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1,1 (1863) Geschichte der verschiedenen Geschlechter Bocholtz unter besonderer Berücksichtigung der alten Geographie, Rechts-, Sitten- und Culturgeschichte des Niederrheins
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Brüggen an der Schwalmcn ist gegenwärtig ein Flecken, Sitz des Bürgermeisters und hatte 1834 5kirchliche, 2 öffentliche, 116 Wohn- und 76 landwirtschaftliche Gebäude nebst 2 Mühlen und 520 katholische,71 evangelische und 19 jüdische Einwohner. Es war einst Hauptort des gleichnamigen jülich'schen Amts, dabei eineStadt, zur Diöccse Lüttich (jetzt Münster) gehörig, und stark befestigt. Das Schloss, mit dessen Abbruch jetztbegonnen wird, war durch zwei Gräben und einem dazwischen gelegenen, noch jetzt theilweise erhaltenen, circa30 Fuss hohen, inwendig aufgemauerten Wall geschützt und die sich daran lehnende Stadt durch einen besonderenGraben und gemauerten Wall damit verbunden. Die vortheilhafte Lage begünstigte die Ansiedelung, unter der sichnamentlich mehrere, durch ihre Arbeiten berühmte Weber auszeichneten. Auch wurde dort ein Kreuzherren-Klostergegründet, dessen Kirche noch jetzt den Katholiken als Pfarrkirche dient. Das Klostergebäude wurde, nach seinemVerkaufe durch die Franzosen, zu einer Fabrik umgewandelt und vor circa 40 Jahren für eine mechaniche Seiden-Weberei, die älteste im Preussischen Staate, eingerichtet.

Die Entstehung von Brüggen fällt in das graue Alterthum und hängt mit dem 20 Minuten südlich gelegenenBorn zusammen, ') wohin Brüggen bis zum Anfang dieses Jahrhunderts zur Pfarre gehörte. Zur Vernichtung seinesFlores wirkte, ausser anderen Ursachen, die Feuersbrunst vom Jahre 1751, welche den Ort fast ganz in Asche legte;nichts desto weniger zählte Brüggen im Jahre 1804 noch 300 Häuser und 2000 Einwohner. 2 ) Das Schloss erhieltseine gegenwärtige Gestalt durch den Grafen Vincenz von Moers. (14521472.)

Elergut lag im Kirchspiel Wankum, Decanat Süchtelen, und war damit eine Latenbank verbunden; es warLehn der Familie Spee zu Wankum 3 ) und ist jetzt verschwunden.

Qartzweiler, früher auch Gatzweiler, Kirchdorf und Sitz eines Bürgermeisters, im Kreise Grevenbroich,zählte 1834 188 Wohn- und 220 landwirtschaftliche Gebäude, 2 Mühlen und 862 katholische, 190 evangelische und44 jüdische Einwohner. Es gehörte zum ehemaligen jülich'schen Amte Caster und muss einen Theil des BergheimerDecanats ausgemacht haben, obgleich es im liber Valoris fehlt. Die Pfarrkirche daselbst ist dem h. Pancratius geweiht. 4 )Grevenbroich 5 ) an der Erft, im ehemaligen Decanate Neuss gelegen, ist jetzt eine Stadt mit zwei Kirchen,von denen die Pfarrkirche dem dortigen, zur französischen Zeit aufgehobenen Cistercienser-Kloster incorporirt war,Sitz eines Landraths, Friedensrichters und Bürgermeisters, und zählte im Jahre 1836 neben einem Stadthause, 122Wohn-, 5 Fabrik- und 116 landwirtschaftliche Gebäude, 701 katholische, 37 evangelische und 42 jüdische Einwohner,in diesem Jahre indessen fast das' Doppelte an Wohnhäusern, Fabriken und Einwohnern. Der Ort war früherPlauptsitz der Dynasten von Broiche, Grafen von Kessel, mit dem Löwen im Wappen,der bald gekrönt, bald ungekrönt ist, wie hierneben abgebildet, und liiess ursprünglichBroich, weil er im Bruch lag, wurde aber später zum Unterschiede von anderengleichnamigen Orten Grevenbroich, d. h. Grafenbroich, genannt, weil die Grafen dortihren Sitz hatten. Nach dem Aussterben der Letzteren, deren Geschichte ich in meinemWerke über die Cölnischen etc. Geschlechter Bd. I. S. 217, 218 und Bd. IL S. 77mitgetheilt habe, kam deren Land an die Grafen von Jülich 6 ) und wurde unter dem Titel: Amt Grevenbroich voneinem besonderen Amtmanne verwaltet, der in der alten Grafenburg seinen Sitz hatte. Was von dieser noch vorhandenist, die vormalige Rentei, zeigt die vorstehende Abbildung; die eigentliche Burg stand links davor und war, wie dieRentei, jede für sich, mit Mauer, Wall und Wasser umgeben. Die Rittersitze und Lehne des Amts, sowie seine

