179
Vogelsank ist ein für Landgüter hiesiger Gegend besonders beliebter Namen; fast jeder Kreis kann einsolches nachweisen. So gibt es ein Landgut dieses Namens bei Wesel, im Kreise Eees, mit 2 Wohnhäusern, einemFabrik- und einem landwirthschaftlichen Gebäude sammt 17 Einwohnern; einen Ackerhof mit 8 Einwohnern in derGemeinde Mörsenbroich, Kreis Düsseldorf; einen Ackerhof mit 27 Einwohnern in der Mirken bei Elberfeld; eineHofstadt mit 37 Einwohnern in der Bürgermeisterei Wald, Kreis Solingen. Mehrere andere Höfe und Wohnungenin den Bürgermeistereien Hardenberg, Velbert, Neuss, Cöln, Eynatten, Ratheim u. s. w., von denen ein Vogelsangchurcölnisches Lehn war, wahrscheinlich jenes bei Widderdorf. Auch hiess das Cartheuser Kloster bei Jülich, welchesim Jahre 1830 seinen Namen nach den damaligen Besitzern, Königs und Kamp, in Königskamp umwandelte, früher„zum Vogelsang''. Indessen von allen diesen nannte sich nicht Amt von Bocholtz 1531, ! ) sondern nach dem, wie esscheint, jetzt untergegangenen Sitze Vogelsang, Lehn des Rittersitzes Ingenraedt (siehe oben S. 123 u. Bd. II, S. 101).
Vowynckel war ein, wie es scheint, jetzt verschwundener Hof im Kirchspiel Willich, 2 ) Kreis Crefeld,ehemaligen Decanate Neuss.
.55. Wachtendonck.
Wachtendonck, jetzt eine Stadt mit 2600 Einwohnern, war ursprünglich nur eine Burg auf einer Inselder Niers (Donk), wahrscheinlich hervorgegangen aus einem Sitze eines Häuptlings der Gugeren oder der ihnenfolgenden Franken und in Folge dessen Wiege eines Dynastengeschlechts, dessen Geschichte ich in Band I, Abth. 2,Seite 175—78 dieses Werkes lieferte. Wachtendonck gehörte kirchlich zu dem Decanat Süchtelen und lag in demKirchspiele Geseren oder Geiseren, dessen Pfarrkirche, dem h. Sebastian gewidmet, vor der jetzigen Stadt Wachten-donck, da wo jetzt der Kirchhof ist, gelegen war. Vor der Burg auf einer zweiten Insel der Niers siedelte sich nachund nach eine zahlreiche Vasallenschaft an, welche die Sicherheit, die das Wasser bot, noch durch Wälle vermehrteund so den Pastor von Geiseren bestimmte, die Verlegung der Pfarrkirche in die Befestigung zu genehmigen. DerNeubau der Kirche begann, unterstützt von dem Burgherrn, im Jahre 1460; sie wurde dem h. Michael gewidmet.Während Wachtendonck zu einer Stadt und einem Sitze eines besonderen Amts: Wachtendonck emporwuchs, sankGeiseren zu einer Capelle herunter, die dem Pastor 5 Mark, dem Vicar 7 Mark und ausserdem 20 Malter Roggeneintrug und sammt der Nicolai-Vicarie vom Herzoge von Cleve vergeben wurde. Diese letztgenannte Vicarie haftetean einer zweiten, ebenfalls vor der Stadt gelegenen Capelle, deren Rector mit 22 Malter Roggen dotirt war. Sonstbestand noch in der Pfarrkirche selbst ein, dem Kloster: Thal Josaphat, incorporirter Altar, dessen Beneficium einMönch dieses Klosters genoss. Ueber die Pfarrkirche zu Wachtendonck übte der Besitzer der dortigen Burg dasPatronat. Zu diesem Zeugnisse, dass der Burgherr von Wachtendonck der ursprüngliche Grund- und Gerichtsherrdaselbst gewesen ist und dass ihm lefzteres sein Dasein und seine Rechte zu verdanken hatte, gesellt sich auch dasGerichts- und Stadt-Siegel, welches einen Thurm darstellt mit einer darüber schwebenden Gleve: dem Schild- undFeldzeichen der Herren von Wachtendonck. Jetzt gehört Wachtendonck zur Diöcese Münster, heisst Stadt undhat 2 kirchliche, 3 öffentliche, 205 Wohn-, 121 landwirthschaftliche Gebäude, 3 Mühlen und ein aufgehobenes Clarissen-Kloster, jetzt Schule und Wirthshaus. Die Burg ist zerstört, nur an ganz unbedeutenden Trümmern von ihr knüpfensich die ihr erhaltenen Rechte des Rittersitzes; das ihr nahe, in derselben Bürgermeisterei gelegene Rittergut Holtheidetheilt in diesem Punkte mit ihr ein ähnliches Schicksal.
