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F. Die Capclle zu Plittersdorf ist nach der Sage von einem Flötzer gegründet. Die Sage hat Gymnasial-Lehrer Kneisel in Bonn folgender Art besungen:
Wie ein schwimmend Eiland stark und gross,Reich an Volk und Hütten, kommt ein FlossAuf des Rheines blauen Spiegelwogen
"Von des Main's Gestaden hergezogen;Langsam naht es sieh in stolzem Lauf
Schon des Drachenfelsen Uferkrümme;
Aber plötzlich wühlt mit wildem GrimmeEin Orkan des Stromes Tiefen auf.
In des Wetters blitzdurchzuckter Nacht,
Bei der Elemente grauser Schlacht,
Droht das Flosa, ein Spielball blinder Wellen,An des Ufers Klippen zu zerschellen.
Weggeschleudert aus der sichern Bahn,Fleht der Eigner, in des Sturm 1 « GetümmelTrostlos bald sein Schiffsvolk, bald den
Himmel,
Bald das nahe Dorf um Rettung an.
Doch umsonst! mit immer stärk'rer Wuth
Tobt die Windsbraut, wogt und braust die Fluth.Fruchtlos hält der Knechteschaar am StrandeDuroli des Ankers Wucht, des Taues iiande
Das gewalt'ge Floss im Lauf zurück;
Ach! kein Anker hält im lockern DammeUnd kein Tau am stärksten Buchenstamme:
Hier zerknickt der Baum, dortreisst der Strick
Fast verzweifelnd wagt in schwankem Kahn
Sich der Flossherr selbst zum Strand hinan,Und versucht, zurNoth, des Sturmes WüthenMit vereinter Thatkraft Trotz zu bieten;
Denn dem Floss, das wild der Strömung DrangMit sich reisst. die Wogen überbranden,Drohet bei soh-on halbzersprengten Banden
Der geringste Stoss den Untergang.
Angstvoll spähend irrt er hin und her,
Und vertraut der Hoffnung selbst nicht mehr.
Sich', da eilt vomDorf, trotz Sturm und Regen,
Eine zücht'go Jungfrau ihm entgegen:„Folg 1 mir Fremdling! und verzage nicht!
Sieh 1 ., dort prangen, nah' dem Strand, drei
Eichen,
Und in ihrem Kreis des Kreuzes Zeichen,Dessen Kraft die Wuth der Hölle bricht."
Und als oh ein Engel ihm genaht,
Zieht er eiligst, auf des Mädchens Rath ,Nebst der Knechte Tross mit Tau und KetteZu der nahgelegnen Reltungsstätte.
„Krönt der Himmel!" ruft er, „mein Vertrau'n,So gelob' ich, hier an dieser StelleZum Gedächtniss eine Betkapelle
Gott und seinen Heiligen zu erbau'n!"
Und belebt mit Muth und Zuversicht,
Die ihm des Erfolges Gunst verspricht,Strebt er schnell, mit siebenfachen SchlingenDas bedrohte Floss zum Steh'n zu bringen.
Und — o Freude! — wunderplötzlich hält,Wie mit Zauberbanden festgekettet,Der Koloss gebändigt und gerettet
Mitten im Gewühl der Wasserwelt! —
Endlich scheucht der Morgensonne Blick
Auch die letzte Spur des Sturmes zurück;Neuverjüngt, in heit'rer Lenzesmilde,Schimmern Strom und Hügel und Gefilde;
Und der Flösser geht, mit frohem Sinn
Und geschäft'ger Hand an's Werk, erneuertDer geborst'nen Fugen Band, und steuert
Hoffnungsvoll zum Port der Reise hin.
Doch er hat, sich selber unbewusst,
Bei dem Abschied in verschwieg'ner Brust,
Ein geliebtes Bild von dort entwendet.
Und dafür sein Herz zum Preis verpfändet,Wo die Tugend, reich an Reiz und Huld,
Doch in unverdienter Noth erscheinet,
Und das Mitleid sich zur Achtung einet,Lohnt die Liebe gern des Dankes Schuld.
Denn er fand die holde Dörferin,
Die aus Mitgefühl, nicht für Gewinn,Ihn vom sichern Untergang befreite,Selbst im Elend und des Mangels Beute,
Und vernahm , wie sie, zwar allverehrt,Doch nicht unterstützt, so fromm und biederIhre blinde Mutter und zwei Brüder
Bloss durch ihrer Hände Fleiss ernährt.
