191 ___
F. Die Morini, deren Namen man von Moor herleitet, •) also die Moorbewohner, 2 ) hatten südlich Atre-baten und Nervier, nordöstlich dagegen die Menapier zu Nachbarn. 3 ) Gegen sie und die Menapier richtete Caesar,nachdem er das ganze übrige Gallien bezwungen hatte, sein Heer, lediglich weil beide ihm keinen Gesandten geschicktund durch sie um Frieden gebeten hatten. Jedoch ihre weiten Wälder, Stürme und Hegen schützten sie dieses Mal. *)Im folgenden Jahre erscheinen aus einigen Gauen der Moriner Gesandte, mit diesen schliesst er Bündniss, gegen dieübrigen -Gaue und gegen die Menapier lässt er zwei Legaten mit ihren Heeren ins Feld rücken, während er selbstnach Britanien segelt. Die Moriner, weil in diesem Jahre ihre Sümpfe ausgetrocknet, sie also ihrer Schutzwehrberaubt waren, wurden grösstentheils gefangen eingebracht. Die Menapier aber zogen sich in ihre dichtesten Wälderzurück, das übrige Feld und ihre Wohnungen dem Raube und dem Feuer des Feindes Preis gebend. 5 ) Ptolomaeusnennt Gessoriacum (Boulogne) und Teruanna die beiden Hauptstädte 6 ) dieses Volkes, von denen das erstere auchPlinius ') bekannt ist. Das Volk der Moriner stand später unter einem Bischöfe, in der Notitia Episcopatuum „Mo-rinense" genannt, der bald zu Boulogne, bald zu Teruanne seinen Sitz hatte. Carl V. zerstörte letzteres im Jahre1553 und bildete an Stelle des dortigen Bisthums drei Diöcesen: zu Boulogne, St. Omer und Ypern, so dass diebeiden Erstem das Land der Moriner umfassten mit der Ausnahme, dass einige Ortschaften der Menapier dem Bis-thum St. Omer einverleibt wurden, und dass man den Fluss Aa 8 ) als Grenze annehmen kann. Innerhalb des Gebietsder Moriner lagen verschiedene Häfen, unter anderen einer, den Caesar Itius portus, d. h. den Hafen von Itiusnennt, 9 ) von dem aus er nach England überschiffte, um dort seine Eroberungen fortzusetzen, 10 ) der zweite Hafenwar Gessoriacum, auch gleichzeitig Bononia n ) genannt, jetzt Boulogne sur mer.
G. Suessiones, südlich den Veromandui, waren Bundesgenossen der Remi und hatten mit diesen gleicheGesetze, gleiche Magistratspersonen. Sie bewohnten 12 Städte, unter denen Augusta Suessionum, jetzt Soissons, dieHauptstadt war. ,2 ) Die Diö'cese Soissons bestimmt ihre Wohnsitze.
H. Remi, östlich den Suessionen, mit ihrer Hauptstadt Durocortorum, jetzt Rheims, 13 ) einer der bedeutend-sten Städte zur Zeit der Römerherrschaft, von der acht Heerstrassen ausliefen, nach Augusta Treverorum (Trier),Bagacum (Bavay), Augusta Suessionum (Soissons), Jatinum (Meaux), Catalaunum (Chalons-sur-Marne), Nasium (Naix),Divodurum (Metz), Augusto Veromanduorum (St. Quentin). In dem Lande der Remer lag auch Bibrax u ) (Bievrebei Pont-a-Vire).
I. Die Menapii, deutschen Ursprungs, wie fast alle Belgier, 15 J welche wie vorher nachgewiesen die Grenz-nachbarn der Moriner waren, dehnten sich von ihnen östlich bis über .den Rhein aus 16 ) und zwar in der Gegendnicht mehr fern von seinem Ausflusse in das Meer. ,7 ) Zu einer anderen Seite (westlich) wohnten sie neben denEburonen, I8 ) auch die Aduatucer und Nervier waren ihre nächsten Verbündeten. l9 ) Caesar hat sie nie besiegt, 20 )dagegen haben TJsipeter und Tencterer sie vom Unterrhein vertrieben und Augustus und Tiberius haben diese Thatdadurch vollendet, dass sie nach Vernichtung der Usipeter und Tencterer deren freigewordene Sitze auf dem linkenUfer an Deutschen vom rechten Rheinufer vergaben; und so finden sich denn hier später Gugerni und Toxandri 2 ')
