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Wachtendonck, in die Reichsacht, weil sie sich geweigert haben, dem Herzog Adolph von Jülich u. Berg zu huldigen. Am 31. Dec.1434 tritt Wilhelm von Jülich Schloss, Stadt und Land Wachtendonck dem Herzoge Arnold von Geldern und am 11. Mai1448 Adolph von Cleve dieselben seinem ältesten Sohne Johann ab. Am 8. Sept. 1467 verbinden sich Ruprecht, Erwählter vonCöln, und Herzog Adolph von Geldern, verschiedene Städte und Schlösser, unter anderen auch Wachtendonck, von demHerzoge von Cleve zurück zu erobern. Am 9. Dec. 1468 kommt ein Friede zwischen den Parteien zu Staude. Johan vonCleve, der erlegen hat, muss 5000 Gulden Lösegeld für die Gefangenen zahlen, die Pfandschaft von Wachtendonck undverschiedenes Andere anerkennen; dagegen verspricht der Erzbischof die Bollwerke, welche er gegenüber Wachtendonckzu dessen Belagerung angelegt hat, zu schleifen. Einige Jahre später erseheint Herzog Johan von Cleve für Herzog Arnold vonGeldern, der von seinem Sohne in Gefangenschaft gesetzt ist, gegen letzteren in offenem Felde, befreit den Valer und setztihn wieder in die Regierung ein. Dafür und für vorgelegte Gelder überträgt ihm letzterer am 16. August 1471 einePfandschaft an Wachtendonck l ) Dasselbe geschah am 24. Juli und 3. August 1473 durch Carl, Herzog von Burgund, zuGunsten des Herzogs Johan von Cleve, weil ihm dieser bei der Unterwerfung des Herzogthums Geldern geholfen hatteAm 19. Juni 1498 gewährten König Maximilian I. und Erzbischof Philipp von Cöln dem Herzoge Johan von Cleve diePfandschaft an Wachtendonck auf Lebzeit und schliesslich am 2. Januar 1544 wurde in Folge Friedensschluss zwischenKaiser Carl V. und Herzog Wilhelm von Jülich, Cleve und Berg, de dato Venlo 7. Dec. 1543, über die Lehne undPfandschaften verhandelt und Wachtendonck, als Pfandschaft, Cleve zuerkannt.
Während man so über Wachtendonck hin- und herstritt, hatte Carl, Herzog von Geldern aus dem Hause Egmond,anders verfügt und Burg, Stadt und Land Wachtendonck für 17000 Goldgnlden an Otto Schenk von Nydeg^en, Ritter,in Pfandnutzung gegeben und dabei am 4. Dec. 1504 noch besonders versprochen: die auf die Befestigung der Burgverwendeten Kosten sämmtlich zu vergüten. Diese Pfandschaft übertrug die Wittwe Otto's im Jahre 1547 auf GodfridFreiherrn von Bocholtz, Herrn zu Grevenbroich und dessen Frau Alexandrine von Wittenhorst, was Kaiser Carl V. alsHerzog von Geldern genehmigte. Godfrids älteste Tochter, Margaretha, erbte die Pfandschaft und brachte sie an ihrenEheherrn, Arnold Freiherrn Huyn von Geleen und Spaubeck, der 1578 die Pfandschaft antrat. Unter ihm wurde Wachtendonckbelagert; der Herzog von Parma sandte seinen General, den Grafen Carl Ernst von Mansfeld, davor, der zwei hohe Batterienaufwerfen und von diesen aus die Stadt derartig, wie es heisst unter Anwendung der bis dahin unbekannten Bomben,beschiessen Hess, dass alle Häuser niedergelegt wurden; die Besatzung indess wurde dadurch nicht entmuthigt. Sie bestandaus 400 kriegserfahrenen Männern unter den Fahnen von Chircourt, Knoop, Kitlis und Schenk und aus 40 Reutern, welcheCornet Schenk commandirte. Sie grub Löcher in die Erde, in denen sie wohnte, und vertheidigte den Platz mit allerTapferkeit drei Monate lang. Dann begann Chircourt mit dem Feinde zu unterhandeln und übergab den Platz auf billigeBedingungen, obgleich die Bürger dagegen waren und selbst Entsatz unter Graf Solms und Schenk im Anmärsche war.'Man gibt die Gründe zur Uebergabe verschieden an, einige behaupten, Chircourt sei dazu von seinem Bruder, der unterParma diente, beredet, andere erklären, der Pulvervorralh sei verbraucht gewesen.
