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Im Jahre 1770 bittet die Frau von Ziegesar, welche auf der Vossemnühle wohnte und in ihrem Siegel einWappen mit drei Blättern führte: dass der Lehnherr ihr gestatten wolle, 200 Thlr. auf ihr Drittel Antheildes Brockhofes aufzunehmen Sie motivirte ihr Gesuch mit kündbarer Armuth und Krankheit, welcheletztere ihr nicht einmal gestatte, sich bettelnd zu ernähren. Ihr Bruder und ihre Schwester widersprachenbeidem und warfen ihr sogar eiu'luxuriöses Leben vor. Nach dreijährigem Hin- und Herschreiben wurdeihrem Gesuche willfahrt. Im Mai 1779 starb der Oberstlieutenant von Raesfeld kinderlos und folgten ihmseine beiden Schwestern im Lehn; sie wurden 1780 belehnt. Am 12. Febr. 1789 starb auch von ihnen dieletzte, die Steprath , worauf der Fiscus, weil beide kinderlos waren, das Lehn caducirte. In Folge deseintretenden Sequesters wurden die Verhältnisse des Gutes untersucht, die nöthigen Verzeichnisse angefertigt und ergabsich Folgendes:
Bis dahin war von dem Brockhof abgesplissen: 1. die Lütlelforster Mühle und der Hof zum Dahl mit 22 MorgenAckerland und mit Holzung, welches zusammen für ein Viertel des ganzen Riltersitzes gehalten wurde; 2. 20 Morgen Land,seil 1606 an Einwohner von Waldniel verkauft. Der übrige Theil des Rittersitzes bestand: aus dem Hauptsitze mit dazugehörigem Bauhofe, 80 Morgen Acker, Holzung, 2 Mühlen, Vossen- und Hauser-Mühle, sämmllich verpachtet, und ausGefällen. Die Verwaltung fand schon seit undenklichen Zeiten durch einen Renlemeister statt, der folgender Art besoldetwurde: die Herrschaft des Riltersitzes gab ihm von der Einnahme der jährlichen 31 Thlr. betragenden Revenuen 1 Thlr.;die Pächter des Hofes und der Mühlen mussten ihm laut Pachtact ein Neujahr geben. So oft eine Latengerechtigkeit zurErhebung kam, erhielt er 31 Slüber. Für jeden abgehaltenen Latentag gab ihm die Herrschaft 45 Stüber, wofür er dieLaien und den Latenbolen zehifrei halten musste; endlich bei jeder Erneuerung des Pachtbriefes mussten ihm die Anpächterein Geschenk für die Anfertigung des Pachtbriefes geben: so berichtete 1789 der letzte Reutmeister, Arnold Hüllender zuWaldniel, welcher dem Sequester Tlatz machen musste.
Das Register der vorgefundenen Literalien enthält 174 Nummern, worunter Zinsrollen auf Pergament von denJahren 1300 und 1364, ein Z,insregister von der Boisheimer Mühle von 1393 und mehrere Latenbüchcr.
Ueber die Gefälle und Renten berichtete der Sequester: Der Brockhof empfängt Sonntag nach Mariae Geburtim Ummeler Hofe: 30 Stüber, 2 Pfd. Wachs und 14 Hühner. Davon bekommen die Schelfen 15 Stüber und für den Stuhlund Tisch, der am Platz des Empfangs geliehen wird, zahlt man 6 Stüber Trinkgeld. Sonntag nach Lamberti, Morgens nachder Frühmesse, werden auf dem Hause Brockhof empfangen: 52'/ 2 Stüber, 7 Pfd. Flachs und 29 Hühner, 31 '/ 2 Sester Hafer.Davon erhalten die Schelfen 24 Stüber. An diesem Tag muss den Schelfen und den Laien das Essen gegeben werden,welches jedes Jahr circa 3'/2 Rchthlr. kostet. Sonntag nach Lamberti werden auf dem Crapohl zu Dülken Nachmittags, vorSonnen-Untergang, gehoben: 33'/j. Stüber und 9'/ 3 Huhn; es mussten zwar 11 ] / 3 Hühner sein, aHein der Gerichtsboteerhält eins pro publicatione und eins wird ex consideratione nicht gehoben. Die Scheffen erhalten von obigen 33'/^ Stüber12 Stüber und auf dem Platz des Empfangs wird 8 Stüber Trinkgeld gegeben. Ausserdem werden stehend erhoben:2 Malter und ein Viertel Hafer. Das Viertel wird sofort dem Pferd gegeben.
