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1,1 (1863) Geschichte der verschiedenen Geschlechter Bocholtz unter besonderer Berücksichtigung der alten Geographie, Rechts-, Sitten- und Culturgeschichte des Niederrheins
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A. Bellovaci. ') Ihre Hauptstadt nennt Ptolomaeus 2 ) Caesaromagus und da dieses auch in dem Itinerarund der Peut. Carte seht, und sich mit Beauvais 3 ) gleichbedeutend ausweisst, so ist der Wohnsitz dieses Stammesbestimmt; nämlich durch die Grenzen der späteren Diöcese Beauvais, in der Notitia EpiscopatumBellovacense"genannt. 4 )

B. Die Ambiani waren die nördlichen Nachbarn der Bellovaci, 5 ) die östlichen der Nervier, die südlichender Atrebaten, und grenzten nach Strabo 6 ) westlich an das Meer und an die Caleti. T ) Ihre Hauptstadt, welcheJulius Caesar Somarobriva, 8 ) d. h. Brücke über die Somme nennt und jetzt Amiens °) heisst, war ein Hauptverkehrsortund Strassen-Knoten, denn es gehen von dort 6 römische Heerestrassen ab, nach Nemetacum (Arras), Augusta Vero-manduorum (St. Quentin), Augusta Suessionum (Soissons), Caesaromagus (Beauvais), Gessoriacum (Boulogne) undCastellum Menapiorum (Cassel). Die Grenzen der Ambiani sind durch die Diöcese Amiens repräsentirt.

C. Atrebates oder Atrebatii 10 ) wurden südlich von den Ambiani, östlich von den Nervii und nordwestlichvon den Morini begrenzt. Ihre Hauptstadt war Nematacum. n ) Ihre Stadt auf der nordwestlichen Grenze, FinesAtrebatum, heisst jetzt Bethune. Beide Orte sind in dem Itinerar und der Peut. Carta verzeichnet. Von Nemetacum,deutsch Atrecht, von den Franzosen jedoch heutzutage Arras genannt, gingen fünf römische Heeresstrassen aus: nachSomarobriva, Taruenna, Castellum Menapiorum, Turnacum und Cameracum. Die Grenzen der Diöcese Arras, in derNotitia episcopatum Atrebatense genannt, sind auch die der alten Atrebaten.

D. Die Nervier (Nervii), ebenfalls deutschen Ursprungs, 12 ) werden vielfach genannt. 13 ) Ptolomaeus nenntBagacum ihre Hauptstadt, li ) deren Bedcutenheit durch die 6 Heeresstrassen bezeichnend genug ausgedrückt ist, welchevon Tournay (Turnacum), Cambray (Camaracum), Rheims (Durocotorum), Tongern (Atuatuca Tongrorum), Ablas(Tablae) und St. Quentin (Augusta Veromanduorum) auf sie zulaufen Ihre andere Hauptstadt war Cambray. DasGebiet der Nervier weisst das erste Bisthum ihres Landes nach, es bestand aus 1. dem Pagus camberacensis mit demHauptorte Cambray, 2. Pagus Hainon mit dem Hauptorte Maubeuge, 3. Pagus fanomartensis mit dem HauptorteFamars (Fano Martis), 4. Fania, la Fague, mit Avennes, 5. der Carbonaria sylva, endlich 6. dem Pagus Brachban-tensis (das alte Brabant), so dass also die Nervier südlich Bheims und die Veromandui, westlich die Scheide vonfast ihrem Ursprünge und jenseits die Atrebates und Menapii, nördlich und nordöstlich die Scheide mit der Dyle unddie Menapii und weiter östlich die Eburonen und den Ardenner Wald zur Grenze hatten, jedoch in der Art, dasszur Zeit des Julius Caesar oder des Kaisers August an die Stelle der Eburonen die Atuaticii oder Tungerer traten.Im Jahre 934 wurde das Bisthum Cambray auf den Gau Cambray beschränkt und aus den übrigen Theilen das Bis-thum Lüttich (zuerst Sitz zu Tongern, dann bis 709 zu Mastricht) bereichert, woraus dann 1559 weiter das BisthumMecheln geschieden wurde.

Den Nerviern waren nach Caesar 13 ) mehrere Völker unterthan, nämlich Levaci, Geiduni, Pleumoxii, Grudiiund Centrones, von denen man die ersten bei Lieven-Eschel (Soteghern), die zweiten bei Gend, die dritten bei Pom-merceus, die vierten bei Oudenarde und die letzten bei Termonde sucht.

