Druckschrift 
1,1 (1863) Geschichte der verschiedenen Geschlechter Bocholtz unter besonderer Berücksichtigung der alten Geographie, Rechts-, Sitten- und Culturgeschichte des Niederrheins
Entstehung
Seite
189
Einzelbild herunterladen
 

189

altes Bett verliess. ') Zu diesen Misslichkcitcn, welclic allein schon manches Volk von seinen weitem Eroberungsplänenabgeschreckt haben würde, kam noch der Mangel an geeigneten Verkehrsstrassen, geringe, vereinzelte Bevölkerung,ungeheure Waldungen 2 ) mit reissenden Thieren und muthige, wenig bedürfende Gegner. Indess dieses alles hielt dieRömer nicht ab, ihre Eroberungen in unserer-Gegend zu vollenden und dadurch sich für unsere Cultur und Bildungverdient zu machen. Wir wollen sehen, wie sie es angefangen haben, blühende Städte und Ortschaften zu schaffen,den Boden zu verbessern und mit Villen zu bedecken, Steinstrassen, Dämme und Brücken zu bauen, Reben, Obstbäumezu pflanzen, überhaupt das Ganze so zu umstalten, dass die Landschaft uns gegenwärtig als ein grosser Gartenentgegenlacht.

II. IiObbericli und Bocholt/, zur Zeit der Römer.

1. Julius Caesar und sein Einwirken auf die dortige Gegend.

Der erste römische Feldherr, der mit seinem Heere unsere Gegend 3 ) berührte, war Julius Caesar. Umseine Züge und namentlich wie weit sie sich ausgedehnt haben zu verstehen, muss man die Wohnsitze derjenigenVölker kennen, die er nennt. Er unterscheidet in Gallien drei Haupt-Völker 4 ): Belgier, meist Deutsche s ), Aquitanierund Celten, letztere von den Römern Gallier genannt. Von den ersteren, 0 ) auf die es hier vornehmlich ankommt,führt er folgende Stämme auf:

2 o 2 4 6 8

') Zur Controlle hier die Pegelhöhe über die Nordsee, wie sie durch die neuesten amtlichen Vermessungen festgestellt sind:

, Rheinischo

Rhein. Pus9 . z .Nullpunkt des Rheinpegels

zu Cöln......114 3

dito zu Düsseldorf ... 85 1

"VVerfthöheamKrahnendas. 105 5

Wasserhöhe von 1819 das. 110 5Friemersdorf Wasserhöhe

von 1819..... 98 2

Orsoy ober. Rand d. Sohlbank 89 11Nullpunkt des Pegels bei

Ruhrort ...... 07

dito dito

dito dito

dito dito

dito dito

bei Vynen. .,, Wesel . . Rees . . Emmerich

40 949 437 1130 8

Wasserstand daselbst 1809

,; 1829

Nullpunkt des Pegels bei

Haus Hoiman ....

5755

30 8

Niers. **£**<

Schaafsmühle bei Wanlo . 224 6Wichrather Mühle ... 187 10Nullpunkt des Pegels bei

der Odenkircher Mühle. 172 4desgl. bei der Millendonker

Mühle.....132 4

desgl. bei Cloerather Mühle 108 10

desgl. ,, Oedter Mühle . 100

desgl. Langendonker M. 96

desgl. Niersdonker M. . 91

desgl. WachtendonkerM. 81 11

desgl. ,, Geldernschen M.

desgl. ,, Schraeveler M. .

desgl. Gocher Mühle .

desgl. Geneper Mühle .

desgl. Spiegel der Maas bei

72584227

Genep

25

RheinischeFuss. Z.

133 52

r>4

Chaussee.Neuss Quirinusmarkt . .

Rheinthor. . . .116

Zu Heerdt......109

Garzweiler......254

Latum an der Barriere . 105Uerdingcn, Niederthor . . 101

Kaldenhausen.....99

Trompette ...... 94

Brücke zu Mors .... 96

Rheinberg, Rheinthor . . 84Birthen am Schwan . . 71

Fürstenberg.....230

Xanten, Mars-Thor ... . 88

Kehrum....... 64

Qualburg, Kirche ... 60Cleve, Emmericher Thor . 52Donsbrügge..... 61

Chaussee.Schloss Moyland . . . .Nütterden, Capelle . . .Cranenburg, Clever Thor. Nymweger ThorHochstrasso . . , , .Wyler, Küsterei Land . .Holländische Grenze . .Cleve, Haagsches Thor

Fleps........

Höchster Punkt daselbst .Nütterder Papiermühle. .Frasselter Berg . . . ,

Rheinischo

Fuss. Z.

57

55

50

45 5

4548

46145232291

9181

Kellen....... 51

Am alten Rhein .... 51 yrr-

Warbeyn ...... 51

Hurendeich...... 60 2

Am Rhein...... 47

2 ) Tacitus Germ. 5 sagt zwar nur im Allgemeinen, ohne unsere Gegend besonders zu erwähnen, dass Deutschland durch seineWaldungen abschreckend sei, hebt aber von unserer, an Gallien stossenden Gegend ihre feuchte Lage hervor, wohl Folge der vielen Brüche.Dagegen könnte man nach Julius Caesar annehmen, weil er lediglich von dem grossen Hercynischen Walde auf dem rechten Rheinuferspricht, den auch schon 200 Jahre vorher der Grieche Eratosthenes unter dem NamenOrkynia" kannte, dass auf dem linken Rlieinufernur unerhebliche Waldungen sich vorgefunden haben müssten , wenn nicht Caesar an anderen Stellen, die später urkundlich vorkommendengrossen Waldungen, die Geschichte der Entstehung der einzelnen Ortschaften, die bei vielen schon in dem, die Rottung bekundenden Namenliegt, so wie die vielen Harte, was im Allgemeinen Wald bedeutet und woraus Hercynischer Wald hergeleitet ist, genugsam den Gegenbeweislieferte, den die Geschichte der Markenverfassung, von der auch Caesar und Tacitus Nachrichten haben, zu ergänzen vermag. Vergleicheauch Pomponius Mela III. 3., Strabo IV, und VII, und Plinius bist. nat. XVI. 1., der aus dem Schatten der vielen Eichenbäumo die KälteDeutschlands herleitet. 3 ) Don Beweis hierfür unten. *) De hello gallico I. 1. 5 ) Ebenda II. 4. '>) Ebenda V. 12, 24, 25.