') Caesar bei. gal. III. sagt, dass ihr Land sumpfig sei. — 2 ) Sie hiessen auch die Menschen am Ende der Welt, weil VirgilAeneisVHI. 727 sie so aufführte, -was dennPlin. hist. nat XIX. 1. Pom. Mela III. 2 u. der h. Hieronymus im Sl. Briefe -wiederholt haben.—3 ) Caesar bei. gal. II. 4. III. 9 Strabo IV. Plin. hist. nat. IV. 17. Dio. Cassius 39. Orosius I. 2. — ") Caesar bei. gal. III. 28, 29. —5 ) Caes. bei. gal. IV. 22, 38. Die angeführten Thatsachen weisen schon darauf hin, dass die Morini und Menapii Nachbarn waren. Directsagen dieses auch Dio. Cassius und Orosius 1. c, ferner Plinius hist. nat. IV. 17, indem er bemerkt, dass man von der Scheide ausgehendzuerst zu den Menapiern, dann zu den Morinern komme, die Acta Sanctorum IV. S. 200, wonach die Normannen, nachdem sie Teruanna,die Stadt der Moriner, verwüstet haben, von dort in das Land der Menapier ziehen, sowie die Chronik Sigiberts ad annum 881, wo dieNormannen mit den Dänen ihren Zerstörungszug von Teruanna, fines Morinorum, nach den Menapiern und Brabantern richten; siehe auchTacitus hist. IV. 28, wo der Zug von den Menapiern zu den Morinern geht. D'Anville in seinem Atlas hat also ;die Nervier irrigzwischen die Menapier und Moriner gesetzt und bis an das Meer verlegt, wogegen auch Plinius spricht, der sie ausdrücklich Bewohner desinnern Landes nennt. — 6 ) Geogr. IL 8. — ') IV. 17. Dass Cassel im Departement du Nord nicht den Morinern gehört habe, darübersiehe die Menapier. — 8 ) Dieser Fluss entspringt bei Teruanne und wird bei St. Omer schiffbar. — °) Dieser Hafen heisst jetzt Witsand,am Cap blanc-Nez. Der Beweis hierfür ist: dass Ptolomäus das genannte Cap: itium Promontorium nennt, dass Witsand bei denGeschichtsschreibern von 529 ab bis 1327, bei Duoange, stets als Einschiffungsplatz nach England gilt und dabei Witsand und Itius portussynonim behandelt werden, dass die Flamänder den Hafen noch heut zu Tage „den Hafen von Isten" nennen. Calais ist spätem Ursprungs.Der Hafen, wo Caesar in England landete, war Deal. Die weiteren Ausführungen bei: Gibson, de portu Jtio, Oxford 1694; D'Anville,Memoires de l'Accademie des Inscriptions, 4°, Bd. 28, S. 397; Henri, Essai sur Boulogne, 4°, 1810; Richard Hoare, the Itinerary ofArchbishop Baldwin through Wales, London 1806, 4", Bd. L, S. 25. — m ) Caesar, bei gal. V. — ») Pom. Mela HL, 4; Ptolomäus IL, 8;VIII., 2; Peut. Itinerarium Ant.; Plinius, hist. nat. IV., 17; Flor. IV., 12; Eutrop. IX; Zozymus, VI. Codex Theodosius, Eumenius inConstantinum 6. Vita Const. Chlori; Gosselin, Recherches sur les cötes septentrionales de la Gaule. — ,2 ) Caesar, bei. gal. IL, 3, 4, 13;"VTL, 75; Tit. Liv. Ep. CIV.; Hirtius Pansa VIIL, 6; Ptol., Geogr. H., 8; Strabo IV. dagegen Plinius, hist. nat. IV, 17. — «) Caesar,bei. gal. IL, 3—7; V., 56; VI., 12; VII., 60; VIIL, 90; Plinius, hist. nat. IV., 17; Strabo IV.; Itinerar , Peut. Carte; Ptol. IL, 8;Am. Marcellius XVI, 2.; Dio Cassius XXXIX., 93. — ") Caesar, bei. gal. IL, 6. — 15 ) Caesar, bei. gal. IL, 4; Plerosque Beigasesse ortos a Germanis. — 16 ) Caesar, bei. gal. IV., 4; Usipedes et Thenchtheri ad Rhenum pervenerunt, quas regiones Menapiiincolebant, et ad utramque ripam fluminis agros, aedificia vicosque habebant, sed tantae multitudinis aditu perterriti, ex hiis aedificiisquae trans flumen habuerant, demigraverunt et eis Rhenum diopositis praesidiis Germanos transire prohibebant. — ") Ebenda I. ; Usipedeset Tenchtheri — Rhenum transierunt, non longe a mari, quo Rhenus influit. - I8 ) Ebenda VI., 5; Erant Menapii propinqui Eburonumfinibus, perpetuis paludibus silvisque muniti, qui uni ex Gallia de paee ad Caesarem legatos numquam miserant. Sohon die beiden Jahrevorher hatte er aus demselben Grunde eine Veranlassung zu einem Feldzuge gegen sie entnommen; III , 28, 29; IV., 22, 39. —,9 ) Ebenda VI., 2 Caesar cum undique bellum parari videret, Nervios, Aduatucos, Menapios adjunetis cisrhenanis omnibus germanis essein armis. — w ) Dio Cassius sagt dieses direct XXXIX., Caesar selbst indireet. — 2I ) Plinius, hist. nat. IV., 17; Am. Marc. XVII., 8. —