Druckschrift 
1,1 (1863) Geschichte der verschiedenen Geschlechter Bocholtz unter besonderer Berücksichtigung der alten Geographie, Rechts-, Sitten- und Culturgeschichte des Niederrheins
Entstehung
Seite
192
Einzelbild herunterladen
 

192

an ihrer Stelle; vielleicht auch haben die Ubier Stücke dieses Theils ihres Landes erhalten, wiewohl Letztere mehr auf

* *

das Land der Eburonen angewiesen erscheinen. In der Belgia seeunda aber haben die Menapier noch lange fortbe-standen. Nicht allein dass sich in einer Inschrift') und bei Aurelius Victor, 2 ) 286 nach Christus, noch Nachricht vonihnen findet, sondern auch das Leben des h. Amand 3 ) und eine Urkunde Karl's des Kahlen *) vom Jahre 847 sprechennoch von ihnen. Die Vita St. Amandi nennt Tournay (Dornick) ihre Hauptstadt und die Urkunde zählt die AbteiSt. Amand an der Scarpe zum Lande der Menapier, jetzt Mempiscum genannt. Ferner sagt eine Urkunde des Stiftsy St. Peter zu Cassel, dass diese Stadt zum pago menapisco gehöre 5 ) und der Verfasser der Wunderwerke des hl.Bertin, Bischofs von St. Ömer (Sithiu), fügt bei dem WorteCastellum menapiorum" die Wortein Nervio locumfamosum" hinzu, wodurch denn auch die Peutinger'sche Tafel, welche ebenfalls Cassel den Menapiern zulegt, von derBeschuldigung freigesprochen wird: sie haben sich geirri und müssen auf ihr statt: Castellum Menapiorum, CastellumMorinorum gelesen werden. 6 ) Die Stadt Dornick (Tournay) wurde später Hauptstadt der belgischen Menapier undBischofssitz 7 ) und dessen ursprünglicher Sprengel wies genau die Grenzen ihres Landes nach; sie umspannten dieDiöcescn Tournay, Brüggen, Gend, Ypern, kurz Alles, was zwischen Scheide, Meer und den Diöcesen Therouenne,Arras und Alt-Cambray lag, 8 ) bis dieser Sprengel bei der Bildung der vorgedachten Diöcesen gebrochen und derSitz von Tournay selbst vom linken auf das rechte Ufer, aus Flandern in Brabant, verlegt wurde.

K. Die Batavi. Sie bewohnten die Insel, welche zwischen Rhein, Waal, Maas und dem Meere lag. 0 )Plinius gibt die Länge dieser Insel -auf 100 römische Meilen an und das entspricht noch jetzt der Entfernung vondem Punkte, wo Waal und Rhein sich trennen, bis zur Mündung der Maas. So sehr' nun hierdurch die Lage deralten batavischen Insel festgestellt zu sein scheint, eben so sehr wird ihre Begrenzung anderweitig in Frage gestellt,und zwar hauptsächlich, weil die Hauptstelle bei Caesar, wiewohl mit Unrecht, streitig ist. 10 ) Sie lautet:Mosaprofluit ex monte Vosego, qui est in finibus Lingonum, et parte quadam ex Rheno reeepta, quae appellatur Vahalisinsulamque efficit Batavorum, in Oceanum influit, neque longius ab oceano millibus passuum Lxxx in Rhenum transit." i 1 )Das heisst: die Maas entspringt in den Vogesen, die in dem Lande der Lingonen liegen, und fliesst in den Ocean,nachdem sie einen Rheinarm aufgenommen hat, der Waal genannt wird und die Insel der Batavier zu Stande bringt, l2 )und der Ort, wo sie ihr Wasser mit dem des Rheins (Rheinarms, d. h. der Waal,) vermischt, 13 ) liegt nicht weiter vomOcean als 80,000 römische Schritte (16 2 / 3 Meilen). Diese Entfernung entspricht auch derjenigen, zwischen dem Oceanund dem Zusammenflusse der Waal und Maas; eines nur muss dabei berücksichtigt werden: dass der Zusammenflusszur Römerzeit bei Fort St. Andries, etwas über 5 Meilen unter Nymwegen stattfand, dem gegenüber, jedoch höherhinauf, am rechten Ufer der Waal das römische Grinnes lag, jetzt Varick genannt. Von St. Andries bis zumAusflusse der Maas in das Meer sind nach den besten Karten auf gradem Wege, also von Thurmspitze zu Thurmspitzegerechnet, 12 l / 2 Meilen; folgt man aber dem Flusse längst Well, Heusden, Workum, Gorkum, Dortrecht (lauteralte Orte,) und weiter der alten Maas bis zum Meere, so wird an 16 2 / 3 Meilen wohl nicht viel fehlen. Wenn sodie vier Grenzen der Bataver festgestellt sind, so bleibt doch ein Zweifel, der sich nicht so leicht heben lässt, nämlich:

') Gruter, S. 1096, Nro. 4. *) De Caesaribus, 39. 3 ) Acta Sanc . I., S. 818.<) Henschenius, Episc Traject., S. 16: interritorio Menapiorum quod nunc Mempiscum appellant. Das Mempiscum ist der pagus Mempiscus und Henschenius, in seinen Noten zum Lebendes h. Amand, hat nachgewiesen, dass dieser Gau die Quartiere Bourbourg, Bergue-Saint-Vinox, Furnes, Cassel, Ypern, Lille, Tournay und Theilevon Brügges und Gend enthielt, und dass die Scheide ihn von Alt-Braband schied. 6 ) d. h nicht im Lande der Nervier, sondern in tractuNervicano. c ) Freilich ist Cassel lange ZeitCastellum Morinorum" gerannt und Blaew, in seinem: Tooneel der Steden van s "Königs Nederlanden,hat es sogar unter diesem Titel in Kupfer gestochen und dazu eine lange Geschichte der Stadt geliefert. Allein schon Ptolomaeus beweisst dagegen,weil auch er die Stadt Castellum den Menapiern und nicht den Morinern beilegt, jedoch gibt erden Philologen dadurch wieder zu thun, dass ersein Castellum jenseits der Maas verlegt. "Während es aufmerksamen Lesern einleuchten musste, dass er jenseits der Tabuda hat schreiben wollen,hat man sein Castellum in Kessel an der Maas zu finden gewähnt, demgemäss auch die Stelle bei Am Marcell. XVI., 25 intercalirt, also derGeschichte einen schlechten Dienst geleistet. Vergl. Sehayes, Eecherches sur la vraie position de Castellum Menapiorum in: Archive des Pays-Bas,Juillet 1830. ") Wahrscheinlich durch Clodwig, der hier seinen Sitz hatte und von dort seine fränkische Monarchie gründete. Touranywar auch eine Hauptmünzstätte, seine Tournosse haben mehrere Jahrhunderte die Keichsmünze gebildet. 8 ) Die Gaue der Menapier zurfränkischen Zeit waren : pagus Medeleteusis, pagus Pabulensis, pagus Curtracensis, pagus Gandavus und pagus Flandrensis. Schon Pliniuskennt die Menapier nur in diesen Grenzen, denn er legt, hinter die Toxandri, die Menapii und Morini in Belgien, also die zweiten auf derWestseite der Scheide, hist. nat. IV., vergl. Tacitus, hist. IV., 28, der ebenfalls die Menapier nicht mehr auf dem rechten Maasufer kennt.Der Bischof von Tourany, der h. Eloy, hatte daher auch die Jurisdiction über Gend, Curtrai und die übrigen Orte Flanderns. ValesiiNotitia S. 567; Acta sanet. L, 290, 456; IV., 199. °) Caesar, bei. gal. IV., 10; Plinius, hist. nat. IV., 17; Ptolomaeus II., S; Tacitus,hist. Hb. I., 64; IV., 12; V., 19, 23; Dio LIV., LXIX; Orosius I., 2; Lucani, Pharsal. I., 431; Tacitus, Ann. II., 6.; Germ. 29; Zosym. II.,15; III. Der Rhein hier muss gedacht werden längst Arnheim, Wyek by Durstede, Utrecht, "Voerden, Leyden. I0 ) Die Schriften undMeinungen darüber sind so häufig und dabei so verschieden, dass man einen schweren Folianten damit anfüllen könnte. In neuestenZeiten hat Düntzer in dem B. Jahrb. X., S. 53, einen Erklärungs-Vorschlag gemacht, der indessen den anerkannt guten Handschriften zuviel Gewalt anthut und ausserdem die Leseart: transit ganz ausser Act lässt. Auffallend bleibt, dass der hochgebildete, genau unterrichtete,von Tacitus (Germ. 28,) sogar hochgestellte Caesar als Schriftsteller mehr grammaticalisch als historisch aufgefasst wird. Dass man aufdiesem Wege zu falschen Auslegungen und sogar zu Anklagen aller Art kommt, ist zu natürlich. u ) Die wesentlichsten Abweichungenin den Lesearten bestehen darin, dass statt: ex Rheno: Rheni, statt: insulam que: insulam quae, statt: ab oceano: ab eo, statt: transiit:influit gefunden wird. Indessen, abgesehen davon, dass die erste und die beiden letzten den Sinn nicht ändern UDd dass die zweite reinals Schreibfehler angesehen werden muss, die besten Herausgeber versichern uns, dass die obige Leseart die allgemein adoptirte und denbesseren Handschriften entsprechend sei. ,2 ) Man stösst sich an dem Worte efficit, aber welches klarere Wort konnte Caesar gebrauchen.Er beschreibt zwei nebeneinanderströmende Flüsse, welohe beide in den Oeean münden. Drei Grenzen sind also vorhanden, r.un nennt er aucheinen Querstrom, der von einem der beiden Flüsse zu dem anderen läuft, Und also das Bild einer Insel vollendet. 13 ) Vergl. Tacitus, hist.IV., 12; V., 19, 23. Diese Stellen und namentlich: Mosae, fluminis amnem per Rhenum oceano affundi, müssen, meine ich, hinreichendnachhelfen und überzeugen. Der Rhein bleibt den Römern trotz Waal und Maas bis zum Ausflüsse in das Meer immer der Rhein,