E. Die Veromandui, Nachbarn der Nervier, wohnten in den Grenzen der Diöcese Noyon. Ihre Hauptstadt,Augusta Veromanduorum, nennt Ptolemaeus 16 ); sie kommt auch im Itinerar und in der Peutingerschen Carte vor undheisst jetzt St. Quentin, seitdem dieser Heilige dort beigesetzt ist. ") Die Wichtigkeit dieses Ortes für die Römerist durch ihre 3 Heeresstrassen bezeichnet, die von Soisson, Amiens und Bavay dorthin liefen. Man hat auch dasPflaster einer vierten entdeckt nach Rheims über Laon. Die Veromandui waren Grenznachbarn der Atrebaten. 18 )Der Bischofssitz wurde im 6. Jahrhundert durch den h. Medardus von Augusta Veromanduorum (St. Quentin) nachNoviomagus (Noyon) verlegt. Der letztgenannte Ort erscheint zuerst in dem Itinerar und der Notitia Dignitatum imperii.

l ) De bello gallieo II. 4, 14. VII. 69, 75. Strabo IV. Titus Livius Epit. CXIV. Eumen. Pan. ad Const. 2. 2) Ptol II. 8. 3 ) Beauvais heisst in der Notitia provinciarum galliae: Bellovaci und das dortige Bisthum: Bellovacense. In Beauvaiz findet man auchrömische Denkmale, Inschriften, Strassen eto.; nichts desto weniger hat man, nicht Beauvais, sondern Breteuil für die Hauptstadt derBellovacen ausgegeben, bloss weil Caesar sie Bratuspantium (sc. civitas) nennt und dieses Wort mit Breteuil Namensverwandtschaft hat.In Breteuil indessen gibt es keine Kömerdenkmale und Strassen. Hierbei noch die Bemerkung, dass das Bratuspantium im 3. Bande diesesWerkes S. 8 das Schicksal mit demselben Worte bei den Bolandisten V. 25 scheint theilen zu müssen, von dem Mabillon in seiner hist.de l'ordre de saint Benoit V. 308 beweisst, dass statt dessen Brabantensium zu lesen ist. 4 ) Weidenbach Calendarium. Eegensburg 1855.S. 264. Es ist diese Notitia aus dem 13. Jahrhunderte. 5 . Caesar de bei. gal. VII. 75. Ptol. II. 8. Plin. hist. nat. V. 3.6 ) Strabo IV. ') Die Caleti (Caesar de bei. gal. VII. 75.) hatten nach Ptolomaeus Qeogr. II. 8 Juliobona (Lilebone) und ihre Nachbarn,die Vellocasses, auch Veliocasses, (Caes. de bei. gal. II. 4, VII. 75) Rotomagus, jetzt Rouen, zur Hauptstadt. Beide Völker bildeten dasspätere Bisthum Rouen. e ) Caes. de bei. gal. H. 4, 15. V. 14, 43, 46. Ptol. V. 8. .Auch in Cicero's Briefen ist Rede davon.°) Schon im 4. Jahrhundert wird es nicht mehr Sommabriva, sondern Ambiani genannt. Am. Marc. XXVII. 8. Not. provinc. galliae.10 ) Strabo IV. Plinius hist. nat. IV. 17. Caesar de bei. gal. V. 75. n ) Bei Ptolomaeus, der jedoch die Atrebaten irrig an die Seineverlegt, heisst ihre Hauptstadt: Atrebatii Metacum; an Stelle dessen haben die jüngeren Ausgaben irrig: Orgiacum (Orchies) eingeschoben.Geogr. II. 8. 12 ) Tac. Germ. 28: Treveri et Nervii circa affectionem germanicae Originis ultro ambitiosi sunt. Appian de bellis gallicis lässtsie von den Cimbern und Teutonen herkommen. «) Caesar bei. gal. II. 4, 15, 19. V. 24, 38, 39. VI. 2. VII. 75 Dio. Cass. XXXIX.94. XL. Tit. Liv. Epit. CIV. CXXXIX. Tac. hist. IV. 66. Plin. hist. n. IV. P. Orosius VI. 7, 9. Appian IV. 4. Ptolmaeus II. 8. LucanPharsal. I. 428. Gruter Insc. 266, Nr. 4, 874, Nr. 1. ») In der Peut. Carte Bagaconervio. >s) Caesar bei. gal. V. 39. '») Geogr.II. 9. ") Die Lage wurde früher bestritten und Vermand (Castrum Vermandi) für Augusta Vermanduorum ausgegeben. Allein die Distanzendes Itinierars und der Karte stimmen genau für St. Quentin, nicht für Vermand. Vergl. Belley, Memoires de TAccademie des Belles-Lettres,XIX. S. 671. iH ) Caesar bei. gal. H. 4, 16. Tit. Liv. CIV.