') In einem Aktenstücke des Archivs zu Lüttich, Decanat Süstern, wird davon Folgendes erzählt:Circa Annum 897 habendie vornehme, auss Italien herkommende Grafen, Malfridus vndt Gerhardus, getrewste Dieneren des Königs Zwendiboldi, ausgerichtet eineFestung zur Brüggen, aus welcher sie grossen Schaden gethan den Saracenen vndt Nortmannen , sambt anderen feynden des KönigsZwendiboldi: nachdem aber anno 900 Zwendiboldus mit den gemelten trewsten Dieneren, Malfrido vndt Gerhardo in einem Streidt todtblieben, ist Stephanus, Sohn des Gerhardi, verheyrathet mit Catharina, Dochter des Goswini, beeren zu Omeren, auff der Festung Brüggenblieben, vndt Wali'ridi (sie) Sohn, mit nahmen ferdinandus, auch einen furtrefflichen Kriegsheldt, verheyrathet mit Caecilia, Schwester derh. Hilsuindis, Marckgräfinnen zu Francimont vndt Gräfinnnen zu Hoy, bawet anno 903 ein Casteel in dem Moilach (soll heissen Moila)bey der festung zur Brüggen, welches jetzt ein Ambt und Stadt ist. Dieses Casteel ist auch, von wegen den daselbst springenden Brunnen,Born genant. Ferdinandus aber, von wegenden vmbliegenden Mühlen, Mühlenstraum, bald aber hiernacher Mülstroue'genannt ist. Ferdinandusbekommt zu seinem gemerck einen stern mit einem balken, oben druff dem gemerck einen pawen kopff, weilen, gleich wie die stimmeeiner pawen grosse forcht anbringet den schlangen, also die grosse fürsichtigkeit, verstand, vnd nahmen Ferdinandi sambt seiner Eiterenvndt voreiteren den feynden der Königen vndt Keyseren eine grosse forcht verursachet hatte, vndt gleich wie die Sterne in der finsterniss,also selbige mit gutem rath vndt herlichen thaten in allerley beschwernussen geleuchtet, vnd gleich einen balken in allen vnfällen fast vndtrew sich erzeygt haben bis in den todt zu, welches geschlecht jetzt zur Zeit noch zu finden, dass obgesagte Casteel aber, gleichwie es titulo emptionis von dem gemelten geschlecht abgangen, also ist es auch vor vndt nach durch Krieg der Saracenen vndNortmannen von selbigen zu Wasser belagert, aber nit erobert, wie auch zum letzten anno 1542 24. augusti gäntzlich vndt gründlichabgebrochen, verberget vndt ruinirt . Brüggen aber von Reyneri, eines auffrührichen Grafen zu Hennegau nachkomlingen mit stürmenderhandt eingenohmen vnd nach gänztlicher Verhergung anno 1264 widerumb aufgebawet und renovirt." Schade, dass die Familie Olmüssengenannt Mülstro ausgestorben ist und der Gothaer Kalender nichts mehr von dieser Erzählung profitiren kann. Hier hätte er doch,-wennauch plumpe Erfindung, etwas von Geschichte. 2 ) Bd. II. S. 101, Nr. 92. 3 ) J. Schmidt Geographie und Geschichte des HerzogthumsBerg, der Grafschaft Mark, des Ruhrdepartements und des Herzogthums Limburg. 1804. S. 302. 4 ) Sie ist mit 40 Morgen Ackerland,4 Malter Roggen Sackzehnten und einem Kapaun dotirt und war der Herzog von Jülich ihr Collator. ' 5 ) Nicht zu verwechseln mit demgleichnamigen Castell zwischen Herzogenbusch und Mastricht. 6 ) Nachdem deshalb zwischen dem cölnischen Erzbischofe Sigfrid und demGrafen Walram von Jülich zuerst eine Fehde und demnächst, 9. März 1290, eine Sühne stattgefunden hatte, worin die Parteien ihre Rechtedem Ausspruche von Schiedsrichtern unterwarfen und endlich vom Herzoge Johann von Brabant am 24. Juli 1307 zwischen dem ErzbischofeHenrich und Grafen Gerhard zu Gunsten des Letzteren erkannt worden war. Bd. II. S. 539, Nr. 907. Lacomblet Bd. III. S. 39, Nr. 54.