170
f 6.
Ausserdem trug der Thurmhof noch drei Wappensteine, der eine mit drei Kugeln (Nr. 2), der zweite miteinem Kreuze verziert und in der obern rechten Vierung eine Judenmütze (vorstehend Nr. 3), der dritte dreimalquer getheilt, der oberste Streifen am meisten vorspringend, der mittelste weniger und der unterste am wenigsten. 1 )Das Haus, worin sich diese Steine vorfanden, wurde durch ein neueres ersetzt, und zwar, wie der Baustyl diesesLetzteren bekundet, im vorigen Jahrhunderte. In der Giebelspitze dieses neuen Gebäudes wurden die beiden Wappen2 und 4 angebracht. Es brannte in der Nacht vom 8. auf 9. Februar 1838 bis auf die Mauern ab, wurde aber ganzin der Form des abgebrannten von der Vaterländischen Feuer-Versicherungsgesellschaft wieder hergestellt, und so stehtes noch, ein ganz steinernes, solides Gebäude; als einzige Veränderung muss bemerkt werden, dass von den beidenWappen nur noch das mit den Kugeln den Giebel ziert.
Ueber die alten Besitzer dieses Hofes habe ich nur Weniges zu ermitteln vermocht. Anfangs des achtzehntenJahrhunderts war Johann Friedrich Karg, Herr von Bebenburg, sein Eigenthümer und zugleich der zweite Gründerder Capelle zu Plittersdorf, von der sogleich die Bede sein wird. Dieser, in seine Zeit tief eingreifende und über dasGeschick des Churstaats Cöln gebietende Mann, war Abt von St. Michael in der Normandie und Canzler und ersterMinister des Churfiirsten Joseph Clemens von Cöln. Er hiess eigentlich Karrig, wurde aber unter dem Namen Kargvon Bebenburg am 29. November 1698 von Kaiser Leopold in den Reichsfreiherrnstand erhoben mit der Befugniss,zu adoptiren. Er trat, trotz dieser Gnade, der kaiserlichen Politik entgegen und begünstigte Frankreich, weil, wieberichtet wird, der französiche König ihm dafür nach dem Absterben des Cardinal Portocarcro das Erzbisthum Toledozugesagt hatte. Die kaiserlichen Truppen rückten vor Bonn und Karg entfloh in Bauerntracht zu dem Erzbischofe,'der sich in Namur aufhielt. Später war Karg Gesandter auf den Friedenscongressen zu Utrecht 1712 und Baden 1714.Er starb gegen 1724. Ueber ihn und die Genealogie seiner Familie findet man die verschiedensten Nachrichten;einige machen aus ihm zwei Personen, andere legen ihm Kinder bei; beides irrig. Er hatte einen Bruder, Carl,Comitial- Gesandter mehrerer geistlicher Fürsten zu Regensburg, auf dessen Kinder Kaiser Carl am 10. Dec. 1731die Freiherrn-Verleihung ausdehnte. Dieser stiftete die bayrische Linie, welche 1815 in zweien seiner Enkel: 1.Bernard, geb. 1744 26. Juli, Geheimrath und k. Kämmerer, und 2. Carl Anton, geb. 1756 25. April, Hauptmann,sowie in einem Vetter Theodor Marquard, geb. 1799 27. Juni, fortblühte. Der Erbe des Ministers in dem Thurmhofewurde Johann Friedrich v. Cler, der ein Sohn einer Schwester des Ministers gewesen zu sein scheint; wenigstenswird in dem ihm ertheilten Freiherrn-Diplom der Gesandte von Kai-g sein Oheim genannt. Dieser Johann. Friedrichhiess ursprünglich De Cler, hatte Verwandte in bambergischen Diensten, wurde 1709 1. Sept. als „von" Cler in denReichsadel erhoben und erhielt als Wappen in Blau einen goldenen Arm, der ein goldenes Kleeblatt in der Handhält (oben Nr. 5). Am 16. Dec. 1732 wurde ihm der Freiherrnstand verliehen und heisst er in dem Diplome :Churcölnischer Geheimrath, Besitzer der Herrschaft Meckenheim und der Güter Krey und Thurmhoff. Bei dieserGelegenheit wurde ihm das Wappen vermehrt, quadrirt: 1 und 4 der goldene Arm in Blau, 2 und 3 in Silber diebeiden oben beschriebenen Thürme, welche roth blasonirt sind. Er war mit Johanna Josephe Freiin von Moreauverheirathet und hinterliess unter andern zwei Töchter 2 ): Augustine und Maria Friederice, welche 1752 den Thurmhofbesassen. Später verkauften die v. Cler den Hof an Meter (Mestre), den nachherigen Friedensrichter zu Bonn, demChristoph Brückner im Besitze folgte. Gegen ihn wurde der Hof subhastirt; ehe jedoch der Verkaufstermin gekommen
') Das Wappen unter 2 scheint der Familie v. Büchel und das unter 3 der Familie von Judenkop genannt Streitfragen anzu-gehören. — 2 ) Ueber andere Nachkommen siehe meine Geschichte der Cöln. Geschlechter Bd. II,