Sonntags nach Andreae, vor Sonnen-Untergang, werden in dem Hause Brockhof geliefert: 2 Rchtblr., 2 Slüber,.6 '/a Pfd. Flachs, 11 Hühner und 2 Kapaunen sammt 34 Sester Hafer. Hiervon gebührt den Scheffen, neben freiem Essen,jedem 12 Stüber, zusammen 54 Stüber; auch wird je das 4. Jahr 1 Huhn und 5 Stüber und je das S.Jahr 2'/ 2 Pfd. Flachsweniger geliefert, bleibt im Durchschnitt jährlich lO 1 /^ Huhn.
Von diesen Präslationen behält der Rentemeister den Wachs, Flachs, das Geld und die Kapaunen, dagegen musser die Scheffen bezahlen, auch deren Essen, sowie das Essen der Laten bestreiten; die Herrschaft erhält jährlich nur die12 Malter 5'/ 2 Sester Hafer und 62 2 / 3 Hühner.
Die drei zum Rittersitze gehörigen Realitäten wurden 1789 auf 24 Jahre verpachtet. Der Bauhof, zum Rittersitzegehörig, bestehend aus Haus, Scheune, Stallung, alle in Lehmwänden und mit Stroh gedeckt, erbrachte 135 Reichsthalerjährlich und als Weinkauf 8 Stein Flachs. Für Misswachs, Hagel, Kriegsschaden \ ersprach Verpächter nach seiner EinsichtNachlass zu gewähren.
Voosen Mühle, bestehend in Haus, Hof, Garten, Weier und Broich, erbrachte 50 Rchsthlr. jährlich und alsWeinkauf ein für alle Mal 25 Rchslhlr. Die Wassermühle dicht neben dem Rittersitze sammt Länderei that 90 Thlr.
An Chuimuth und zwölften Pfenning für Mutationen wurden im Jahre 1789 erhoben: 1. von Andreas Joppenfür angetauschtes Land 1 Rchsthlr., von Vitus Berger wegen angekauften Landes aus Tegeneer Gut 30 Stüber, 3. von einemneuen Zinsträger wegen bommerisch Gut 11 Stüber, 4. von Lenz Lepper wegen gekauften Landes aus Ilageshof 40 Stüber,5. von Witlwe Lambert Windhausen für angekauftes Land aus Eikenerhof 9 Reichsthaler, 6. von Amt Baeumges wegenKauf aus Muntenhof 3 Rchslhlr. 40 Stüber, endlich 7. von Christian Berger für angekauftes Land aus Hageshof 40 Stüber.Summa 15 Rchsthlr. 41 Stüber. Im Allgemeinen gab der Sequester die Intraden an Hühnern, Flachs, Hafer, Geld, Churmulhund zwölften Pfenning jährlich auf durchschnittlich 100 Thlr. an.
Kaum war der Tod der Generalin von Steprath der churfürstlichen Regierung zu Düsseldorf angezeigt, alssich auch deren Chef, der Holkammerpräsident Maxmilian Freiherr von Bentink, und dessen Schwager, Job. Wilh. Freiherrv. Myrbach, zu dem Lehne meldeten. Beide waren Söhne der letzten Erbtöchter der Familie von Bocholts, aus der Liniezu Bocholtz, und stützten ihre Ansprüche auf den gemeinsamen Stammvater, den sie in einem offengeleglen Stammbaumalso deducirten :
Godfrid v. Bocholtz zu Bocholtz, Hove, Brock, Wilre, h. Aleid Gräfin von Moers.
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1. N. von Bocholtz. 2. N. von BochoUz.
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Godfrid v. Bocholtz vereinigte alle Familiengüter in seiner Hand, h. Aleid v. Krickenbeck. Ihre Kinder theilten Johanni 1360.
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1. Gisbert, 2.Henrich, zogen nach Curland. 3. Winand, stiftete die Linie zu Waldniel, h. Anna v. Biland. 3. N., Stammvater der Prätendenten.