Drum vermocht' er, bei der Trennung Weh'n,
Kaum der Sehnsucht Drang zu widersteh'n,Als die Holde, mit bescheid'ner RötheSeines Dank's zu reichen Zoll verschmähte;
Drum beschloss er, nach der Fahrt Gedeih'nSie dem Druck des Mangels zu entrücken,Durch ihr Glück sich selber zu beglücken,
Oder nie mehr sich des Glück'B zu freu'n.
Und als er mit Umsioht und Bedacht
Seiner Heise Zweck nach Wunsch vollbracht.Und mit seines Flosses gold'nem WertheZu dem lieben Dörfchen wiederkehrte,
Legt er, sein Gelübde durch die ThatZu besiegeln, an der RettungstelleSelbst den ersten Stein zur Betkapelle,
Die sich schleunigst der Vollendung naht.
O, mit welcher Lust und Emsigkeit
Macht er sich zum nächsten Zug bereit,Um, noch eh' die Blühten sich erneuern iRasch das Floss zum Tiefland hinzusteuern,
Und mit welcher Seelenlust erblickt
Er von fern schon, an des Dorfs Gestado iSeines Dankes Stiftung, die man g'rade
Mit dem Siegesmal des Kreuzes schmückt!
Sehnsuchtsvoll, doch seinem Vorsatz treu,Schifft er an dem lieben Strand vorbei,
Mit dem Wunsch, dass auf des Zephyrs
Schwingen
Seiner Liebe Gruss zur Theuern dringe.Mit erhöh'tem Muth und sich'rer Eil'
Lenkt er seinen Wald dem Ziel entgegen;
Und zum Lohn wird durch des Himmels SegenUim des Glückes reichster Preis zu Theil.
Freudig bricht er, nach vollbrachtem Kauf,
Mit den Schätzen seines Fleisses auf,
Pilgert fort mit leichtbeschwingten Füssen,Um recht bald sein theures Dorf zu grüssen,
Das, schon lang' zum schönsten Fest bereit,Des gefei'rten Gastes Sehnsucht theilet,Jetzt zum Willkomm ihm entgegen eilet
Und sich jubelnd seiner Ankunft freut.
Bei der Glocken munterm Erstlingston
Wallt das Volk, am nächssen Sonntag schon,Durch der Strassen dichtbelaubte Reihe ,In gemess'nem Schritt zur Tempelweihe.
Kreuz und Fahnen geh'n dem Zug voran;An der Flötenspieler-Bande reihetSich die Jugend, welche Blumen streuet,
Und der Jungfrau'n zücht'ge Auswahl an.
Hut und Brust geschmückt mit Strauss und Band,Folgt der Jünglingschor im Festgewand,
Nebst dem Flösser an des Mädchens Seite.
In der Schützen kriegrischem Geleite;Dann die Priesterchaft im Amtstalar,
Mit dem ew'gen Licht und Rauchgefässe,
Mit dem Heiligthum und Kelch der Messe;Und zuletzt des Volks gemischte Schaar.
Betend langt der Zug im Kirchlein an,
Das der Gläub'gen Zahl kaum fassen kann.Ernst und feierlich, nach alter Sitte,Tritt der Bischof vor des Altars Mitte,
Bringt dem Herrn das heil'ge Opfer dar,Weiht das Haus, von Menschenhand erbaut,Zu der Gottheit Wohnsitz ein, und trauet
Zu der Feier Schluss das Hochzeitspaar.
Diese ältere Capelle wurde mit der Zeit haufällig und das bewog den gedachten Canzler v. Karg, sie1719 neu herstellen zu lassen. Seitdem trägt sie über der Thür aussen folgende Inschrift:
fn honorem Dci et memoriain Dciparae nec non . S. S. Martijrum Evergisli Archiepiscopi Coloniensis, Georgiiet Joanois Nepomuceni canonici pragensis hanc capellam prae vetutaste fere collapsam restaurari fecit . Jo. Fnd. Karg.L. B. de Bebenburg . Abbas Mon. S. Mich, in periculo niaris . Suprem. Cancell. Serenis . suae Elect. Colon. A. D. MDCCX1X.