Ueber Wachtendonck haben sich folgende Nachrichten erhalten:
Die Laten von Geiseren mussten in ältesten Zeilen vor dem chureölnischen Amtmanne von Kempen Recht nehmen,der sich zu dem Ende alle vierzehn Tage vor der Kirche zu Geiseren einzufinden hatte. 3 ) Dieses Veihältniss scheint ausder Amtsgewalt der Grafen des Gaues Moila (Mühlegau), zu dem Wachtendonck ursprünglich gehörte, hervor- und auf dieErzbischöfe übergegangen zu sein, während die Landeshoheit im Uebrigen auf die Grafen resp. Herzoge von Geldern,wahrscheinlich aus der angemassten Herzoglichen Gewalt, gelangt ist.
Schon 1381 ist Wachtendonck eine Stadt und Arnold von Wachtendonck dort Grundherr; er stiftete als solcherim August des gedachten Jahres eine Capelle auf der Heyden bei Dieproyde im Kirchspiel Geiseren. Gleichzeitig findetsich Burg und Stadt Wachtendonck Tür 3000 Gulden und 1000 goldene Schilde verpfändet. Ritter Arnold von Wachtendonckhatte diese Pfandschaft für die erste Summe seinein Schwager Reynard, Herrn zu Schönforst und Sichern, und für dieandere dem Erzstifte Cöln eingeräumt. Erzbischof Friedrich III. von Cöln löste die Pfandschaft des Schünforst an sich,worauf ihm Arnold von Wachtendonck, Sohn des vorgenannten Ritlers Arnold, am 20. Dec. 1390 eine unaulkiindbare Mannschaftund die OefFnung der Burg und Stadt Wachtendonck gelobte. Am 5. Jan. 1410 brachten Reinald, Herzog von Jülich undGeldern, und seine Frau Maria einen Heirathsvertrag zwischen dem Bastarde Wilhelm von Jülich, unehelichen Sohne Reinald s undJohanna, einzige Tochter des f Arnold von Wachtendonck, zu Stande, in Folge dessen Letzlere Burg und Land Wachtendonckin die Ehe brachte. Am 5. Nov 1426 erlheilt Wilhelm von Wachtendonck dem Erzbischofe von Cöln das Oeffnungsrecht derBurg und Stadt Wachtendonck, welches seither der Herzog von Cleve besessen hatte, diesem aber jetzt abgesagt wird undim Jahre 1431 dem Herzoge Arnold von Geldern. Im selbigen Jahre 17. Juli erklärt König Sigismund mehrere Städle, darunter
') Bd. II, S. 101. — 2) Ebenda S. 142. — 3 ) Das Statutenbuck der Stadt Kempen sagt: Det is dat Recht, dat eynErzbuseop van Colne heyt in dem Lande van (Jeyseren . . dat eyn Amptman van Kempen to allen vertyn nachten mag dinghen vur derKirchen to Geyseren mit den Laeten aldae. Bintrim und Mooren Erzdiöcese Cöln, Bd. I. S. 253.
Fahne, Bocholtz. I. H