und Culenburg sowiedas Tieler- und Bommelerwerth in sich begreift, also den späteren Gau Batua soweit er in die Utrechter Diöcesefiel, den Rest der Insel besessen haben, von den Batavern durch das Kattenbroeker Kaai zwischen Batenstein undMontfort getrennt. Tacitus 5 ) gedenkt ihrer mehrmals, auch Plinius spricht von ihnen unter dem Namen Cannenufatesund Inschriften nennen sie Cannanefates, Canonefates, Cananivates etc. Schon diese Ungewissheit in der Schreibartsollte das Etymologisiren verbieten, nichts desto weniger gibt es Schriftsteller, welche sie zu Kaninchenfänger oder Kaninchen-fresser machen wollen. Wichtiger ist es zu wissen, dass Tacitus ihnen und den Batavern ein und denselben Ursprung beilegt.
M. Treveri oder Treviri hatten an einer Seite den Rhein zur Grenze; 6 ) über die anderen Grenzen liegenkeine directen Zeugnisse vor, es wird aber allgemein angenommen, dass sie mit denen des spätem Erzbisthums Trierzusammen fallen, also von der Nahe bis zur Ahr und diese aufwärts bis zur Maas sich erstreckt hätten. 7 ) Indessenist dieses doch in so fern irrig, als sich die Herrschaft nicht auf das rechte Rheinufer, dagegen auf dem linken nochüber die Ahr hinaus erstreckt hat, 8 ) woraus weiter folgt, dass die Brücke, welche Caesar von dem Lande derTrierer aus über den Rhein geschlagen hat, 9 ) nicht nothwendig oberhalb Andernach gelegen haben muss, sondernauch bei Bonn oder Cöln geschlagen sein kann. Nicht entgegen ist Strabo, (Geogr. IV., 3,) indem er bei derBeschreibung des Rheinufers zwar dieselben Völker, wie Caesar nennt, aber unterhalb der Trierer die Nervier unddann die Menapier folgen lässt, da nach dem Obigen, die Nervier keine Rheinanwohner waren. Die Trierer warengermanischen Ursprungs, 10 ) ein freies Volk'') und die besten Reiter unter den Galliern. Ihre Hauptstadt hiess:Augusta Trevirorum, jetzt Trier, von Augustus mit einer römischen Colonie versehen. 12 ) Die Wichtigkeit diesesOrts für die Römer ist durch die vielen, dort hinführenden Heeresstrassen am klarsten.
N. Eburones. Sie waren die nächsten Nachbarn der Menapier, 13 ) Segnier, Condrusen u ) und Sicambrer, 15 )überhaupt wohnten sie zwischen Rhein und Maas 16 ) und gehörten zu den Völkern, welche man unter dem gemein-samen Namen „Germani" zusammen zu fassen pflegte. 17 ) Sie waren als solche Bundesgenossen der Belgier. 18 ) IhreHauptstadt hiess Atuatuca, 19 ) lag mitten in ihrem Lande 20 ) und wurde später, als Caesar den Namen der Eburonenvernichtet hatte, Hauptstadt der Tungerer; 21 ) sie heisst jetzt Tongern. 22 ) Diese Lage der Hauptstadt 23 ) beweisst,
J ) Hist. nat. IV., 29. — 2 ) Helvetsluis erinnert noch, daran, dort wurden 1G21 Trümmer eines alten Römercastells aufgefunden. —3 ) Schon Plinius, hist. nat. IV., 29, nennt den mittleren Rhein über Leyden einen massigen Fluss; dagegen den nördlichen Arm, der in denFlevus, d. h. verschiedene See geht, den Hauptstrom nehen dem südlichen Arme, der sich mit der Maas vereinigt. An Flevus erinnert dieInsel Vlieland, und auf der angrenzenden Insel Texel lag die Stadt Tecela, von der Ptolomäus spricht. — 4 ) Itinerar, Tacitus, hist. V. 20.Was von oppidum batavorum zu halten ist, siehe unten. Die Bataver scheinen von den Catten unterdrückt und vernichtet zu sein. Tac.,Germ. 29. — *) z . B. Hist. IV., 15; Ann. XI., 18. — °j Caesar, bei. gal. H., 24; III. 11; IV., 15, 16; V, 3, 2-1, 53; VI., 3, 9; VII., G3;Hirtius Pansa