Im Jahre 1600, 23. Januar, eroberte Ludwig von Nassau die Stadt zurück. Er zog am 22. Januar mit 8Fahnen-Reuter und 800 Mann Fussvolk bei hohem Schnee Nachts davor; eine Abtheilung setzte im Stillen über die zuge-frorenen Gräben, erschlug die Wachen und öffnete von innen die Thore, durch welche die sämmtlichen Belagerungstruppeneindrangen. Der Herr von Geleen, der nur 80 Mann Besatzung bei sich hatte, (die Reuter waren auf einem Streifzuge)entfloh mit ihnen in die vor der Stadt liegende Burg, die nun der Feind zu beschiessen begaun. Der Herr von Geleenschickte nach Roermund zum Grafen von Berg. Zu spät. Der Feind lief Sturm, die Belagerlen wehrten sich tapfer, eineMagd sogar warf eine Leiter um, auf der 5 Mann standen, die alle umkamen; allein der Feind war zu stark, die Burgwurde erobert, der Herr v. Geleen, sein Constabler und fast die ganze Besatzung blieb im Kampfe. -) Ludwig befestigteWachtendonck, worin er reiche Beute fand, weil die umliegenden Bauern alle ihre Vorräthe dahin geflüchtet hatten, aufdas Stärkste und machte von dort Streifzüge in das Aachener und Cölner Gebiet.
Im Jahre 1603 nahm Henrich Graf von Berg mit List die Burg ein. Ein Fischer, in dessen Nachen 12 Soldatenmit Stroh bedeckt lagen, legte an der Brücke der Burg an, und bat die Schildwache, sie möge ihm die Hand reichen,damit er landen hönne. Die Schildwache leistete gulmüthig den Dienst und wurde dafür ins Wa c ser gezogen und unter-getaucht. Im selbigen Augenblicke sprangen die 12 Soldaten unter dem Stroh hervor, bemächtigten sich der Pforte underoberten die Burg, wobei der Commandant Ryhoven gefangen genommen wurde. Die Einnahme halte indessen keinenErfolg. Die Stadtbesatzung unter den Rittmeistern Cloet und Quad eroberten am sechsten Tage die Burg zurück.
Im Jahre 1605 ertheilte Graf Spinola dem Grafen von Bucquoy Befehl, Wachtendonck zu erobern. Dieser zogmit 4000 Mann zu Fuss und 6000 zu Pferde davor, setzte, da des trockenen Sommers wegen das Wasser sehr klein war,unmittelbar durch die Gräben, unterminirte die Wälle und brachte die Besatzung in solchen Schrecken, dass sie Stadt undBurg am 28. October übergab.
Wachtendonck vererbte sich hiernächst folgender Art: Obiger Arnold Huyn von Geleen hatte zwei Söhne : 1. Godfrid,Deutsch-Ordens Comthur zu alten Biesen, jenen tapferen, aber in seinen Unternehmungen unglücklichen kaiserlichen Generalgegen die Schweden; er ist kniend neben seinen Vater in der Kirche zu Wachtendonck abgebildet. 2. Arnold Wolfgang,zum Graf erhoben. Dieser heirathete Maria Marg. Freiin von Huyn zu Amstenrath und kaufte mit ihr, 1649, vom KönigePhilipp von IV. Spanien die Herrlichkeit Wachtendonck für 137,000 Gulden, nämlich: 17,000 alte Pfandsumme, 28,000Verbesserungs- und Herstellungskosten, 20,000 rückständige Zinsen 3 ) von 1618—49 und baar 72,000. Er hinterliess nureiue Tochter: Godfrida Maria Anna, welche in ihrem 17. Jahre den Prinzen Otto von Salm heirathete, aber am 2. Nov. 1667in Wochen, zwei Stunden nach der Geburt ihrer einzigen Tochter Maria Dorothea starb. Letztere, eine der grössten Wohl-thäterin der Stadt Wachtendonck, besonders nach dem grossen Brande von 1708, heirathete 1690 zu Wien den Fürsten
') J6, A. Nykoff IV. Bd. S. 4.50.— 2 ) Jan Orlers Warachtige Beschry vinghe van alle de Belegeringhe ende Victorien — des Mauritzvon Nassau prince van Oranjen. Leiden 1619, fol. mit Kupfern. — In diesem Werke ist auch eine Abbildung von Wachtendonck aus derVogelschau; eine andere Abbildung in Plan befindet sich in Blaew Theatrum. — 3) Auch hier ist wieder ein Beleg, wie traurig diespanische Finanz-Verwaltung war.