VIII , 25; Tacitus, An. IH., 42; Orsius VI., 10; Strabo IV. — '•) Hertzroth, Notices sur les anciens Trevirois, S. 65. — 8 ) Diesesfolgt aus Caesar's Beschreibung des Rheinlaufs, bei. gal. IV., 10, wo er die Trierer als die untersten gallischen Flussanwohner nennt, alsodie Eburonen ihnen zuzählt, wahrscheinlich aus demselben Grunde, aus dem er Atuatuoer und Eburonen identificirt und aus dem in unsernTagen Markaner, Sauerländer, Münsteraner den gemeinsamen Namen "Westphalen führen und die elevisch-, geldrisch-, Jülich-, bergisch-,cölnisch-, trierschen Einwohner: Rheinländer heissen. — <>) Caesar, bei. gal. VI., 9. — ,0 ) Tacitus, germ. 28; hist. I., 57; Ann. III., 40;Hirtius, Pansa VIII., 25. — ») Caesar, bei. gal. IL, 24; V. 3. — 12) Mela III., 2; Tac, hist. IV, 62, 77; Ptolomaeus II., 9; Dio XL.lieber die dort gefundenen vielen römischen, und gallischen Alterthümer: Brower, Ann. Trev., fol., 2 Bde.; Hontheim, Prodromus hist. trev.,fol., 2 Bde.; Wittenbach, Trier. Alterhümer, 8°. Quednow, Beschreibung der Alterthümer in Trier, 1820, 8°.; Alexander Wilthemius,Luxemb. rom. IV.; Hertzrodt, Notices sur les anciens Trevirois; Van Alpen, S. 369; Schmidt, Baudenkmale der röm. Periode in Trier,1843, fol. — ") Caesar, bei. gal. V., 38. — »«) Ebenda VI., 32. Durch die Segnier und Condrusen waren sie von den Treveren getrennt.1 5 ) Ebenda VI., 35. — 16 ) Ebenda V., 24. — ") Ebenda IL, 4; Condrusos, Eburones, Caeraesos, Paemanos, qui uno nomine germaniappellantur VI., 32. — '») Ebenda IL, 4. — w ) Ebenda VI., 32; G. Wendelin, ad leges salicas, nimmt drei verschiedene Orte dieses Namensbei Caesar an: 1. Attuatuca, welches den Atuatucis, d. h. den in Belgien zurückgebliebenen Cimbern und Teutonen gehört und durchsteile Felsen geschützt, .auf einem Berge lag, Caesar IL, 29; 2. das obige, welches jetzt Tongern heisst und in einer hügeligen Gegend an demFlusse Jaar sich befindet; 3. das römische Lager des Cotta, V., 24—38, und des Cicero, Tacitus VI, 32, 35. Ihm folgen andere, z. B.Müller, Dederich, B. Jahrb. V., 278, allein ohne hinreichenden Grund; denn dass (1.) die Festung der Atuatucer ebenfalls Atuatuca geheissen,ist nirgend gesagt und 2. und 3. für verschieden zu halten, nicht nothwendig. Caesar nennt Atuatuca ein Castell, das Bewachungslagerwar wahrscheinlich daran gebaut. (Vergl. auch Note 22.) Übrigens scheint Atuatuca ein Begriffswort für einen befestigten Platz und erinnertan Tetuaka und Huahuka auf den Marquesas Inseln. — iö) VI., 32, 35. — 21 ) Tacitus, germ. 2: nuncTungri, tunc germani voeati.— 22 ) DieIdentität zwischen Tongern und Atuatuca wird durch die Peutingersche Karte, das Itinerar, die zu Tongern gefundenen Meilensteine und Inschriftenbeweisen, auch stimmen damit die 50,000 Schritte und mehr zu den Nerviern und Römern, wovon Ambiorix, bei. gal. V., 27, spricht. Dieverschiedenen früheren Ansichten über die Lage des Orts sind bei Meyer, Aachensche Geschichte, 1780, fol., S. 12, N°- 2, zusammengetragen. —23 ) Das rnediis Eburonum fmibus, VI., 32, welches Tongern mitten in das Land der Eburonen verlegt, berechtigt zu der Annahme, dass auchöstlich von Tongern die Grenzen entsprechend entfernt lagen, wie westlich und da sie, nach der letzten Richtung von Caesar genau angegeben,d. h. bis an den Rhein gerückt werden, so ist es wohl nicht zu gewagt, sie östlich bis an die Demer und die Grenze der Menapier zu rücken.
Fahne, liocholtz. I. 17